Ausstellung: Helmut Nickel - Leben und Werk

Veröffentlicht: Freitag, 03. Juni 2011

Abt: Helmut Nickel, Teil 2 von 2

Hohes künstlerisches Niveau:

Sonderausstellung über Leben und Werk von Helmut Nickel in München

»Mit Robinson und Winnetou in die Welt der Abenteuercomics« heißt eine Comic-Ausstellung, die im Rahmen des Comicfestivals in München initiiert wurde. Vom 8. Juni bis 10. Juli 2011 gibt es nicht nur viele Originale des deutschen Comiczeichners zu sehen, sondern auch einen Vortrag von Dr. René Mounajed und Reginald Rosenfeld (»Helmut Nickel - Comickünstler und Wissenschaftler«) sowie ein Künstlergespräch mit dem Altmeister persönlich, das Gerhard Schlegel moderieren wird.

Im Rahmen der Berichterstattung über das Nickel-Revival führte der COMIC REPORT bereits ein Interview mit Gerhard Schlegel über dessen Hommage-Band, der gleichzeitig auch Ausstellungskatalog sein wird. (»Hugh! - Winnetou, Hommage an Karl May und Helmut Nickel«. Im zweiten Teil veröffentlichen wir ein Gespräch mit Comic-Forscher Ralf Palandt über seine Arbeit im Vorfeld der Ausstellung.


Ralf, du bist, zusammen mit Detlef Lorenz, der Kurator der Sonderausstellung »Mit Robinson und Winnetou in die Welt der Abenteuercomics«. Die heiße Phase hat begonnen, denn die Ausstellung beginnt bereits am 8. Juni 2011. Was erwartet die Besucher dieser Ausstellung?

Die Ausstellung geht chronologisch den Lebensweg Helmut Nickels nach, von seinen ersten Illustrationen für Kinderbücher über die Comics bis hin zu den wissenschaftlichen Werken, die er als Kurator des Metropolitan Museum of Art veröffentlichte. Dabei gibt es nicht nur Gedrucktes, sondern natürlich auch viele Originalzeichnungen Helmut Nickels sehen. Das hohe künstlerische Niveau seiner Arbeiten kann man eigentlich nur anhand dieser Originale erkennen, da seine Comics leider oft in schlechter Druckqualität vervielfältigt wurden. Damit man sich ein eigenes Urteil bilden kann, stellen wir bei Serien, an denen weitere Zeichner beteiligt waren, auch von ihnen eine Originalseite aus. Für die einen bieten wir also ein Wiedersehen, für die anderen ein Entdecken der Comics Helmut Nickels, die so gut wie alle Abenteuergenres umfassen.

Dabei war selbst für mich überraschend zu sehen, wie sehr die Arbeiten Helmut Nickels mit seiner Zeit verbunden sind. Ich gebe mal drei Beispiele: Mit der ersten Ausgabe der Titanus-Comicserie wird die 3-D-Welle auf der Leinwand und in den Comic-Heften angesprochen. Wegen der Kampagnen gegen die angebliche Schmutz- und Schundliteratur und der Indizierungspraxis der neuen Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften musste Helmut Nickel Tarzan-Comics entschärfen. Und in seine Funny-Comicserie Peters seltsame Reisen lies der Zeichner viele Ereignisse seiner Zeit einfließen, u.a. aus der Zeitung die Bild-Lilli und aus dem Kino Liane, das Mädchen aus dem Urwald; zu sehen im Reprint von Salleck Publications zum Comicfestival München. Diese Querverbindungen zum Zeitgeschehen werden in der Ausstellung ebenfalls gezeigt. Sie ist also auch eine Zeitreise zurück in die 1950er Jahre.

Große Beachtung findet das Thema »Winnetou«. Wir gehen nicht nur auf Helmut Nickels Comicadaption ein, sondern zeigen auch Objekte zum Phänomen an sich. Und Gerhard Schlegel ergänzt die Ausstellung mit seinem Projekt Hugh! Winnetou. Er präsentiert Hommagen an Karl May und Helmut Nickel aus der Hand nationaler und internationaler Comiczeichner und -zeichnerinnen. Dieser Katalog erscheint bei der Edition 52.

Wie geht man eine solche umfangreiche Aufgabe an?

Man recherchiert und besorgt sich die Primär- und Sekundärliteratur. Man sammelt alles zum Thema, was man in die Hände bekommen kann, und baut einen Vorrat an Ausstellungsobjekten auf. Allerdings kann man so eine Ausstellung nur dank der Unterstützung von Vielen verwirklichen. Mit anderen Worten: Man braucht die Kontakte zu und das Vertrauen von Comic-Händlern, -Sammlern und –Forschern, um an weitere Informationen und Ausstellungsmaterial zu kommen. Bei der Gelegenheit möchte ich nochmal allen ganz herzlich danken, die uns bei dem Projekt im Großen wie im Kleinen geholfen haben.

Hast Du im Vorfeld Helmut Nickel in Florida persönlich besucht?

Das Schöne an einer Teamarbeit ist, dass man sich mit Partnern ergänzen kann. Detlef Lorenz hat Helmut Nickel in New York und Florida besucht.

