Flix: Vom Erfolg mit Spirou lernen – und lehren

Veröffentlicht: Freitag, 26. Oktober 2018

 flix lesetour 2018 teaser

Im Rahmen seines neunten Workshops an der Bundesakademie in Wolfenbüttel befragte Stefan Svik den Berliner Zeichner Flix zu seiner gerade beendeten Lesereise mit Spirou in Berlin und über die Geheimnisse des Comiczeichnens. Flix' Album mit der belgischen Kultfigur liegt inzwischen in der vierten Auflage vor, erscheint im Dezember in einer Sonderausgabe und wird 2021 auch in einer französischsprachigen Ausgabe von Dupuis publiziert werden.

germany48»Ein Projekt, das abgeht«

Flix lehrt an der Bundesakademie für kulturelle Bildung

[Alfonz] Herzlichen Glückwunsch zu Spirou in Berlin!

[Flix] Vielen Dank. Das war ein Projekt, das mir viel Spaß gemacht hat und das jetzt total abgeht, das freut mich sehr! Es ist eine Riesenmotivation, um weiterzumachen, und es zeigt, dass es in Deutschland möglich ist, große Projekte zu realisieren, die eine große Aufmerksamkeit erhalten. Das haben wir immer gehofft, aber das jetzt ganz konkret zu sehen, dass wir in einem Monat drei Auflagen durchrocken, das ist der Hammer! Darüber haben alle großen Medien geschrieben.

Doppelseite aus der Vorzugsausgabe von Spirou in Berlin

Bekommst du auch etwas von der internationalen Resonanz mit?

Ja. Das war mir vorher auch nicht klar. Spirou ist nicht nur in Belgien und Frankreich ein Riesending, sondern auch in Spanien, Dänemark, Großbritannien oder den Niederlanden. Jetzt war gerade das belgische Fernsehen da und hat einen Beitrag für die Nachrichten gemacht. Das Goethe-Institut aus Brüssel hat sich auch gemeldet, die würden gerne etwas damit machen. Die merken, da gibt es plötzlich einen neuen Band, der noch nicht im belgischen und französischen Kanon auftaucht und da kommt Neugier auf.

Warum fehlt in deinem Album das Marsupilami?

Das ist ganz einfach und hat rechtliche Gründe. Die Figur gehörte André Franquin. Er hat die Rechte an dieser Figur und an Gaston nach dem Ausscheiden aus der Serie behalten, weil er daraus etwas eigenes machen wollte. Es gab seitdem zwar mal einen Auftritt in der Serie, aber die Figur ist eigentlich raus und daher dürfen auch wir sie nicht verwenden.

Welche Figur aus dem Spirou-Universum ist für dich die interessanteste?

Ich mag Fantasio am meisten! Spirou musste ich tatsächlich ein wenig besser kennen- und schätzenlernen. Ich hatte ihn als relativ langweilig eingeordnet. Ist er aber gar nicht, denn er hat einen humanistischen Ansatz.

Das Motiv des beigelegten Druckes zur Vorzugsausgabe von Spirou in Berlin entsteht

Dein Spirou wirkt erwachsener als andere Bände der Reihe, weil du den Spagat aus Unterhaltung und realistischer Betrachtung der DDR sehr gut hinbekommen hast. War dieser Spagat schwierig für dich?

(Zögert) Ja. Anders als Franquin oder andere Spirou-Zeichner hatte ich einen realen Ort und darüber musste ich nachdenken. Ein Ort mit einer ambivalenten Geschichte. Ich wohne ja in Osterberlin und beschäftige mich immer wieder mit der DDR. Wenn man über sie liest, dann häufig entweder ostalgisch oder als DDR-Bashing. Was mir jedoch klar geworden ist, ist, dass die DDR ein Ort des »auch« war. Es war schön, aber auch fies. Man war unfrei, aber auch frei. Dieses »auch« habe ich im Rahmen eines Abenteuercomics versucht einzufangen und so differenziert wie möglich erzählt. Da ich nur 200 Meter Luftlinie von der ehemaligen Mauer wohne, ist das immer wieder Thema in unserem Alltag. Da gehen wir ganz selbstverständlich rüber zum türkischen Gemüsehändler, weil der das bessere Gemüse hat – vor 30 Jahren war das nicht möglich.

Du hattest viele Freiheiten bei Spirou in Berlin, hast die Seiten aber trotzdem in Belgien vorgelegt. Gab es Szenen, die du weglassen solltest oder wolltest?

