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Frisch Gelesen Folge 9: Whaligoe 1

Whaligoe 1

»Gehen wir schlafen, mein Lieber! Da Eros sich nicht hat blicken lassen, hoffen wir, dass wenigstens Morpheus uns in seine Arme schließt«
[Muse Esperanza zu Lord Douglas Dogson]


FRISCH GELESEN: Archiv


Whaligoe 1WHALIGOE Band 1: »Die Ankunft«

Story: Yann
Zeichnungen: Virginie Augustin
Piredda Verlag
Hardcover | 48 Seiten | Farbe | 13,00 €
ISBN: 978-3-941279-93-3

Genre: Mystery

Für Leser, die das mögen: Schottland, Oscar Wilde, Mary Shelley

Zu einem guten Geheimnis sagt man nicht nein. Und Whaligoe enthält nicht nur eines, sondern ist voll davon. Zumindest der erste Band dieses Zweiteilers ist sozusagen durch und durch geheimnisvoll. Gemeint sind hier jedoch die Mysterien alter Schule. Lassen wir also kontemporäre, aus Funk und Fernsehen bekannte Mystery-Geschichten links liegen, denn bei Whaligoe geht es nicht um den Geist moderner Vertreter wie Akte X, Lost und Co., sondern um die Ursprünge; sozusagen um Geheimnisse, wie man sie im Viktorianischen Zeitalter (und davor) kannte.

Whaligoe 1

Wer beim Hahnenkampf verliert, dem wird der Kopf abgeschlagen

Szenarist Yann hat viele Gesichter. Der vielseitige Vielschreiber, der erst kürzlich mit der Fortsetzung der kongenialen Parodie Bob Marone überraschte, mag das 19. Jahrhundert. Wie schon bei Das Geschlecht derer von Porphyre (dort unter dem Pseudonym Balac) rollt er in seinem neusten Coup eine mystisch-melancholische Liebesgeschichte aus. Doch statt in der rauen französischen Bretagne spielt Whaligoe an der nicht minder legendenreichen Küste im Norden Schottlands.

Der Name des Comics steht für ein wahrlich abseits gelegenes Stück Erde. Und das hat Yann nicht mal erfunden, denn das gibt es wirklich. Der britische Baumeister Thomas Telford, der Anfang des 19. Jahrhunderts mit seinen Brücken Inseln mit dem britischen Festland verband, entdeckte das Kaff 1786 und bezeichnete es als »terrible spot« (dt. schrecklicher Fleck).

Whaligoe 1

Romantisch, mythisch, schottisch: Whaligoe liegt weit im Norden Schottlands

Im einsamen Örtchen Whaligoe in den Highlands kommen nicht oft Fremde vorbei. Und viel los ist auch nicht. »In Whaligoe hört man höchstens die Mücken, bevor sie vor Langeweile eingehen«, sagt der draufgängerische Branwell, der zum Zeittotschlagen an Hahnenkämpfen teilnimmt (und das schon seit er ein Junge war) und ansonsten im Pub abhängt. Da trifft es sich ganz gut, als eine Kutsche einfährt und zwei Londoner Aristokraten absetzt, die auf der Flucht vor einer Sittenaffäre sind. Der dekadente Dandy Lord Douglas Dougson, ein Schriftsteller mit Schreibblockade, und seine Muse Speranza, die schon bessere Zeiten erlebt hat und ihn nicht wirklich mehr inspiriert, tauchen auf und werden Zeuge einer unheimlichen Erscheinung.

Doch sie glauben nicht nur Geister gesehen zu haben, sondern erfahren, dass sich der mysteriöse und erfolgreiche Schriftsteller Ellis Bell in dem abgelegenen Nest aufhalten soll. Allmählich verstricken sie sich in einen gefährlichen Fall, der sie buchstäblich am Verlassen von Whaligoe hindert.

Whaligoe 1

Willkommen am Rande der Welt

»Die Ankunft«, der erste Teil von Whaligoe wirft eine Unzahl von Fragen auf, die darin kulminieren dass man sich am Schluss die finale Frage stellt, wie das alles bloß mit nur einem einzigen weiteren Band erklärt und zu einem befriedigenden Ende aufgelöst werden soll.

So ist das Album ein überraschend gelungener Auftakt, der zu den besseren frankobelgischen Unterhaltungstiteln des Jahres gezählt werden kann. Die semi-realistischen, einfühlsam kolorierten Zeichnungen von Virginie Augustin (Alim der Gerber) sind alleine schon ihr Geld wert. [MH]

Abbildungen © Piredda


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