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Frisch Gelesen Folge 35: Rider on the Storm 1

Rider on the Storm 1

»Was wollen Sie eigentlich von mir? Sind Sie einfach nur frauenfeindlich oder haben Sie mir wirklich etwas vorzuwerfen? – Die Polizei … ist kein Beruf für eingebildete Puten.«


FRISCH GELESEN: Archiv


Rider on the Storm Band 1

Rider on the Storm Band 1: »Brüssel«

Story: Géro
Zeichnungen: Baudoin Deville
Salleck Publications
Hardcover | 48 Seiten | Farbe | 12,90 €
ISBN 978-3-89908-545-7

Genre: Krimi, Abenteuer, Motorsport

Für Leser, die das mögen: Michel Vaillant, Dantes, Julie Wood, ZACK

 


Eckart Schott, der Verleger hinter Salleck Publications, hat sich in der letzten Zeit nicht nur mit klassischen frankobelgischen Comics beschäftigt, sondern mittlerweile schon eine ganze Reihe von Comics nach Deutschland gebracht, in denen es um klassische Autos und Motorräder geht. Auch in dieser neuen Reihe steht neben den handelnden Personen ein Vehikel im Vordergrund, das netterweise auch mit einer Begleitseite gewürdigt wird: die Kawasaki 750 H2 Mach IV. Sie ist die eigentliche Heldin dieses rasanten und spannenden Bandes. Aber auch die Gebäude, die Mode und nicht zuletzt die anderen Fahrzeuge sind mit Liebe und wahrscheinlich einer sehr großen und akribischen Vorbereitung gezeichnet.

Rider on the Storm Band 1 Leseprobe

Geht gut los: Actionreicher Start der Story mit dramatischer Verfolgungsjagd

Im Grunde geht es aber um etwas ganz anderes: Im Brüssel des Jahres 1974 geschieht ein Doppelmord und Gaspard Sarini, der Sohn des ermordeten Ehepaares, kann sich gerade noch durch einen waghalsigen Sprung aus einem Fenster und der anschließenden wilden Verfolgungsjagd auf eben jenem Bike retten. Während dieser speedgeladenen Seiten wird der Leser (sic!) ganz nebenbei an einer ganzen Reihe von Sehenswürdigkeiten Brüssels vorbeigeführt. Auch diese werden in Form einer alten Zeitungsseite näher erklärt.

Unser Held darf seine Fahrkünste aber nicht nur in Brüssel beweisen, denn er nimmt auf seiner Kawa an einigen Rennen der Coupe Samourai teil. Jean Graton, der »Vater« von Michel Vaillant und Julie Wood, hätte seine Freude an den Szenen!

In einem zweiten Handlungsstrang erleben wir den alltäglichen Sexismus alteingesessener Polizeibeamter, denn eine junge Inspektorin, Jade Antoine, soll ihren Dienst in Brüssel antreten und wird von Anfang an und zielgerichtet gemobbt. In einigen Szenen wird allerdings deutlich, dass es dabei gar nicht um den beruflichen Alltag geht, sondern um die Lebenseinstellung einiger frustrierter konservativer Männer. Dabei nehmen die Künstler fast jedes Klischee so überzeichnet auf, dass einem sogar das Grinsen im Hals steckenbleibt. Folgerichtig werden auch antikommunistische und chauvinistische Klischees bedient.

Natürlich erkennen die beiden jugendlichen Protagonisten, dass sie nur zusammen eine winzige Chance haben. Gaspard wird verdächtigt, an der Ermordung seiner Eltern beteilig gewesen zu sein, zumindest soll er die Justiz durch seine Flucht behindert haben, und Jade wird von ihren Kollegen an jeglicher Ermittlungsarbeit gehindert. Wenn Sie beweisen will, dass sie das Zeug zu einer guten Polizistin hat, muss sie auf eigene Faust handeln. Im Gegensatz zu vielen aktuellen Thrillern wird bei Rider on the Storm gar nicht erst versucht, die Bösen mit einem Sympathiefaktor zu versehen; hier sind die Fronten passend zu den 1970ern noch schön schwarz und weiß.

Rider on the Storm Band 1 Leseprobe

Hintergrundsound von Cat Stevens: Gaspard Sarini segelt durch die Luft

Deville schafft es durch seinen sehr stark an vergangenen Glanzzeiten anknüpfenden Zeichenstil, die Atmosphäre eben dieser Zeit wieder aufleben zu lassen. Dazu tragen auch die vielen Details im Hintergrund der Panels bei: Konzertplakate, Soundwords, die die Musik der 1970er wiedergeben, und alte Werbung! Auch die sehr im Bräunlichen gehaltene Farbgebung erinnert an alte Fotos. Am Rande sei erwähnt, dass die Tabakindustrie sich freuen dürfte, denn passend zu der Zeit wird ohne Ende gequalmt was das Zeug hergibt. Auch der durch ein weißes Viereck gekennzeichnete Mund fehlt nicht.

Ich weiß nicht, ob dieser Band irgendwelche Kids auf der Suche nach Action begeistern wird. Er passt aber haargenau in das Segment der mittelalten Comicleser, die mit dem alten ZACK groß geworden sind und neben Gesamtausgaben ihrer Jugendlektüre neue Geschichten suchen, die zu dem Bekannten passen.

Das Blut spritzt nicht aus jeder zweiten Seite, die handelnden Akteure kommen nicht direkt aus dem Bodybuildingstudio und die weiblichen Oberweiten sehen einfach natürlich aus. Trotzdem ist viel mehr Realismus vorhanden als beispielsweise in Rick Master oder den meisten anderen »echten« Detektivserien aus jener Zeit. Im Vergleich zu den Comics eines Hermann (Jeremiah, Comanche) ist Rider on the Storm dagegen auffällig gewaltarm angelegt. Die Bildsequenzen sind insbesondere bei den Verfolgungsszenen sehr filmisch: Perspektivenwechsel in schneller Folge und schwarzweiß gehaltene Rückblicke werden durch Kommentare aus dem Off ergänzt und ergeben einen sehr stimmigen Gesamteindruck.

Rider on the Storm Band 1 Leseprobe

Immer wieder Referenzen zur Musik der 1970er: hier Pink Floyd

Wegen der bissigen Satire könnte man diesen Comic möglicherweise falsch verstehen. Jedem halbwegs humoroffenen Menschen sollte aber klar werden, dass die hier bedienten Vorurteile nicht liebevoll als Bestandteil der vergangenen »guten alten Zeit« betrauert werden.

Der nächste bereits angekündigte Band wird in London spielen. Auch hier werden wir wieder großartige Architektursettings gepaart mit Zeitkolorit erwarten dürfen.

Bei der vielen Musik, die in diesem Comic aus allen Ecken und Enden erschallt, fällt es schwer, sich für ein passendes Stück zu entscheiden: Obwohl der Titel natürlich nach den Doors förmlich schreit und der Vorsatz ein Konzertplakat von Led Zeppelin in den Vordergrund stellt, entscheide ich mich anders. Meiner Ansicht nach passt »In a gadda da vida« von Iron Butterfly, auch wenn es ein paar Jährchen älter ist, am besten, um den Genuss vollkommen zu machen! [Sven Krantz-Knutzen]

Abbildungen © 2014 Salleck Publications


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