Es gab eine Szene, in der ich den Tod der Affen deutlich expliziter gezeichnet hatte. Da waren wir uns uneinig und sagten dann: das kann man eher nicht machen. Es ist halt ein Jugendcomic. Da kann man Gewalt und Schießereien zeigen, aber kein Blut. Es gab auch ein ausdrucksstarkes Bild, mit dem Blick von oben auf den toten Affen, aber das war eine Nummer zu viel. Es ist auch so klar, was passiert. Und vielleicht hat es eine noch andere Wirkung, weil es in den Köpfen der Leser passiert und gar nicht genau gezeigt werden muss.

Es war mir wichtig, dass der Verlag mit dem Buch einverstanden ist, und es war mir wichtig, das Buch zu machen. Es ist selbstverständlich, sich an Regeln zu halten, wenn man mit diesen Figuren arbeiten darf. Spirou muss die Hauptfigur bleiben. Das ist gesetzt, das ist das Handlungsmoment in dem Ganzen. Würde ich wollen, dass Pips die Hauptfigur wäre, würde Dupuis vermutlich sagen: Ja, nee! Ich hätte auch keine Ahnung, welche Stellschrauben ich drehen soll, um mehr Leser zu erreichen. Das ist immer wieder ein Lotteriespiel. Da bin ich mir mein Maßstab. Wenn mir die Geschichte gefällt, dann mache ich sie so. Ich versuche sie verständlich und zugänglich zu machen. Der Band muss in sich selbst erklärend sein, auch für Leute, die nicht in der DDR gelebt haben. Wenn man mehr weiß, dann hat man mehr Spaß und entdeckt mehr Anspielungen, aber das ist nicht erforderlich. Darüber versuche ich mehr Leser zu gewinnen: über die Verständlichkeit des Comics. Aber das ist immer der Anspruch an meine Arbeit.

Flix mit der Journalistin Korinna Hennig zum Auftakt seiner Lesetour 2018 in Hamburg

Du befindest dich mitten in einer Lesetour zum Album. Wie lief die bisher?

Es war jeden Abend voll (lacht). Da kommen jedes Mal um die 100 Leute, und nachmittags bei den Signierstunden stehen die Leute Schlange. Es sind auch viele Leute von außerhalb der Comicszene da, also Menschen, die ich nicht von Comicfestivals kenne. Neue Leser, und die interessieren sich plötzlich wieder für Comics. Sie mochten die Serie als Kind, und weil dieser Band anders ist, greifen sie mal wieder zum Comic. Es gibt in Deutschland sehr viele Leute, die sich nicht als Comicleser bezeichnen würden, und die zu erreichen, ist toll. Bei der Gelegenheit entdecken sie dann vielleicht auch noch den Neustart von Clever & Smart oder ähnliches und werden so wieder zurück zu den Comics gebracht.

Kannst du schon verraten, ob es eine Fortsetzung von Spirou in Berlin geben wird?

Nee. (lacht)

Gibt es eine bestimmte Verkaufszahl, ab der eine Fortsetzung realistisch ist?

Nein, es gab natürlich eine Vorstellung, wie es laufen sollte. Aber über der Marke liegen wir easy drüber. Es ist eher so, dass ich mir dazu noch gar keine Gedanken gemacht habe. Ich muss das erstmal für mich selbst formulieren.

Flix signiert beim Auftakt seiner Lesetour 2018 in Hamburg

Du hast deinen Beruf studiert und bist kommerziell und bei der Kritik erfolgreich. Das ist nicht immer so, und Comics, die im Feuilleton punkten, werden nicht unbedingt zu Bestsellern. Wie schaffst du diesen Spagat?

Auf intelligente Art zu unterhalten ist auf unterschiedliche Weise möglich.

Du bist ein Künstler, der mit seinen Figuren sehr liebevoll umgeht. Wäre es dir überhaupt möglich, einen richtig zynischen Comic zu machen?

Ich fürchte, auch der würde irgendwie liebevoll werden. Das ist irgendwie mein Ding. Ich bin kein zynischer Mensch. Ich brauche Hoffnung. Danach suche ich bei meinen Projekten: Wo sind denn die guten Seiten, auch wenn alles finster aussieht? Es ist leichter auf das zu gucken, was Mist ist, aber es lohnt auch, nach dem Guten zu schauen, keine Heile-Welt-Beschönigung, aber trotzdem das andere nicht aus dem Blick verlieren. Das ist mir total wichtig! Darin sehe ich auch meine Aufgabe als Zeichner. Dank meiner Zeitungscomics erreiche ich sehr viele Leute, und denen möchte ich Momente des Schmunzelns, Reflektierens, Nachdenkens und des Berührtseins schenken. Das macht Journalismus eher selten, aber dafür gibt es ja die Comics.

