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Frisch Gelesen Folge 49: Klassiker der DDR-Bildgeschichte 30

Klassiker der DDR-Bildgeschichte Nummer 30

»Gestatten - Kannitverstahn ist mein Name. Wie er schon sagt, bin ich etwas schwer von Begriff und verstehe manches nicht, was eigentlich jedem verständlich sein sollte.«
(aus dem Intro zu Werners Klemkes Herr Kannitverstahn)


FRISCH GELESEN: Archiv


Klassiker der DDR-Bildgeschichte Band 30 Titelbild

Klassiker der DDR-Bildgeschichte Band 30:
»Lutz, Evchen & Herr Kannitverstahn«

Story: Werner Klemke
Zeichnungen: Werner Klemke
Holzhof Verlag
Softcover | 32 Seiten | s/w + teilweise farbig | 6,00 €
ISBN 978-3-939509-30-1

Genre: Funnies, DDR-Comics

Für Leser, die das mögen: Ostalgie, DDR, nostalgische Bildstreifen, Vater & Sohn

 


Denkt der blutige Laie an Comics aus der DDR, so fällt ihm zunächst einmal Mosaik ein: Digedags, Abrafaxe & Co. Jaja ... dieses monatliche Comicheft hat sogar die Deutsche Demokratische Republik überlebt. Und verkauft sich auch anno 2015, zumindest im Osten Deutschlands, ganz zufriedenstellend.

Aber natürlich gab es da viel mehr. Wie: Rolf und Rudi. Mischa und Kalle. Käpt'n Bramsegels Abenteuer. Max & Maxim. Hodscha Nasreddin. Robby, Rolle, Ralf und Bolle. Bienchen Kati. Waputa, die Geierkralle. Otto und Alwin

Einer, der ausgezogen ist, um die ostdeutsche Comichistorie nicht völlig der Vergessenheit anheimfallen zu lassen, ist Comichistoriker Guido Weißhahn. Der Dresdner ist für mich ein (angenehmes) Phänomen. Wo so mancher selbsternannte Comicforscher durch selbstverliebtes, bisweilen störrisches und unbewegliches Verhalten das Bild des knochentrockenen, weltfremden, verklemmten Zausels pflegt, wirkt Weißhahn frisch, locker, offen und tolerant. Nicht nur Auge in Auge, sondern auch auf Papier. Seine Texte sind sowohl fundiert, als auch unterhaltsam. Seine Arbeit ist so akribisch wie es nur geht. Das gibt's im Comicbereich nicht so oft.

Jetzt ist mit »Lutz, Evchen & Herr Kannitverstahn« das bereits 30. Heft der Reihe Klassiker der DDR-Bildgeschichte erschienen. Der Band über die Comics und Bildergeschichten von Werner Klemke ist der letzte seiner Art. »Mit dieser Ausgabe endet nun endgültig unsere Klassiker-Reihe«, steht da im Vorwort. Rund zehn Jahre lang grub man verschollene Comics aus DDR-Zeiten aus und präsentierte sie in einer meist repräsentativen Zusammenstellung.

Herr Kannitverstahn

Werner Klemkes Herr Kannitverstahn: Die DDR-Welt mit anderen Augen sehen

Nun bin ich beileibe kein Freund von biederen DDR-Comics (und auch nicht sonstigen biederen Comics aus dem Westen), aber ich schätze gute, fundierte Arbeit, wenn ich sie sehe. Was Guido Weißhahn da in der Nische von der Nische von der Nische publiziert hat, konnte sich stets sehen lassen. Leider war das thematisch unglaublich speziell, so dass man es fast als vergebene Liebesmühe bezeichnen könnte. Mit der »limitierten Erstauflage« der Nummer 30 liegt man auf Fanzine-Niveau; bei gerade mal 250 Exemplaren.

Sehr speziell ist auch das Thema der finalen Ausgabe. Der Künstler Werner Klemke war als »Gebrauchsgrafiker« (Klemke über sich selbst) über viele Jahre an verschiedenen Stellen präsent. Er gestaltete Buchillustrationen für DDR-Kinderbücher wie z.B. Das Wolkenschaf oder Hirsch Heinrich oder Erwachsenenlektüre wie Boccaccios Dekameron oder stolze 423 Titelbilder für die noch heute erscheinende Feuilleton-Zeitschrift Das Magazin. Darüber hinaus zeichnete er auch Comics für die Neue Berliner Illustrierte (Lutz und Evchen, Herr Kannitverstahn). Diese meist wortlosen Bildwitze, die aus drei bis vier Panels bestehen, zeichnen sich durch gute Beobachtungsgabe, ruhigen Humor und simple Zeichnungen aus. Das dürfte den meisten heutzutage nur noch ein müdes Lächeln entlocken, wenn überhaupt, besitzt aber dennoch einen gewissen 1950er-Jahre-Charme. Was mir persönlich etwas fehlt, ist eine dezidierte Einordung und Bewertung von Klemkes Comicschaffen.

Lutz und Evchen

Hat Stil: Braver Humor à la DDR

Klassiker der DDR-Bildgeschichte, das steht für zehn Jahre lang Blick auf die Comics aus einer anderen Welt. Aber Guido Weißhahn wäre nicht er selbst, wenn er nicht weitermachen würde. Während der gute Mann dieses Kapitel seiner Verlagstätigkeit abgeschlossen hat, widmet er sich in Zukunft seinem neugegründeten DDR-Comic-Club. Dieser Privatclub hat einen jährlichen Mitgliedsbeitrag und sieht als Gegenleistung eine gedruckte Jahrespublikation für die Mitglieder vor. Dabei soll es sich um hochwertige Hardcover-Bücher handeln, die nicht im Handel verfügbar, streng limitiert und nur im Rahmen einer persönlichen Clubmitgliedschaft erhältlich sein werden.

Wer sich dafür interessiert, sollte sich schleunigst registrieren lassen. Den Mitgliedsantrag gibt es hier: Club der DDR-Comic-Freunde. [MH]

Abbildungen © 2015 Holzhof, Werner Klemke Nachf.


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