Buchmesse: Subjektive Spotlights

Veröffentlicht: Sonntag, 16. Oktober 2011

Abt: Messe Impressionen

Buchmesse Frankfurt 2011: Ein »Kein-Report«

von MaHo

Same procedure as every year: Irgendwie zu viele Termine, irgendwie zu wenig Zeit. Die Frankfurter Buchmesse 2011 geht heute zu Ende. Die weltweit größte Veranstaltung dieser Art findet seit 1949 statt. Zum elften Mal gibt es einen speziellen Bereich für Comics in Halle 3.0, wo sich unter dem Motto »Faszination Comic« die meisten Comicverlage tummeln und es viele Spezialveranstaltungen, wie Preisverleihungen, Podiumsdiskussionen oder Künstlerinterviews gibt.

Der COMIC REPORT war gleich im ersten Jahr seines Bestehens auch vertreten. Mit Volkers Edition Alfons haben wir uns einen kleinen Teil der Regalfläche am »Comic Gemeinschaftsstand« gegönnt, welcher erstmals für Kleinverlage eingerichtet wurde.

Wir waren zwei Tage auf der Messe. Donnerstag und Freitag haben wir uns mit den meisten Comicverlagen und Machern über die Zukunft des gedruckten COMIC REPORTs und die CRON-Webseite unterhalten und viel positives Feedback registriert. Außerdem hatten wir ein neues Projekt im Gepäck, über das wir wahrscheinlich sehr bald via CRON genauer berichten werden.

Eigentlich sollte an dieser Stelle ein Messe-Report stehen, aber wir haben uns dagegen entschieden, weil wir unseren Schwerpunkt auf Termine und Interna gesetzt hatten. Aus diesem Grund möchte ich alle Interessenten auf die Arbeit der Kollegen von Splashcomics verweisen, die gewohnt umfangreich über die »Faszination Comic« berichten.

Stattdessen nachfolgend in Stichworten einige persönliche Spotlights:

Wieder mit einem eigenen Stand vertreten war der Bielefelder Splitter Verlag. Am Stand gab es nicht nur Gratis-Exemplare des Schlumpf-Magazins, sondern man hatte auch den aktuellen Schlümpfe-Zeichner  Pascal Garray sowie viele deutsche Eigenproduktionen zu präsentieren.

Das Team um Birgit Fricke und Wolle Strzyz hat sich diesmal besondere Mühe mit dem Programm und den Abläufen vor Ort gegeben, nachdem letztes Jahr etwas Kritik aufgekommen war. Der neue »Comic Gemeinschaftsstand« ist eine gute Idee für kleine Verlage, die keinen permanenten eigenen Stand bemannen können oder wollen. Die meisten Termine mit Verlagen, Druckereien oder Vertrieben haben wir bei den jeweiligen Partnern an den Ständen geführt, aber als wir erfuhren, dass wir an diesem Stand sogar diverse Getränke wie Kaffee, Cola oder gar Bier anbieten konnten, haben wir am zweiten Tag spontane Meetings mit Journalisten oder anderen Kleinverlegern natürlich auch an diesem gut betreuten Stand abgewickelt.

Nachdem Reprodukt 2010 in die Halle 4 umgezogen ist, weil man sich als Graphic Novel Verlag lieber bei den Kunstbuch Verlagen verortet, und damit nicht schlecht gefahren war, zog es dieses Jahr auch Schreiber & Leser oder den Vertrieb MSW dorthin. Sehr wahrscheinlich war dies aber eine einmalige Aktion und man dürfte Rossi, Philipp & Co. 2012 wieder im Comicbereich antreffen. Wer Comics sucht und im Messeplan schaut, der geht eben erst mal zur Halle 3, wo die Comics gut zu finden sind.

