Ausstellung: Barks, Wäscher und Co in Speyer

Veröffentlicht: Donnerstag, 27. Oktober 2011

Abt: Comic-Ausstellung

Eisner, Barks und Foster in Speyer

Kunstverein goes Comic

Rund 50.000 Einwohner leben im schönen Städtchen Speyer in Rheinland-Pfalz. Der örtliche Kunstverein hat sich zum Jahresausklang etwas Besonderes einfallen lassen. Unter dem Motto »Comics im Kunstverein – sechs Jahrzehnte 9. Kunst in Deutschland« präsentiert man in den Räumen des Vereins knapp 70 Originalseiten oder Originalzeichnungen von bedeutenden Comiczeichnern.

Tatkräftigt unterstützt wurde der Verein durch den Pfälzer Comicstammtisch, und so kann man vom 13.11.2011 bis 04.12.2011 Originale von Größen wie Will Eisner, Carl Barks, Hal Foster, Hansrudi Wäscher, e.o.plauen, Loriot, Maurice Tillieux, André Franquin, Peyo, Bilal, Hergé, Yves Chaland, Albert Uderzo, Don Lawrence, Mark Buckingham oder Moebius bestaunen.

Von Seiten des Comicstammtischs ist neben anderen Christian Schmidt-Neumann maßgeblich bei der Organisation beteiligt. Matthias Hofmann stellte ihm für CRON einige Fragen zur Ausstellung.


Wie entstand die Idee zu dieser Ausstellung?

Der Kunstverein Speyer kam in Person des Vorsitzenden, Herrn Dudenhöffer, vor einem knappen Jahr auf mich zu und fragte an, ob wir als Pfälzer Comicstammtisch Interesse und Zeit hätten, sie bei der Planung und Durchführung einer Ausstellung zu unterstützen. Der Kunstverein möchte eine Ausstellung zum Thema »Comics« arrangieren und benötige insbesondere inhaltliche Unterstützung. Die Rahmenbedingungen, wie Räumlichkeiten, Werbung und Pressearbeit, Katalog und nicht zu vergessen die finanzielle Seite der Sache, ist mehrheitlich Angelegenheit des Kunstvereins.

Comics im Kunstverein sind ja nicht üblich? In anderen Städten muss man erst die Verantwortlichen überreden …

Die folgenden Schritte bei der Planung begleitete Herr Dudenhöffer sehr offen und roßzügig. Zu keiner Zeit musste er von uns oder wir von ihm zu irgendetwas die Ausstellung betreffend überredet werden.

Der Kunstverein möchte sich mit dieser Ausstellung einerseits dem Thema Comics (»Neunte Kunst«), andererseits auch einem anderen, jüngeren Publikum zuwenden.

Was sind die besonderen Herausforderungen, eine solche Ausstellung auf die Beine zu stellen?

Zunächst musste das Thema eingegrenzt werden. Welche Objekte stehen zur Verfügung? Wer vertraut uns seine Originale an? Möchten wir ausschließlich Originale zeigen? Oder könnte auch Merchandise aus der »wunderbaren oder wunderlichen …« Welt der Comics für ein nicht comicaffines Publikum von Interesse sein? Wer soll mit dieser Ausstellung überhaupt angesprochen werden?

 

Foto-Shooting für den Ausstellungskatalog:

Ein Teil der Vorbereitungsgruppe mit einem der Leihgeber (Alexander Bubenheimer) beim Fotografieren der Originale für den Katalog

(vlnr):Christian Schmidt-Neumann (Fotograf), Daniel Schmidt (sitzend), Wolfagmg Klingel (stehend) und im Ponyhofshirt Alexander Bubenheimer.

 

Entschieden haben wir uns für die Präsentation von zirka 70 Originalseiten und Titelbilder, sowie Illustrationen. Daneben werden in sechs Vitrinen Figuren, Hefte und allerlei Spezielles rund um das Thema Comic zur Schau gestellt.

Gegliedert wird die Ausstellung in sechs Abschnitte: Zu jedem Jahrzehnt seit den 1950igern passt ein Abschnitt, dem die passenden Originale zugeordnet werden. Räumlich getrennt werden die Jahrzehnte durch die erwähnten Vitrinen und an der Wand angebrachte Fahnen, die kurze Infos dazu bereit halten.