Die Comicszene und auch Berlins Intellektuelle stehen politisch eher links-liberal. Hast du von Unverständnis für deine Darstellung der DDR in Spirou in Berlin gehört, weil das ja das System ist, das Sympathisanten der Linkspartei herbeisehnen, mit einer gerechteren Welt?

Nein. Ich habe mich dafür entschieden, an einer Stelle das Wort Unrechtsstaat zu verwenden. Darüber herrscht weitestgehend Konsens. Auch wenn das manche Leute nicht mögen. Das beruht ja auf Grundlagen, das habe ich recherchiert, das ist überprüfbar und nicht ausgedacht. Ich würde es für falsch halten, das nicht zu sagen. Man muss sich mit der Geschichte der DDR beschäftigen, um es halbwegs nachvollziehen zu können, was da passiert. Das sind unterschiedliche Ansichten. Es war ein Fehler zu meinen, dass man das nach der Wende schnell auf ein Level bringen könne. Statt sich Zeit zu nehmen und zu prüfen, was am jeweiligen System gut war und das zu erhalten. Das hört man immer wieder. Es war nicht alles schlecht in der DDR, und das stimmt. Und da sind wir dann wieder bei dem »auch«.

Flix signiert beim Auftakt seiner Lesetour 2018 in Hamburg

Nun hat auch Deutschland eine jahrzehntealte Comictradition. Warum gibt es keine deutsche Reihe mit ähnlichem Potential wie Batman, Asterix oder Spirou. Oder anders herum gefragt: Warum wird ein Comic wie Nick Knatterton heute nicht mehr fortgesetzt?

(Seufzt) Ach, ich hab da auch schon oft darüber nachgedacht, woran das liegt. Ich weiß es nicht genau, aber ich glaube das hat historische Gründe. In der NS-Zeit gab es keine deutschen Comics, das war verpönt. Es war der Feind, der das gelesen hat. Ich erzähle ja nichts Neues, wenn ich sage, dass wir noch in den 1960er Jahren Bücherverbrennungen mit Comics in Deutschland hatten. Da wurden sie eingetauscht gegen »richtige« Bücher. Das hat die Generation meiner Eltern geprägt. Dann fingen die ersten an, sich einen Asterix-Band zu kaufen. Wir sind die erste Generation, die freien Zugang zu Comics hat, ohne dass es völlig verpönt ist. Somit sind wir aber, auch was die Zeichner anbelangt, in der Entwicklung 40 Jahre hinten dran gegenüber Frankreich zum Beispiel. In dieser Zeit entstanden Serien und brannten sich ins kollektive Bewusstsein ein, noch dazu in einer Zeit, als das Medienangebot noch nicht so groß war wie heute. Die Highlights, die Bestseller, sind ja auch in Frankreich Asterix oder Tim und Struppi. Das sind die großen Dinger, und die kommen genau aus der Zeit, als wir in Deutschland eben keine große Comickultur hatten.

Als Comicleser ist es einerseits schön zu erleben, wie Asterix immer noch Millionen Alben verkauft, aber es ist auch schade, dass interessantere Comics nicht diese Beachtung finden.

Das ist, wie sich über Kino-Blockbuster aufzuregen.

Profitierst du denn davon, wenn mehr Asterix-Alben verkauft werden?

Wir alle profitieren davon! Man kann eine Menge von diesem Erfolg lernen. Nämlich: Wie man Geschichten aufbaut. Wie man zugängliche Figuren entwickelt. Das kann man sich abschauen, man muss es nicht nachmachen, aber man kann. Und es schadet nichts, sich mit Sachen zu beschäftigen, die funktionieren. Nur dann hast du die Möglichkeit, Formen zu finden, die für deine Inhalte transportiert, aber eben auch von Leuten gelesen werden können. Ich profitiere von jedem Asterix-Band, auch wenn ich den dann am Ende scheiße finde (lacht). Weil ich dann merke: so bzw. so will ich nicht arbeiten.

Seit neun Jahren gibst du Kurse an der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel. Ist das deine einzige Lehrtätigkeit?

