Frisch Gelesen Folge 140: Creepy Past, Bd. 1

Hauptkategorie: Rezensionen Kategorie: dani books Veröffentlicht: Montag, 06. Januar 2020 Geschrieben von Mechthild Wiesner

»Wir sehen uns bald wieder, Mädchen, und dann gehörst du mir!«


FRISCH GELESEN: Archiv


Creepy Past, Bd. 1: »Im Dunkeln verborgen«

Story: Bruno Enna, Giovanni Di Gregorio
Zeichnungen: Giovanni Rigano

dani books
Softcover | 208 Seiten | Farbe | 16,99 €
ISBN: 978-3-95956-034-4

Hardcover | 208 Seiten | Farbe | 29,99 €
(auf 99 Ex. lim. Special-Edition mit signiertem Druck)
ISBN: 978-3-95956-035-1 

Genre: Horror, Mystery, Coming-of-Age

Für Leser, die das mögen: Creepypastas oder vergleichbare Teenager-Monster-Storys


Schon mal von Creepypasta gehört? Nein? Ok, Boomer. Dann fange ich von vorne an. Schon immer erzählen sich Menschen gerne Schauermärchen und Gruselgeschichten. Die Protagonisten darin sind, nebst den Monstern, oft Teenager oder junge Erwachsene. Da gibt es die klassisch mündlich tradierte Geschichte mit der Taschenlampe unter dem Kinn im Feriencamp, Bücher und Filme und als neuere Ausprägung auch Computerspiele. Creepypastas sind die konsequente Weiterführung dessen als eine Art Fanfiction im Netz. Die Bezeichnung ist ein Kofferwort aus »creepy«, also gruselig, und »paste«, also kopieren, da die Verbreitung der Geschichten über das Kopieren im Internet läuft. Die Monster der Creepypastas sind oft aus Computerspielen oder Serien entliehen oder Figuren, die der modernen Popkultur entspringen. Auch klassische Themen wie Okkultismus, Serienmörder und Geisteskrankheiten kommen nicht zu kurz.


Hier traut niemand niemandem. Die Motive von Iker bleiben im Dunkeln.

Es liegt also auf der Hand, den Spieß umzudrehen und eine Geschichte über Creepypasta zu schreiben. Und wer sollte das besser können als eine Gruppe Italiener? *drum-tsching*, kleiner Flachwitz-Tusch. Aber man muss sagen, dass Bruno Enna und Giovanni Di Gregorio einen wirklich guten Job machen. Der Comic spielt hauptsächlich in einer merkwürdigen Klinik, die sich REM-Institut nennt. Hier kommen Jugendliche wie Quiro hin, die an Schlafstörungen leiden. Schnell wird klar, dass das Institut viel mehr tut, als nur gestresste Teenager aufzufangen. Was das genau ist, bleibt unklar, legal ist es aber wohl nicht. Ester, die eine pathologische Lügnerin zu sein scheint, hat sich in das Institut eingeschlichen, um dem auf die Schliche zu kommen. Sie verbreitet Geschichten über das Institut als Creepypastas im Internet. Dabei gerät sie in die Fänge des Shakrall, eines üblen, gesichtslosen Monsters, dessen Motive sich lange im Dunkeln verbergen. Warum er so an Quiro interessiert ist, liegt nicht nur an dessen monstergefüllten Alpträumen. Der Leiter des Instituts, Iker, verfolgt hingegen seine ganz eigenen Ziele. Ob er Freund oder Feind der gejagten Teenager ist, muss sich noch herausstellen.


Was ist dran an Esters Monstergeschichten? Monster, die einen im Schlaf heimsuchen, als klassisches Motiv
.

Das Artwork von Creepy Past ist fulminant. Der digitale Zeichenstil entspricht dem rasanten Erzähltempo. Die Farbgebung passt sich den unterschiedlichen Szenen an. Dadurch sind Traumsequenzen von realen klar zu unterscheiden, obwohl der Übergang oft fließend ist. Die Action bleibt übersichtlich, und die Monster sehen ordentlich gruselig aus. Die Zeichnungen und die Panelaufteilung folgen der westlichen Ästhetik, Anleihen an die ostasiatische Erzähltradition sind aber ebenfalls zu erkennen. Angst lässt sich immer gut über die Augen transportieren.


»Du bist das Monster« – für Teenager immer eine Option.

Creepy Past bedient sich der gängigen Erzählmuster des Horrorgenres, ebenso wie es die Creepypastas tun. Da sich der Comic an eine neue Generation Teenager wendet, ist es auch nicht vonnöten, das Rad neu zu erfinden. Anfänglich ist die Geschichte etwas verwirrend und lässt sich schleppend an, nimmt dann aber an Fahrt auf und wird packend. Die Kapitel arbeiten mit guten Cliffhangern. Dieser erste von geplanten zwei Sammelbänden macht Lust auf den zweiten. Wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass dort alle losen Fäden zusammengeflochten werden können. Der Comic hat definitiv Potenzial für Folgebände und könnte sich noch zu einer richtig guten Coming-of-Age-Story entwickeln.

[Mechthild Wiesner]

Abbildungen © 2019 dani books


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