Manga-Eigenproduktionen Teil 4: KAZÉ Manga

Veröffentlicht: Mittwoch, 12. Februar 2014

kazemanga

Nicht alle Manga kommen aus Japan. Es gibt auch deutsche Eigenproduktionen, die durchaus mit den asiatischen Originalen mithalten können. Dies werde jedoch von den großen deutschen Manga-Verlagen nicht entsprechend gewürdigt. Heißt es. Ein kürzlich vom Tagesspiegel veröffentlichter Artikel attestiert den großen Verlag gar Versagen auf ganzer Linie. Ist das so? CRON hat investigiert.

Stellungnahmen der großen Manga-Verlage

Einleitung (CRON)
Teil 1: Kai-Steffen Schwarz (Carlsen Manga)
Teil 2: Dr. Joachim Kaps (TOKYOPOP)
Teil 3: Jonas Blaumann (Egmont Manga)
Teil 4: Patrick Peltsch (KAZÉ Manga)


Patrick Peltsch (Chefredakteur KAZÉ Manga)

Was gibt es zu der Situation, wie in dem Artikel beschrieben zu sagen?

Wieso gibt es bei Euch kaum Eigenproduktionen? 

Patrick PeltschZunächst muss man wissen, dass Kazé Manga anders als Carlsen, EMA oder Tokyopop erst seit zwei Jahren mit dabei ist. Vor allem Carlsen und Egmont können dagegen auf eine über 60-jährige Verlagsgeschichte zurückblicken, d.h. dort verfügt man nicht nur über das nötige Know-how, um eigene Produktionen zu steuern, sondern auch über die nötige Manpower. Sie verfügen über eine seit Jahrzehnten gut gewachsene Verlagsstruktur mit eigenem Vertrieb, Lektorat und allem was sonst noch dazu gehört sowie einen großen Erfahrungsschatz auch aus dem Belletristik-Bereich.

Im Gegensatz dazu sind wir ursprünglich eine Produktionsagentur für Anime gewesen, d.h. wir haben von Anfang an keine eigenen Projekte verwirklicht, sondern schon immer japanische Produktionen adaptiert und vertrieben. Um überhaupt eigene Manga oder Animes produzieren zu können, müssen wir langfristig erst einmal intern die Strukturen schaffen, die das ermöglichen. D.h. Wettbewerbe initialisieren, Mappenbesichtigungs-Termine einführen, Leute einstellen, die nur für die Betreuung der Autoren zuständig sind,  die die Erfahrung haben, einen Autor in die richtige Richtung zu schicken, wenn er sich in seiner Geschichte vergaloppiert und so weiter und so fort.

Möglicherweise gibt es auch bei uns mittel- bis langfristig Eigenproduktionen, aber so etwas baut man eben nicht von heute auf morgen auf.

Aus diesen Gründen glaube ich, dass ich nicht das optimale Sprachrohr bin, um die Frage 1 zu beantworten. Ich bin aber persönlich nicht der Meinung, dass bei den deutschen Manga-Verlagen irgendetwas verschlafen wurde, im Gegenteil: Mein Eindruck ist, das alle drei Verlage (Carlsen, Egmont und Tokyopop) bei der Förderung des eigenen Nachwuchses wirklich sehr engagiert sind.