Ich habe einige Male das Comic-Seminar in Erlangen geleitet, aber Wolfenbüttel ist der Kurs, den ich seit Jahren mache. Ich arbeite gerne mit Leuten, die schon etwas fortgeschrittener sind oder Lust auf Experimente haben. Ich tue mich schwer mit Kursen, in denen ich erklären muss, wie man Mimik und Perspektive macht. Das ist wichtig zu lernen und Basisarbeit, das braucht man, aber dafür bin ich nicht der Richtige. Ich habe mehr Spaß daran, mir gemeinsam mit Teilnehmern Geschichten auszudenken. Darin bin ich gut, in den anderen Sachen nicht so.

Flix im Gespraech mit Moderator und Programmleiter Dr. Olaf Kutzmutz. (c) stefan svik

Wer nimmt an diesen Kursen teil?

Die jüngsten Teilnehmer waren 17, die ältesten 70, also sehr breit gefächert. Ein paar Leute kommen regelmäßig. Die ersten fünf, sechs Jahre war ein Architekt jedes Mal dabei. Ich finde aber toll, dass sich das immer wieder ändert. Dass immer wieder neue Leute kommen, zeigt, dass Interesse da ist, Worte und Bilder zu kombinieren. Die Teilnehmer sind nicht zwingend Comiczeichner, zeigen aber Interesse am Medium. Ein gerne von mir vermittelter Tipp ist, beim Entwickeln einer Geschichte an eine Ikea- oder Lego-Bauanleitung zu denken, also kleinteilig zu erzählen, um verständlich zu sein. Es ist immer schön, wenn man Leuten mal schnell etwas aufzeichnen kann.

Bräuchten wir in Deutschland also eine strukturierte Comicausbildung?

Nee. Mit den Entwicklungen der Hochschulen in den letzten Jahren sind wir auf einem guten Weg. Nimm' als Beispiel die Hochschule Saarbrücken, an der ich studiert habe. Damals gab es da niemanden, der sich für Comics interessiert hat. Ich musste meine Diplomarbeit als Comic richtig durchboxen! Heute kannst du da Design mit Schwerpunkt Comic studieren. Was mir bei den Hochschulen manchmal fehlt, ist das Arbeiten an Werken, die für ein breiteres Publikum taugen. Sie sind super für Experimente, das ist auch wichtig, aber Experimente sind nur ein Teil der Comic-Wirklichkeit. Man braucht Leute, die Geschichten erzählen können. Und das Geschichtenerzählen mit Bildern ist so unglaublich schwer, da braucht man Hilfe. Und das leisten die Hochschulen bislang zu wenig.

Auch Wege aufzuzeigen, wie Zeichner mit ihren Sachen Geld verdienen können. Experimente sind wunderbar, aber wenn du damit nichts verdienst, dann hörst du nach einigen Jahren wieder auf damit. Wir brauchen Leute, die davon leben und über Jahre und Jahrzehnte in dem Medium arbeiten können. Ich kenne einige, die super angefangen haben, und dann kam ein Jobangebot aus der Gamesbranche und Comics waren passé.

Es gibt nicht so viele Leute, die schreiben, zeichnen und sich gute Geschichten ausdenken können. Das ist eine relativ spezielle Mischung, die man mitbringen muss.

Ergebnisse der Kursteilnehmer. (c) stefan svik

Sollten wir wie in anderen Ländern mehr differenzieren und sowohl Szenaristen und Zeichner für Projekte beschäftigen oder sogar ausbilden?

Das ist in Deutschland hauptsächlich ein ökonomisches Problem. Du verdienst mit einem Comic nicht so viel, dass zwei Leute davon leben können. Also muss es einer machen. Wenn ich als Szenarist arbeite, dann kann ich von dem Vorschuss zurücktreten und sagen: Komm, gib' den vollen Vorschuss dem Zeichner, weil der einfach mehr Stunden reinsteckt und eine längere Zeit zwischenfinanzieren. Ich kann mir das gelegentlich leisten, aber das können nicht alle. Eigentlich bräuchte man die drei- bis vierfache Menge Geld, damit es einigermaßen funktioniert. Aber die ist einfach nicht da. Wir brauchen in Deutschland nicht mal mehr Leser, sondern mehr Käufer. Ganz simpel.

Wie könnte man das erreichen?

