Frisch Gelesen Folge 75: Der Reverend 1

Veröffentlicht: Samstag, 30. September 2017

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»Aasgeier!!! ... Geht und trinkt euren Fusel zwischen den Schenkeln eurer Weiber.«


FRISCH GELESEN: Archiv


Der Reverend 1 Cover

Der Reverend Band 1: »Die Teufel von Nevada«

Story: Lylian
Zeichnungen: Augustin Lebon

Splitter
Hardcover | 56 Seiten | Farbe | 14,80 €
ISBN: 978-3-95839-491-9

Genre: Western

Für Leser, die das mögen: Ronson, Wanted, Comanche


 

»Das Westerngenre ist tot«, sagen manche. Und grundsätzlich haben sie recht. Ich würde ergänzen: »Nicht ganz, denn manchmal zuckt es noch.«

Anders als z.B. die Science Fiction, die sich regelmäßig neu erfinden kann, ja muss, ist der Western an gewisse Konventionen gebunden, um als Western erkennbar zu sein. Die Riege der wirklich guten Westerncomics, der »All-time Classics«, führen Lucky Luke im Semi-Funny-Bereich und Leutnant Blueberry im realistischen Segment an. Immer wieder gibt es neue Serien in diesem Genre, und die meisten Versuche sind in Ordnung. Herausragend war in den letzten Jahren aber nur die Serie Undertaker, die sowohl mit Xavier Dorisons Story als auch mit Ralph Meyers erstklassigen Zeichnungen auf ganzer Linie punkten konnte.

Mit Der Reverend schickt der Splitter Verlag eine überschaubare neue Serie von hierzulande unbekannten Comicmachern ins Rennen. Der Plot von Szenarist Lylian und Zeichner Augustin Lebond wird in zwei Bänden erzählt und ist im Grunde eine dieser Rachestories, in denen einem kleinen Jungen übel mitgespielt wird, und er dann als erwachsener Mann den oder die Bösewichte zur Strecke bringt. So beginnt der erste Teil auch ganz klassisch mit einer Rückblende auf die Geschehnisse aus der Kindheit von Angus Whitecross, dessen Postkutsche von vier Maskierten überfallen wird, die alle Insassen erschießen und seine Mutter vergewaltigen wollen. Dabei haben sie die Rechnung ohne den Knaben gemacht, der beidhändig mit Schießeisen besser umgehen kann als Wyatt Earp und Doc Holliday zusammen.

Der Reverend Band 1 - Leseprobe

Kann schießen wie ein Großer:
Der kleine Angus erledigt seine Widersacher auch schon mal beidhändig.

 

Während man sich noch wundert, warum der Teenager Angus die Bedienung von Revolvern so toll beherrscht, ist man bereits in der eigentlichen Handlung gelandet. Whitecross ist anno 1885 als Reverend, als Geistlicher, unterwegs, um das Wort Gottes zu verbreiten, aber er geht darüber hinaus einer zweiten Profession nach: Als Kopfgeldjäger bringt er sein Talent gewinnbringend zur Geltung und verfolgt und erlegt seine Opfer für stolze Summen. Aktuell ist er in eigener Sache unterwegs zu seinem alten Heimatdorf Eureka. Mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten, weil das Szenario auch kriminalistische Elemente hat und von der einen oder anderen überraschenden Wendung lebt.

Für die Handlung von »Die Teufel von Nevada« hat Lylian eine Handvoll bekannter Klischees in einen Sack geworfen und das Ganze gut geschüttelt. Die Story wirkt etwas konstruiert und der erste Teil bekommt zum Schluss nicht den Drall, um den Band als runde Sache zu bewerten. Aber da ist ja noch der zweite Band, und der liefert hoffentlich die Antworten, um das alles zu einem befriedigenden Ende bringen zu können.

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Nackte Tatsachen: Natürlich geht's auch beim Reverend im Saloon frivol zu

 

Die Zeichnungen von Lebond sind leider auch eher Durchschnitt. Während er Westernlandschaften von Nevada recht gut darstellt, sind die Figuren noch etwas hölzern und die Gesichter mancher Protagonisten etwas gleichförmig geraten, so dass man nicht in jeder Sequenz sofort erkennt, wer denn da so alles im jeweiligen Panel steht.

Wer sich bewusst macht, dass die Serie von der Qualität eines Blueberry oder Undertaker weit entfernt ist, der wird unterm Strich konstatieren: Der Reverend ist ein Westerncomic, der den Leser mit einer spannenden Rachestory gut unterhalten kann. Mehr darf man nicht erwarten. [Matthias Hofmann]

Abbildungen © 2017 Splitter Verlag


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