Er hält den persönlichen Kontakt und liefert den Ausstellungstext. Dadurch konnte ich mich auf die Konzeption und die Umsetzung der Ausstellung konzentrieren.

Was verbindest Du mit Nickel und seinen Comics?

Am Anfang war ich wenig mit Helmut Nickels Comics vertraut, da ich mit anderen Comics großgeworden bin. Als ich mich aber in die Materie eingelesen hatte, war ich sehr schnell davon fasziniert, wie Helmut Nickel sein Wissen aus seinem Studium der Kunstgeschichte, Ethnologie und präkolumbianischen Archäologie in seine Zeichnungen und Geschichten einbrachte. Mit der authentischen Darstellung der Menschen und ihrer Zeit in den historischen Serien Die 3 Musketiere und Der Graf von Monte Christo, und vor allem der fremden Völker und Kulturen in Don Pedro und Robinson, wobei er Menschenrechtsvergehen wie den Sklavenhandel verurteilt, ragen Helmut Nickels Comics aus dem Gros der Abenteuercomics weit heraus. Man könnte Willi Kohlhoff, Hansrudi Wäscher und Helmut Nickel (die zeitweise als Kollegen für dieselben Verlage arbeiteten) als das deutsche Dreigestirn der 1950er-Jahre-Abenteuercomics nennen.

Was ist aus Deiner Sicht das Highlight der Ausstellung?

Die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden, doch die Ausstellung ist so vielseitig, dass eigentlich jeder ein persönliches Highlight für sich finden können sollte. Meine Highlights sind zum einen die Originalzeichnung, mit der Helmut Nickel 1954 vom Gerstmayer Verlag als Comiczeichner engagiert wurde und die Willi Kohlhoff als Kostümvorlage diente, und zum zweiten die unveröffentlichten Originalzeichnungen der Don Pedro-Fortsetzung.

Was kostet der Eintritt?

Während dem Comicfestival München kann man mit der Festivalkarte das Deutsche Jagd- und Fischereimuseum kostenlos besuchen, das heißt man muss keinen zusätzlichen Eintritt bezahlen.

Wer die Ausstellung unabhängig vom Comicfestival München anschauen möchte, zahlt den regulären Museumseintritt. Das sind 3,50 Euro für Erwachsene, 1 Euro für Kinder ( 3-6 Jahre), 2,50 Euro für Kinder ab 7 Jahre, Arbeitslose, Rentner, Behinderte, Studenten. Es gibt auch eine Familienkarte und Schülerkarten.

Du hast bereits früher solche Comic-Ausstellungen organisiert.

Die erste von mir organisierte Comic-Ausstellung war 1987 die Präsentation Münchner Comiczeichner und -zeichnerinnen unter dem Titel »Munich Comic-Maker« mit Katalog, im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Schock und Schöpfung - Jugendästhetik im 20. Jahrhundert«. Seit damals sind etliche dazugekommen. Zum Beispiel die Wanderausstellung »Holocaust im Comic«, die seit 2001 neben München auch in Halle/Saale, Leipzig, Weimar und weiteren Städten zu sehen war. Oder, zusammen mit Klaus Wintrich, die Ausstellung zum PENG!-Preis für Rolf Kauka und sein Comic-Lebenswerk: »Fix und Foxi – Der größte Comic-Erfolg Made in Germany«. Im Rahmen des Comicfestivals München 2007 hat seine Witwe Alexandra Kauka den Preis entgegengenommen.

Wie bist Du mit der Zusammenarbeit mit dem Deutschen Jagd- und Fischerei Museum zufrieden?

Herr Manuel Pretzl, Direktor des Deutschen Jagd- und Fischereimuseums, und seine »rechte Hand«, Frau Heike Jass, hatten von Anfang an keine Berührungsängste mit dem Comic-Thema. Im Gegenteil, sie hatten uns mit offenen Armen empfangen und bringen uns großes Vertrauen entgegen, das wir nicht enttäuschen werden. Wir können alle Ressourcen des Museums nutzen und die Unterstützung geht darüber hinaus bis hin zu den wunderschönen Flyern und Plakaten und der Vernissage.

Eine so tolle Zusammenarbeit erlebt man in München äußerst selten, und daher sind wir sehr dankbar dafür.

Was kann noch schiefgehen?

Wir freuen uns alle sehr auf den Besuch von Helmut Nickel. Es ist eine große Ehre für das Comicfestival München, dass er die weite Reise über den großen Teich antreten, sich die Ausstellung anschauen, für das Begleitprogramm zur Verfügung stehen und den PENG!-Preis persönlich in Empfang nehmen möchte. Bitte Daumen drücken, dass nicht doch noch was in letzter Minute dazwischen kommt.

Foto: © Ralf Palandt
Abbildungen: © Helmut Nickel


Weiterführende Links:

Homepage des Deutschen Jagd- und Fischereimuseums: Sonderausstellung

Flyer zur Sonderausstellung: Mit Robinson und Winnetou in die Welt der Comics

Homepage des Comicfestivals in München: Comicfestival 2011