Wenn ich das wüsste! Mein Ansatz sind zugängliche Comics, die sich an die große Gruppe der Nicht-Comicleser richten. Sich nicht davor scheuen, eine breite Masse anzusprechen. Comics über Themen zu machen, die Leute interessieren. Öffentlichkeit suchen. Zu gucken, wo kriege ich Comics präsentiert, sei es in der U-Bahn oder auf Plakatwänden, in Museen. Meistens sitzt dort ein Verantwortlicher, den muss man herausfinden und knacken. Das ist machbar! Und das ist natürlich Arbeit. Das hat mit dem Zeichnen wenig zu tun. Dennoch: Comics in die Öffentlichkeit zu bringen ist wichtig.

Was empfiehlst du Menschen, die ihre Geschichten veröffentlichen wollen? Stimmt es etwa, dass man keine E-Books im Selbstverlag veröffentlichen sollte, um sich nicht den Weg zu einem Verlag zu versperren?

Es ist ein großer Unterschied, ob du online oder bei einem Verlag veröffentlichst – leider! Online kriegst du deutlich mehr Aufmerksamkeit, aber Geld damit zu verdienen ist schwierig. Der Übergang vom Leser im Netz zu einem zahlenden Käufer ist problematisch. Daran scheitert man immer wieder: Man arbeitet online unheimlich viel, kann aber eigentlich nicht davon leben. Oder überhaupt Geld damit verdienen. Man muss irgendwie eine Balance finden. Man sollte so früh wie möglich mit dem Comiczeichnen anfangen, wenn man jung und noch nicht auf viel Geld angewiesen ist, wenig Verpflichtungen hat. Wenn man mit einer kleinen Bude oder seinem WG-Zimmer zufrieden ist. Und in der Zeit möglichst viel produzieren. Und dann langsam wachsen, das Ganze auf Kontinuität anlegen. Wer das große Geld verdienen will, der sollte nicht Comiczeichner werden. Das funktioniert nicht. Man braucht viel Sitzfleisch und einen hohen Output. Es hilft zu gucken, was Menschen lesen, wie Geschichten funktionieren. Als Comiczeichner braucht man einen Bibliotheksausweis, damit man möglichst günstig viel lesen kann. Lesen, lesen, lesen! Auch Literatur. Wie sind die Geschichten aufgebaut und wie übersetze ich das in Bildgeschichten? Popkultur ist schön und gut, aber darüber hinaus gilt es, Klassiker zu lesen. Das Grundverständnis von Geschichten begreifen und nicht den 10.000 Star-Wars-Witz machen. Die Comicszene erreichst du mit Comics sowieso, aber was interessiert die anderen Menschen? Das ist die spannendere Frage!

Fehlt eine Verbindung zum Film wie in den USA, wo Brian K. Vaughan auch fürs Kino schreibt?

Ich schreibe keinen Tatort und ich kann auch gar keine Drehbücher schreiben. Damit geht es ja los, mit dieser Verbindung, Olivia Vieweg ist ein gutes Beispiel dafür. Erst hat sie einen Comic geschrieben, danach als Drehbuch adaptiert und aus dem Comic einen Film gemacht. Gerade lief der Film beim Festival in Toronto. Aktuell arbeite ich mit meinem Faust-Comic daran, einen Verleih zu finden. Das Drehbuch steht. Siehe Ralf Königs Verfilmungen, das geht. Aber Film braucht eine richtige, eine eigene Story.

Wie machst du weiter, wenn du mit einer Story steckenbleibst?

Gute Frage. Ich weiß es nicht. Da gibt es keine Alternative, und ich muss weitermachen. Ich kann nichts anderes und ich möchte auch nichts anderes machen.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg mit Spirou in Berlin!

Das Interview führte Stefan Svik


Das Cover der Vorzugsausgabe von Spirou in Berlin

Spirou in Berlin erscheint im Dezember als Vorzugsausgabe bei Carlsen Comics im Format 24 x 32 cm, hat 128 Seiten und präsentiert sämtliche Skizzen und die Farbversion der Episode jeweils gegenüberliegend auf Doppelseiten. Der auf 999 Exemplare limitierten Ausgabe mit Schutzumschlag liegt ein von Flix handsignierter Druck in Farbe bei.

Homepage des Verlags: Carlsen Comics

Original des Motivs des beigelegten Druckes zur Vorzugsausgabe von Spirou in Berlin

Abbildungen © 2018 Carlsen/Flix. Spirou © 2018 Dupuis. Fotos © 2018 Stefan Svik, Edition Alfons