Wir führten ein Interview mit dem italienischen Zeichner Igort (neuster Titel zur Buchmesse: Berichte aus der Ukraine bei Reprodukt), der seit den 1980er Jahren im Geschäft und nicht nur einer der wichtigsten Vertreter der Künstlergruppe Valvoline ist, sondern der auch als einer der ersten Europäer für japanische Verlage gearbeitet hat. Ich konnte bislang nichts mit den meisten Werken von Igort anfangen, aber es bestätigte sich mal wieder die Regel, dass der erste Eindruck nicht der Richtige sein muss. Das Gespräch, das hauptsächlich Volker mit ihm geführt hat und das in der nächsten REDDITION kommt, war so interessant, dass es mich neugierig gemacht hat. Und siehe da, gerade sein neustes Buch ist wirklich zugänglicher und mehr als einen Blick wert.

Der Amerikaner Craig Thompson war einer der umschwärmtesten Künstler auf der Buchmesse. Das liegt nicht nur an seinem neusten Titel, dem monumentalen Habibi, sondern auch daran, dass er ein richtig gut aussehender, freundlicher und sympathischer »Smartie« ist. Hier stimmt wirklich das Gesamtpaket.

Ebenso höchst beliebt war Charlie Adlard, der britische Zeichner von The Walking Dead, den ich erstmals vor rund einem Jahr auf einem französischen Comicfestival persönlich getroffen habe (daraus wurde ein Interview für das ZACK Magazin). Eine coole Socke, die gern unterwegs ist und interessante Antworten gibt und einen guten Musikgeschmack hat.

Bereits am Donnerstag war jede Menge los auf der Messe, zumindest für mein Empfinden. Wenn man beispielsweise in Zeitdruck war und von Halle 4 nach Halle 3 gehetzt ist, dann kam man sich vor wie in einem Computerspiel, weil so viele Hindernisse auf dem Weg umherliefen: Leute, die keine Termine hatten und ziellos durch die Gänge mäanderten. Ich entschuldige mich hiermit bei dem langsamen Messebesucher, den ich fast umgetreten hatte, als er partout nicht aus dem Weg wollte. Und Volker entschuldigt sich sicher bei dem anderen Besucher, den er fast über das Geländer der Rolltreppe gedrückt hat. Scheeerz!

Der Gesamteindruck, den ich von den anwesenden Comicschaffenden gewonnen habe, war gut. Ob Verlagsleiter, Geschäftsführer, Mitarbeiter, Pressefrau, Zeichner oder Schreiberling, fast alle sahen gut und zufrieden aus. Große Klagen gab es nicht mal bei den verantwortlichen Leitern bei Carlsen und Tokyopop, als ich sie direkt fragte, wie stark die Herzrhythmusstörungen waren, als sie von Ehapas Deal mit Kazé gehört hatten. Im Gegenteil, man gab sich selbstbewusst und sieht sich gut gerüstet. Wenn ich in Gesprächen mit Verantwortlichen plötzlich Fragen wie diese anspreche, dann kriege ich seit neustem erst mal eine Gegenfrage: »Willst Du meine persönliche Meinung wissen oder ein offizielles Statement?«.

Den Preis für den »coolsten Schreibtisch« bekäme, würde es diesen geben, Klaus Schleiter vom Steinchen für Steinchen Verlag, der seine Meetings hinter einer Art überdimensionalem Gerätekoffer durchführte. Und würde man den »Best dressed comics publisher« ermitteln, so kann diese Auszeichnung in diesem Jahr nur an Achim Dressler von Bocola gehen.

Die Buchmesse verlief für uns sehr gut. Mit einem zufriedenen Gefühl konnten wir am Freitag die Heimreise antreten. Es wird viel passieren im Bereich Comic. Seid gespannt! Wir freuen uns, in der nächsten Zeit einige tolle Nachrichten verbreiten zu können. Und im nächsten Jahr gibt es dann einen tiefschürfenden Messerundgang mit Analyse. Versprochen!

Weiterführende Links: Ausführliche Berichterstattung bei Splashcomics

Fotos © Volker Hamann, MaHo, Siegfried Scholz