Frisch Gelesen Folge 77: Asterix 37

Hauptkategorie: Rezensionen Kategorie: Egmont Veröffentlicht: Freitag, 27. Oktober 2017 Geschrieben von MaHo

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»In Italien wird es lustig, nicht wahr, Asterix? Da gibt es jede Menge Römer!« (Obelix)


FRISCH GELESEN: Archiv


Asterix Band 37 Titelbild

Asterix Band 37: »Asterix in Italien«

Story: Jean-Yves Ferri
Zeichnungen: Didier Conrad

Egmont Ehapa Media
Softcover | 48 Seiten | Farbe | 6,90 €
Egmont Comic Collection
Hardcover | 48 Seiten | Farbe | 12,00 €
ISBN: 978-3-7704-4037-5
Außerdem als: Luxusexdition (limitiert auf 1111 Exemplare, 59,00 €) und Art Book (limitiert auf 399 Exemplare, 199,00 €)

Genre: Funny

Für Leser, die das mögen: frankobelgische Funnyklassiker, Lucky Luke


 

Beim Teutates! Jetzt ist es endlich da: »Asterix in Italien«, das von Comiclesern und Comicbranche am meisten erwartete Comicalbum des Jahres 2017.

Asterix in Italien

Es soll ja Leute geben, die immer noch meinen, sie müssten das neuste Album von Ferri und Conrad mit den Abenteuern der Ära Goscinny/Uderzo vergleichen. Dabei liefern die beiden Epigonen der kongenialen Erfinder des Kultcomics um Gallier, Zaubertrank und doofe Römer mit »Asterix in Italien« immerhin schon ihr drittes Abenteuer ab. Da könnte man es auch mal gut sein lassen. Goscinny hin, Goscinny her. Aber wahrscheinlich wird das auch in zehn Jahren noch so sein, dass manche erwarten, dass jemand, der Asterix fortsetzt, dies so genial wie René Goscinny tun müsse. Aber es zeugt letztlich nur von einer gehörigen Portion Unvermögen, gepaart mit chronischer Borniertheit, sich wirklich mit der Entwicklung einer der größten Comicserien aller Zeiten auseinandersetzen zu können.

Asterix In Italien

Egal, wohin die Reise von Asterix, der Serie und ihrem liebevoll ausgedachten Figuren-mit-Charakter-Ensemble, geht, eines ist sicher: Asterix ist auch anno 2017 noch in aller Munde, wenn ein neuer Band erscheint. Kaum ein Comic verkauft noch Millionenauflagen und wird vom Handel so stark erwartet. Und kaum ein Comic wird von Comicfans jeglicher Gesinnung so erwartungsvoll gekauft und am gleichen Tag gelesen; wie Asterix.

Während der Preis des Hardcovers gleich geblieben ist, kostet die Softcover-Volksausgabe mit 6,90 Euro diesmal 40 Cent mehr als noch Band 36. Gekauft wird trotzdem in verhältnismäßig rauen Mengen. Nur ein Beispiel: Das Bahnhofsbuchhandelsunternehmen Dr. Eckert mit Sitz in Berlin meldete für den ersten Verkaufstag rund 2.500 verkaufte Exemplare.

Asterix In Italien

Aber was taugt der neue Band? Um es vorweg zu nehmen: Das dritte albenlange Abenteuer des Duos Ferri und Conrad ist besser als das erste (»Asterix bei den Pikten«), aber schlechter als das zweite (»Der Papyrus des Cäsar«).

Das liegt in erster Linie an der Story, denn die Zeichnungen von Conrad sind gewohnt gut und versprühen dieses Asterix-Feeling, welches so schwer grafisch einzufangen ist, weshalb man damals auch viele Jahre nach einem geeigneten Nachfolger von Uderzo gesucht hatte.

Die Fans der Uderzo-Ära bemängeln zum Beispiel, dass Conrad das Hündchen Idefix anders zeichnet und die Hintergründe bei ihm manchmal spärlicher ausfallen als bei seinem Vorgänger. Aber will man wirklich eine exakte Kopie von Albert Uderzo? Für meinen Geschmack passt grafisch alles so, wie es jetzt ist. Im Gegenteil, Conrad könnte ruhig noch mehr eine eigene Note hereinbringen, aber das ist durch die knallharten und engen Vorgaben einer Marke wie Asterix nicht möglich. Somit kann man dem Zeichner als letztem einen Vorwurf machen, dass er sich nicht richtig freischwimmt. Er darf es schlicht und ergreifend nicht.

Asterix In Italien

Was die Handlung betrifft, so ist nach dem Gesetz der Serie wieder ein Reiseabenteuer dran. Diesmal geht’s nach Italien oder besser durch Italien, in Form eines Wagenrennens. Zwar war Asterix schon in Rom, doch darf er im neuen Abenteuer die wichtigsten Touristenstädte anfahren und dabei eine immense Ansammlung von Anspielungen und Gags präsentieren. Man sieht fast schon vor einem imaginären Auge die Checkliste, die Ferri für die Geschichte erstellt und die Conrad abgehakt hat.

Das ist stellenweise amüsant, mitunter clever übersetzt, und manche Passagen wirken einfach sehr bemüht. Aber mal ehrlich: Ein Wettrennen, bei dem es nicht mit rechten Dingen zugeht, ist nicht besonders originell. Dennoch schafft es Ferri mit seinen Anspielungen, sowohl die nostalgischen, als auch die modernen Saiten erklingen zu lassen.

So können langjährige Leser ein Wiedersehen mit Altbekannten, wie z.B. den Briten und den Goten, feiern, oder sich an Seitenhieben, wie denen über die Fahrzeug manipulierenden Germanen (Markomannen), eine Anspielung auf den VW-Dieselskandal, erfreuen. Oder sich auf die obligatorische Suche begeben, nach diversen Prominenten wie diesmal Alain Prost, Sophia Loren, Mona Lisa, Luciano Pavarotti oder Bud Spencer.

Aber letztlich wird vieles nur angerissen und unterm Strich eine gnadenlos seichte Geschichte abgeliefert, die mehr schlecht als recht durch eine Unmenge an Reminiszenzen zusammengehalten wird, bis ihr nach 44 Seiten einfach die Luft ausgeht.

Asterix In Italien

Ich fühlte mich zwar dennoch gut unterhalten, aber nach Ende der Lektüre beschlich mich das Gefühl, dass da mehr drin gewesen wäre. Sei's drum: In zwei Jahren kommt Band 38. Und wir werden wieder alle gespannt sein, wie es mit Asterix weitergeht. [Matthias Hofmann]

Abbildungen © 2017 Les Éditions Albert René


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