ALFONZ on Tour: Angoulême 2015 Tag 3

Erstellt: Samstag, 31. Januar 2015 Veröffentlicht: Samstag, 31. Januar 2015

Angouleme 2015

Endlich fanden wir am Samstag in Angoulême das Klima vor, das wir aus der Charente im Winter gewohnt waren: Sonnig und kalt zeigte sich das Wetter am dritten Tag des Festivals, und damit bevölkerten auch wieder die gewohnten Massen an Besuchern die Straßen der Stadt, die Ausstellungen und Verlagszelte.

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Samstag, den 31. Januar

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Fabriqué en Allemagne

Erfreulich zahlreich sind deutsche Zeichner und Autoren dieses Jahr in Angoulême vertreten, ebenso Repräsentanten diverser Verlage: Vom Hamburger Carlsen Verlag sind Petra Lohmann (Carlsen Manga) und Sabine Witkowski (Carlsen Comics) da, genauso wie ihr männlicher Kollege Klaus Schikowski. Von Egmont aus Berlin sind Lexa Germann und Wolf Stegmaier vor Ort, während Reprodukt mit (fast) vollständiger Mannschaft Präsenz zeigt.

Wir können längst nicht alle aufzählen, aber u.a. sind noch Leute wie Johann Ulrich (avant), Philipp & Johanna Schreiber (Schreiber & Leser), Wolfgang J. Fuchs und Heiner Lünstedt (Comicfestival München), Uli Pröfrock (X für U), Andreas Platthaus (FAZ), Christian Maiwald (dreimalalles.info), Volker Zimmermann (Übersetzer) und viele andere mehr dabei. Eckart Schott (Salleck), sonst eine feste Größe auf diesem Festival, wird schmerzlich vermisst.

Podium mit drei deutschsprachigen Zeichnern (Ulli Lust, Barbara Yelin und Jens Harder, v.l.n.r.), moderiert von Andreas Platthaus (links)

Eine beachtliche Anzahl deutscher und deutschsprachiger Zeichner ist ebenfalls zusammengekommen. Viele sind mit Signierstunden beschäftigt und manche auch ins Programm eingebunden. Allen voran Barbara Yelin (Irmina), Ulli Lust (Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens) und Jens Harder (alpha, beta), die heute in einem Programmpunkt (»La scène actuelle de la BD allemande«) einem interessierten Publikum in einem voll besetzten Raum ihre aktuellen Werke vorstellten. Souverän moderiert von Andreas Platthaus und mit Simultanübersetzerin und Kopfhörern für die des Deutschen nicht mächtigen Besucher professionell umgesetzt.

Weitere Zeichner vor Ort: Mawil, David Boller, Alexis Martinez, Thomas von Kummant und Benjamin von Eckartsberg. Die beiden letztgenannten werden erneut prominent von ihrem Schweizer Verleger Paquet in Szene gesetzt (oben).

Die Serie Alisik der beiden Deutschen Helge Vogt und Hubertus Rufledt gewann einen speziellen Schulpreis (Prix des Collèges de Poitou-Charentes). Jens Harders beta … civilisations volume 1 ist sogar für die Preisvergabe des »Fauves« nominiert.

Jens Harder (Mitte) im Podiumsinterview mit Übersetzerin (rechts) und Moderator

Ebenfalls präsent ist die französischsprachige Sonderausgabe von COMIX, die als Solidaritätsbekundung deutscher Karikaturisten und Comiczeicher mit Charlie Hebdo zu verstehen ist. Sie wurde an verschiedenen Stellen stapelweise ausgelegt und provoziert mit einem Stinkefinger-Covermotiv aus der Serie Gung Ho. Auch COMIX ist Charlie.

Alea iacta est!

Am Donnerstagabend lud die Editions Albert-Rene im Forum Pop Culture zu einer öffentlichen Vorstellung des nächsten Asterix-Bandes von Jean-Yves Ferri und Didier Conrad ein. Wie gewohnt wurde sehr geheimnisvoll um den heißen Brei herumgeredet, denn außer der Mitteilung, dass am asterix3622. Oktober 2015 Band 36 der erfolgreichsten europäischen Comicserie erscheinen würde, gab es gar nichts zu verkünden.

Immerhin machte Zeichner Conrad einen ausgeruhten und entspannten Eindruck, da ihm im Gegensatz zum letzten Band Asterix bei den Pikten mehr als vier Monate Zeit für die Fertigstellung bleiben werden. Wir vermuten, dass Imperator Cäsar im nächsten Band eine tragende Rolle spielt, da sein Konterfei sowohl bei der Präsentation wie auch in einer am Freitag verteilten Pressemeldung zu sehen war. Ave Asterix!

Die Schatztruhe des Festivals: Espace Para-BD

Auf der Suche nach dem ultimativen Sammlerstück. So oder ähnlich könnte der Titel für einen Kurzbericht über diese Zelthalle lauten, in der neben ein paar kleineren Verlagen (BD Must, Comix Büro) und Organisationen (Les Amis de Jacobs) vor allem etliche Galerien und Comicantiquariate ihre prall gefüllten Stände aufgebaut haben.

Neben unzähligen Postern und Drucken, Kunstharzfiguren, T-Shirts, Spielzeug, streng limitierten Luxusausgaben in allen denkbaren Formaten und Ausstattungen macht gerade das Angebot an antiquarischen Raritäten den Reiz dieser Zelthalle aus. Ob nun alte Ausgaben der Radiozeitschrift Le Moustique mit seltenen Titelbildern von André Franquin, Morris oder Peyo, rare Kurzgeschichten von Michel Vaillant-Zeichner Jean Graton in Lombards Mädchenzeitschrift Line oder frühe amerikanische Buchausgaben von Tim und Struppi, den Wünschen der Sammler und Fans werden nur Grenzen monetärer Art gesetzt. 

 

Sogar eine Originalzeichnung von Franquin findet sich im Angebot des Para-BD - wenn auch versteckt und mit 3.000 Euro nicht ganz günstig


 3. Tag: Aus dem (gar nicht mehr geheimen) ALFONZ-Tour-Tagebuch

Eingang der Charlie Hebdo-Ausstellung

Bei Charlie Hebdo schauen die Franzosen zur Zeit ganz genau hin

Die bekanntesten Zeichner des Satiremagazins wurden in einem Raum porträtiert, darunter auch die ermordeten Charb und Wolinski

Massenhafter Andrang beim Protestmarsch für mehr Rechte und Sozialleistungen von Künstlern

Interview direkt von der Straße: Spirou-Szenarist Fabien Vehlmann teilt Journalisten seine Meinung zum Protestmarsch mit

 Fortsetzung folgt ... morgen!


Alle Fotos © Edition Alfons