Gestorben: Marc Schnackers

Veröffentlicht: Dienstag, 18. Februar 2014

finix

Der deutsche Comicverleger Marc Schnackers ist am 12. Februar 2014 überraschend gestorben. Er war Mitbegründer und treibende Kraft des Vereins Finix Comics. Er wurde nur 47 Jahre alt.

Rest In Peace: Marc Schnackersgermany48
(11.10.1966 - 12.02.2014)

Der Versuch eines Nachrufs ... Die Nachricht vom Tod von Marc Schnackers hat mich kalt erwischt.

Während ich in der Regel keine Probleme habe, eine Todesmeldung zu schreiben, um damit der »Pflicht des Chronisten« nachzukommen, konnte ich bei Marcs Tod in den letzten Tagen keinen vernünftigen Text formulieren. Wieder und immer wieder geriet ich nach zwei, drei Sätzen ins Stocken und merkte, dass es einfach nicht geht.

Marc war zwar kein intimer Busenfreund von mir, aber schon als wir uns zum ersten Mal persönlich getroffen hatten, war klar, dass wir uns gut verstehen würden. Überhaupt: Wenn er zum Telefonhörer griff, um mich anzurufen und »kurz« eine Anzeige oder einen Artikel zu besprechen, wurden stets viel längere Gespräche draus als geplant, in denen wir Comics und die Szene an sich analysierten.

Marc Schnackers im Comicladen

Marc Schnackers im Comicladen beim Begutachten von Originalalben

Marc war meine Generation, nur wenige Monate älter. Er wuchs mit dem gleichen Lesefutter auf. Er war ein Macher, der durchaus eine starke Meinung äußerte und diese vehement vertrat. Er war mitverantwortlich für dieses wunderbare Fanboy-Projekt namens Finix, das abgebrochene Comics viele Jahre später, gegen alle Widrigkeiten des Markts, vom Tode auferstehen lässt, um sie ordentlich und schön abzuschließen.

Ohne die Arbeit der anderen Mitglieder des Kernteams schmälern zu wollen: Marc war die treibende Kraft, die auch mal den Finger in Wunden legte, derjenige, der sagte was Sache war. Marc war das Gesicht von Finix nach außen auf Messen. Er war der rote Faden, der alles zusammenhielt. Er verkündete im Comicforum unter dem Decknamen Hipgnosis die wichtigsten Nachrichten, hielt die Diskussionen am Laufen, veranstaltete die Ratespiele. Er karrte stapelweise frisch aus der Druckerei gelieferte Comicalben durch die Gegend, um sie anschließend zu verpacken und zu verschicken. Und das sind nur einige der wichtigsten Aktivitäten …

Marc Schnackers Buchmesse

Lizenzgespräche mit Verlagen waren stets kleine Höhepunkte

Ich hatte zum ersten Mal intensiver mit Marc zu tun, als ich einen Artikel über Derib schrieb, der zusammen mit einem Exklusivinterview als Bonusteil im letzten Band von Buddy Longway veröffentlicht wurde. Zusätzlich sollte noch eine Kurzgeschichte veröffentlicht werden, als deutsche Erstveröffentlichung, die aber gar keine war. Als ich dies bemerkte und ihm mitteilte, änderte er sofort die Pläne für diese Extrastory. Da war mir klar, dass er nicht nur ein Macher, sondern einer war, der stets nach dem Optimum strebte. Das Beste war gerade gut genug.

Zu seiner Professionalität gesellte sich eine kumpelhafte Art, die er Leuten entgegen brachte, die ihm sympathisch waren. Als wir uns zum ersten Mal auf einem Comic-Salon in Erlangen persönlich trafen, wollte er mich zu einem Bier einladen. Als ich entgegnete, dass ich das auch bezahlen wollte, machte er mir unmissverständlich klar, dass er das Bier zahlt. Eher hätte er einen Streit riskiert. Auf dem nächsten Comic-Salon das gleiche Spiel. Für 2014 hatte ich mir fest vorgenommen, ihm einfach ein Bier an den Stand zu bringen, damit gar nicht die Situation entstehen kann, zu hinterfragen wer was bezahlen würde. Es hat nicht sollen sein, Marc!

Gemütliches Kölnen

Gemütliches Klönen und intensive Gespräche: Marc war dabei

Obwohl ich wusste, dass Marc Schnackers schwer krank war, hat mich sein Tod aufgewühlt. Er war einer der Väter von Finix und der Verein hat ihm viel zu verdanken. Immer, wenn ich in Zukunft einen neuen Comic mit dem Finix-Logo erblicke, muss ich nun erst recht an Marc denken. Nicht nur Finix, sondern auch die deutsche Comicszene ist um eine schillernde Persönlichkeit ärmer. Rest in peace, Hip!

[Matthias Hofmann]

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Mit Finix bist du nie allein!

Fotos © Oliver-Frank Hornig & Privat


Pressemitteilung, wo man auch sein Beileid aussprechen kann:

Marc Schnackers gestorben