Es gab in unseren Reihen zwei Strömungen: die eher aus der Ecke der etablierten Kunst stammenden Mitglieder und diejenigen, die seit Jahrzehnten, zum Teil beruflich, zum Teil als Fans mit Comics zu tun haben. Letztlich gab aber der Vorsitzende die Linie vor: Populär, nicht elitär! Und das einte dann einen Kreis von fünf Mitgliedern (mehr wären zu viel gewesen), der sich regelmäßig mit Herrn Dudenhöffer traf. Dazu gesellten sich, je nach Gebiet und Planungsstadium, weitere Stammtischler, die spezielle Kenntnisse und Fähigkeiten und Kontakte besitzen.

Für die Vernissage braucht es natürlich auch einen ausgewiesenen Experten, den wir in Horst Berner aus Stuttgart schnell gefunden hatten. Er wird den Eröffnungsvortrag halten, der darüber hinaus auch im Ausstellungskatalog zum Abdruck kommen wird. Für einen Zeichenworkshop mit Signierstunde konnten wir die Manga-Zeichnerin Alexandra Völker gewinnen. Und gemeinsam mit einer privaten Filminitiative aus Speyer zeigen wir die Comicverfilmung »Immer Drama um Tamara«. Abgerundet wird das Begleitprogramm mit zwei öffentlichen Führungen, für die sich Thomas Dräger zur Verfügung stellt.

Was gibt es zum Ausstellungskatalog zu sagen?

Das Cover des Katalogs ziert ein eigens für diese Ausstellung erstelltes Motiv von Oliver Schollenberger, einem Speyerer Künstler, der unserem Stammtisch angehört. Innen finden die Leser 42 teilweise ganzseitige Abbildungen von Originalseiten, Cover, Illustrationen und Splashpages, die in der Expo gezeigt werden.

Wie bereits erwähnt findet sich der einführende Vortrag von Horst Berner im Katalog wieder, sowie eine kurz gefasste Zeitreise durch sechs Jahrzehnte Comicgeschichte mit den Schwerpunkten USA, Frankreich/Belgien und Deutschland. Abgerundet wird das Ganze mit der Übersicht aller 71 gezeigten Originale.

Der Katalog wird im Format DIN A 4 gedruckt. durchgehend vierfarbig sein und 44 Seiten umfassen. Er wird zwölf Euro kosten und während der Ausstellung zu kaufen sein oder direkt über den Kunstverein.

Welche Exponate sind deiner persönlichen Meinung nach die Highlights?

Meine persönlichen Highlights sind Originale von Jim Aparo (Batman-Cover), Carl Barks (»How green was my lettuce«), Yves Chaland (Freddy Lombard), Jean Giraud (Blueberry), drei Panels von Hergé aus Tim und Struppi »Die sieben Kristallkugeln« und die Luc Junior-Seite von Albert Uderzo.

Außerdem erlauben wir uns deutsche Altmeister, wie e.o. plauen, Loriot, Schmidt, Wäscher und Nickel im Original den Betrachtern anzubieten. Die beiden Erstgenannten passen nur bedingt in die Ausstellung. Aber wer kann schon »nein« sagen, wenn solche Pretiosen zur Schau von Sammlern offeriert werden…

Das hört sich doch insgesamt ziemlich interessant an. Ich hoffe, es finden viele Comic-Fans den Weg nach Speyer zu eurer Ausstellung. Viel Erfolg!


Die nackten Fakten

Comicausstellung in Speyer
Termin: 13.11.2011 bis 04.12.2012
Ort: Kunstverein Speyer, Flachsgasse 3, 67346 Speyer/Rhein
Eintritt: frei
Öffnungszeiten: täglich von 11 Uhr bis 18 Uhr, Montag geschlossen
Vernissage mit Comicexperte Horst Berner: 13.11.2011 um 11 Uhr
Führungen am 26.11.11 und 14.12.2011 um 17 Uhr
Zeichenworkshop mit Alexandra Völker: 26.11.2011 von 14 bis 16 Uhr

Den Ausstellungskatalog gibt es für 12 Euro während der Ausstellung zu kaufen oder zu bestellen, direkt über den Kunstverein Speyer (Tel. 06232-919858).