Lachwitz liest: Folge 8 - ComicAction 2013 Prolog

Veröffentlicht: Dienstag, 22. Oktober 2013 Geschrieben von MaHo

Anders Cover 

Nach einer Sommerpause gibt es eine neue Folge unseres Webcomics-Experten Alexander Lachwitz, der sich mit der bevorstehenden ComicAction 2013 in Essen beschäftigt.

Lachwitz liest:Wow
Streifzüge durch die Wunderbare Webcomics Welt

Folge 8: Koffer packen für Spiele und ... ComicAction

VON ALEXANDER LACHTWITZ

Aomic Action 2013Ende dieser Woche ist es wieder soweit und die Messe SPIEL mitsamt der angeschlossenen ComicAction öffnet ihre Pforten. Obwohl die ComicAction etwas beschaulicher daherkommt als z.B. der Comic-Salon Erlangen, bietet sie gerade deswegen die Möglichkeit, bei den diversen kleinen Verlagen und (Web-)Comiczeichnern einen etwas persönlicheren Eindruck von ihrer Arbeit zu gewinnen.

Auffällig ist wie viele »Webcomicler« dieses Jahr Hefte oder andere Produkte gezielt zur ComicAction fertigstellen. Eine Liste mit allen ausstellenden Zeichnern gibt es bei auf der Homepage, wo ihr auch Hallen- und Standpläne finden könnt. Neben neuen Heften, Büchern und Stoffpuppen gibt es auch ein besonderes Kollaborationsprojekt, das dieses Jahr auf der ComicAction veröffentlicht wird, aber eins nach dem anderen.

Leander Aurel Taubner Folge 219b

Unordnung zum Anfassen

Leander Aurel Taubner gehört mit seiner feinen Linie zwar noch zu den jüngeren Kollegen im Webcomicreigen, hat sich aber schon mit seinem Erstauftritt bei der letztjährigen ComicAction einen guten Namen machen können. Zwar wird es dieses Jahr wohl nicht das scherzhaft versprochene Comicheft zu Grammarnziman & Typoboy geben, aber dafür hat er sich im wahrsten Sinne des Wortes nicht lumpen lassen und seinen heimlichen Mitbewohner Schluderie als Stoffpuppe gestaltet. Gemäß einer kleinen Auflage von gerade einmal 20 Exemplaren definitiv ein Sammlerstück, das mit 30€ vermutlich sehr selbstkasteiend kalkuliert wurde. Passend dazu gibt es auch ein erstes Schluderie-Heft in einer Auflage von 50 Heften zu je 4,50€.

Schluderie Puppe

Sachen gibt’s, immer wieder

Bei Michael Roos , der inzwischen nicht nur seinen Comicblog Sachen gibt’sund das Wortspielblog Das JournAAL zeichnet, sondern auch als Zeichner für die Reihe Harl's Hideout und Redax zuständig ist, geht’s inzwischen an das dritte Heftchen. Neben den besten Strips aus seinem dritten Jahr als Webcomiczeichner gibt es diesmal auch ein Miniposter und vermutlich wieder auch den einen oder anderen Exklusivstrip. Preislich wird das Heft wahrscheinlich wieder im Bereich um die 4€ liegen.

MichaelRoos 351

Wer die Vorgängerhefte noch nicht hat: Vom zweiten Heft sind noch Exemplare vorhanden und der Erstling liegt in einer zweiten Auflage vor. Inhaltlich bieten alle drei Hefte eine Mischung aus Arbeits- und Beziehungs-Alltag, garniert mit klaren Meinungen zu Videospielen und Filmen sowie einer Prise Hase, der sich immer wieder im unpassendsten Moment einmischt.

Back to the Roots

Kein wirklich neues Heft, aber eine schöne Geste gibt’s von David Malambré dem Zeichner und Autor des Videospiel-Comic Demolitionsquad. Nachdem das zweite und dritte Heft im A5-Hochformat und je mit einem Videospiel-Hommage-Cover daherkamen, hat er das erste Heft, welches noch im schmalen Querformat daherkam, überarbeitet und angepasst, damit die drei Demoltionsquad-Hefte eine homogene Erscheinung abgeben im Regal. Als Demolitionsquad Origins kommt diese Neuauflage in den Handel zu einem Preis von 3,80€. Wer sich schon den Erstling gekauft hat, kann diesen direkt beim Zeichner kostenlos gegen die neue Version eintauschen. Neben zwei neuen Minipostern beinhaltet das Heft eine Auswahl der älteren Strips von Davids Webseite rund um Videospiele und Gaming, sowie das Zusammenleben von Michael mit der schnorrigen Nadine.

Demolitionsquad Origins

Schisslaweng, überarbeitet aber noch immer ein Zungenbrecher

Seit nicht mal einem Jahr zeichnet Marvin Clifford seinen Schisslaweng-Comic und doch hat er damit schon genug Material für ein kleines Büchlein zusammen bekommen. Da der für seine Schnelligkeit bekannte Zeichner anders als die meisten in einem verlängerten A4-Format zeichnet, kann er mit einem Strip gleich mehrere Buchseiten füllen, während es bei den Kollegen meist umgekehrt ist.

Nach einer ersten Kleinauflage bildet Schisslaweng 1.02 die zweite Auflage, mit kleinen Änderungen und auch ein paar mehr Comics. Mit 23€ schlägt das Buch finanziell zwar deutlich stärker zu als die Hefte der Kollegen, doch mit 102 Seiten und im Hardcover-Format bewegt es sich auch in einer ganz anderen Liga. Marvin Clifford hat sich vor Schisslaweng mit seinem Fantasy-Satire-Comic Shakes&Fidget (samt dem zugehörigen Browsergame) besonders bei World-Of-Warcraft-Spielern einen großen Bekanntheitsgrad erarbeitet und gehört zu einem der vielseitigsten und auch vielbeschäftigsten Jungzeichnern der deutschen Szene.

