Frisch Gelesen Folge 141: Super Micky

Hauptkategorie: Rezensionen Kategorie: Egmont Veröffentlicht: Montag, 13. Januar 2020 Geschrieben von Stephan Schunck

 

»BRRRRRRRRRRRR, RADOMMS, KRACH, TOING, POFF, BONK!«


FRISCH GELESEN: Archiv


Super Micky

Story: Pieter De Poortere
Zeichnungen: Pieter De Poortere

Egmont Comic Collection
HC | 56 Seiten | Farbe | 29,00 €
ISBN: 978-3-7704-4067-2

Genre: Funny

Für Leser, die das mögen: Walt Disney, Entenhausen die Micky Maus und die Lustigen Taschenbücher


 

Irgendwann setzt für jeden wohl einfach eine gewisse Walt-Disney-Müdigkeit ein. Das Format der Micky Maus ist eher für den jüngeren Leser, und die Lustigen Taschenbücher hatten ihre Zeit. Als Ehapa 1992 anfing, die Barks Library zu veröffentlichen, sind bei mir angesichts der klassischen Storys um Donald Duck, Onkel Dagobert und Daniel Düsentrieb nostalgische Gefühle wach geworden und ich hatte über einen längeren Zeitraum wieder richtig Spaß, in dieses Universum einzutauchen. Danach hat sich der eingangs erwähnte Vorgang wiederholt.

Um so überraschender und erfreulicher war dann die Ankündigung, dass sich unterschiedlichste Künstler der disneyschen Charaktere annehmen dürfen, um ihre eigene Sicht auf den Entenhausener Kosmos zu Papier zu bringen.


Anfänge mit außergewöhnlichem Format: Régis Loisels Micky Maus – Café Zombo.

Die deutschsprachigen Veröffentlichungen fingen mit Régis Loisels Micky Maus – Café Zombo und Coseys Eine geheimnisvolle Melodie – Oder: Wie Micky seine Minnie traf an. Sowohl die Geschichten als auch die individuellen zeichnerischen Qualitäten haben daraus eine kleine historische Zeitreise gemacht und Leckerbissen der Neunten Kunst serviert. Aber nicht nur der Inhalt und die grafische Umsetzung haben Maßstäbe gesetzt, auch das Format war überraschend und hat wohltuend jede Symmetrie im geordneten Bücherschrank gesprengt. Davon ist man bei den nicht minder zauberhaften Folgebänden von Lewis Trondheim und Keramidas, Tebo, Petrossi und Dab's, Filippi und Camboni abgewichen und hat wieder auf ein einheitliches Albenformat gesetzt. Der großartige Inhalt der Geschichten bleibt davon unberührt, ein kleines bisschen leidet der Charme der ansonsten liebevoll präsentierten Ausgaben.


Eigentümlicher Stil: Pieter De Poorteres Super Micky.

Mit Super Micky – ich kann mich auch nach so langen Jahren nicht daran gewöhnen, dass Mickey Mouse hierzulande Micky ist – liegt also nun der mittlerweile neunte Band dieser Huldigung an Walt Disney vor. Autor und Zeichner ist der Flame Pieter De Poortere, bekannt durch seine Dickie-Alben (avant-verlag), die durch einen eigentümlichen, kindlich infantilen Zeichenstil geprägt sind und gänzlich ohne Worte auskommen.

Das gilt auch für Super Micky. Bis auf ein paar wohl unverzichtbare Onomatopöien (»RRRON«, »BIP«, »SCHNUFF«) spart der Comic Dialoge komplett aus. Das tut der Geschichte keinen Abbruch, die Handlung ist ohne Weiteres nachvollziehbar, einziges Manko dabei ist, dass das Lesevergnügen recht kurz bleibt.


»BONK«: Goofy und Micky als Superhelden.

Ein Vergnügen ist es aber allemal. Goofy, der durch die Einnahme von Supererdnüssen, die in seinem Garten wachsen, zu Supergoofy mit rotem Strampler und blauem Cape wird, verliert seine in der Mütze gebunkerten Vorratsnüsse ausgerechnet über dem Entenhausener Zoo. Alle Tiere, die die Ladung abbekommen, verwandeln sich augenblicklich in ihre Superäquivalente und verursachen ein kollektives Chaos. Das nutzt Kater Karlo, um aus dem Gefängnis auszubrechen. Nachdem er sich mit dem Notwendigsten eingedeckt hat – Schmuck, Geld, neue Kleidung – befreit er auch seine Mitgefangenen, darunter natürlich die Panzerknacker und das schwarze Phantom, und macht mit ihnen Entenhausen unsicher. Nun ist es an Goofy und seinem Freund Micky, Recht und Ordnung wieder herzustellen – aber leider ist der Vorrat an Zaubernüssen komplett aufgebraucht.


Ganz ohne Worte: Micky auf Verbrecherjagd.

Insgesamt ein sehr kurzweiliges (und kurzes) Lesevergnügen, mit einem gewissen infantilen Charme in bestechender Aufmachung. Ein Versuch, die unterschiedlichen Interpretationen Entenhausens miteinander zu vergleichen, macht aus meiner Sicht nur wenig Sinn. Entweder, man hat Spaß daran, sich auf diese Reisen einzulassen, oder nicht. Es ist einfach unglaublich, was dabei herauskommt, wenn ein Künstler nicht in einem verlagsvorgegebenen Korsett steckt.

Ich weiß ja nicht, wie viele Freiheiten Flix bei seiner Interpretation von Spirou hatte, aber auch dieses Ergebnis war allerfeinste Comickunst. Da darf man doch gespannt sein, ob diese Idee nicht irgendeinem Merchandising-Fachmann noch mal vor die Füße fällt, mögliche Kombinationen gibt es wohl unzählige.

[Stephan Schunck]

Abbildungen © 2017, 2019 Disney


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