Olga ermittelt, diesmal ohne Conny oder Reception-Man

Zwar kein Jungzeichner, aber dafür eines der erfahrensten und freundlichsten Gesichter der Szene ist Max Jähling, Schöpfer von Conny van Ehlsing, Reception-Man, der Starreporterin Olga Stark und vielen mehr. Nachdem er zuletzt mit einem upgradebaren Comicheft experimentierte, gibt es nun ein Wendecomic das sowohl einen 12-Stunden-Comic »Maximale Sicherheit« und »Geheimakte 1« enthält. Der Wendecomic wird für wenige drei Euro verkauft.

Bei Olga Stark handelt es sich um eine Figur die ursprünglich in Reception-Man auftauchte und die später, genau wie Conny, eine eigene Reihe erhielt. Über mögliche verwandtschaftliche Verhältnisse zu einem gewissen Anthony Stark verweigert der Autor bis heute konsequent jede Auskunft.

ANDERS Titelbild

Kwimbi macht alles ANDERS

Wie ein roter Faden zog sich in den letzten Wochen eine Teaser-Kampagne über die Webseiten diverser Webcomiczeichner und kündigte eine Anthologie namens ANDERS an, die vom Webcomicshop Kwimbi verlegt und vertrieben wird.

Neben einigen der schon oben erwähnten Zeichnern sind unter anderem die Dinozeichnerin Kaydee, Sarah Burrni, TeMel und Mario Bühling an der Horror-Grusel-Anthologie beteiligt.
Ein erster Blick in die Anthologie bestätigt, dass hier wirklich einiges anders gemacht wurde. Zwar entspricht ANDERS im konzeptionellen ganz klar einer Anthologie; es gibt ein übergreifendes Thema und mehrere Zeichner sind beteiligt. Aber ANDERS besitzt darüber hinaus auch eine Rahmenhandlung und jeder Beitrag glänzt sowohl zeichnerisch als auch erzählerisch mit einer guten bis sehr guten Qualität. Man spürt wie jeder Beitrag vermutlich detailliert mit den Kollegen abgesprochen war und angepasst wurde, bis er sich wie ein Zahnrad mit den restlichen Geschichten zu einem funktionierenden Ganzen zusammenfügte.

ANDERS Teaser 1

ANDERS Teaser 1

ANDERS Teaser 2

ANDERS Teaser 2

ANDERS Teaser 3

ANDERS Teaser 3

Abgesehen von Max Jähling hat bisher keiner der Zeichner in diesem Genre gearbeitet und das merkt man im positiven Sinne. Während es schon eine Freude ist, Mario Bühling einmal in einer längeren Geschichte erleben zu können, die nicht auch im Strip-Format funktionieren muss, merkt man auch bei Clifford, TeMeL und den anderen, wie frisch und unverbraucht sie mit dem Genre arbeiten und spielen. Klassische Panel- und Storykonzepte werden so unverkrampft genutzt und variiert, dass man sich fragt, warum diese Mischung aus Homogenität der ganzen Anthologie und Individualität der einzelnen Geschichten nicht öfter gemacht wird.

Zu oft schwächeln Anthologien daran, dass sie nur wie zusammenwürfelte Geschichten wirken, zwar mit einem übergreifenden Thema, aber nicht mehr. Man fühlt diese Homogenität nicht. ANDERS gelingt dies, soweit man bisher sehen kann, nur durch das Mittel der schlichten Rahmenhandlung und eines soliden Rahmenlayouts. Letzteres könnte man als spießigen Konservatismus kritisieren, aber der Nutzen für die Anthologie in ihrer Gesamtwirkung ist doch beachtlich.

ANDERS ist im Übrigen keine Slasher-Sammlung. Es gibt zwar vereinzelt etwas deftigere Szenen, oft ist der wahre Horror aber mehr psychischer denn physischer Natur.

Und sonst so...

Es mag dem einen oder anderen auffallen, dass sich einige Namen in letzter Zeit immer wieder Häufen. In der Tat sind einige Zeichner in letzter Zeit ausnehmend aktiv und dennoch gibt es auch immer wieder neue Talente die sich etablieren.

Einer der schon lange viel zu wenig beachtet wird, ist Thomas Walterscheid, der sowohl Vaterfreuden als auch Schwarze Tage zeichnet und zuletzt mit seinem Gastcomic für Demolitionsquad.de fast den MyComics-Wettbewerb gewonnen hat. Auf der ComicAction kann man ihn persönlich antreffen und sich ein Bild von einem Zeichner machen, der in seinen Comics auch noch regelmäßig etwas zur politischen Meinungsbildung beiträgt.

Abgesehen davon werde ich in Essen auf der Zeichnerallee die Augen offenhalten, um nach neuen oder mir unbekannten Zeichnern zu suchen. Was sich da alles finden wird, gibt es voraussichtlich in der nächsten Kolumne zu lesen.

Abbildungen © bei den angegebenen Künstlern


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Über den Autor
Alexander Lachwitz (Jahrgang 1982) studiert derzeit Medientechnik auf Bachelor in Emden. Nach einer Ausbildung zum Fachinformatiker (Systemintegration) entschied er sich, das digitale Know-How mittels eines Studiums auf den Medienbereich auszuweiten.

Neben der freien Beschäftigung im Bereich Webdesign und Layout schreibt er regelmäßig für verschiedene Webmagazine über Videospiele, Comics, Filme und Bücher. Webcomics haben sich dabei durch ihren starken Boom der letzten Jahre zu einem persönlichen Favoriten in der bunten Kulturlandschaft entwickelt.