Panini: Interview mit Max Müller

Veröffentlicht: Mittwoch, 15. Juni 2011

Interview

 

»Als Leser sind mir Nummerierungen relativ egal.«

Max Müller über den Neustart des Superheldenuniversums & Sarah Gliddens Israel-Comic

In den USA veranstaltet DC Comics in diesen Tagen einen solchen Rummel, dass es noch Wochen und sogar Monate dauern dürfte, bis sich der Staub gelegt hat. Der COMIC REPORT wird in gut gewählten »homöopathischen Dosen« mit kurzen Beiträgen darüber berichten, um den deutschen Comicleser auf dem Laufenden zu halten.

Vieles was in den USA »veranstaltet« wird, erreicht über kurz oder lang auch Deutschland. Was also denken die deutschen Kollegen bei Paninicomics darüber? Auch wenn es noch sehr früh erscheint, da die Meldungen vom »Reboot«, den 52 neuen Heftserien und der zeitgleichen Digitalveröffentlichung diverser Stoffe erst wenige Tage alt sind, wollten wir wissen, was die Verantwortlichen in deutschen Landen davon halten. Die Fragen an Max Müller, den obersten Hüter des deutschsprachigen Superhelden-Kosmos, der sich mit der bunten Glitzerwelt der Spandex-Heroen bestens auskennt, stellte Matthias Hofmann.


Max, nicht nur in der Welt der Comics ändern sich die Titel der Verlagsleute von Jahr zu Jahr. Der bekannte Comiczeichner Jim Lee war mal schnöder »Artist« und darf sich jetzt »DC Entertainment Chief Creative Officer« nennen. Auch in Deutschland grassieren diese englischen Postenbezeichnungen. 2009 warst du mal »Panini Verlagsleiter, Boys und Comics«. Was steht heute auf Deiner Visitenkarte und was sind Deine drei Hauptaufgaben?

Bei mir steht nun »Comic Top Kreativ Performer of the Year« oder so ähnlich. Das wechselt tatsächlich monatlich. Meine drei Hauptaufgaben sind grob gesagt: a) Neue Themen für Comic/Bücher/Magazine suchen, b) Lizenzen einkaufen, c) Trouble-Shooting

In den USA lanciert DC Comics gerade einen beispiellosen programmweiten Reboot. Das muss man sich mal vorstellen: 52 »neue« Serien und ein Kopfsprung vom 10-Meter-Brett ins eiskalte Digitalcomics-Gewässer. Wenn Du Head-Honcho bei den US-amerikanischen Kollegen gewesen wärst und einer hätte die Idee mit den 52 neuen Serien gebracht, was hättest Du in einer solchen Redaktionssitzung spontan gesagt?

Ich hätte gesagt: »Super Idee. Und nach einem Jahr gehen wir auf die alten Nummerierungen zurück. Merkt sowieso keiner!«

 Und was denkst Du persönlich als Fan von Superheldencomics über diesen Kunstgriff?

 Naja, als Leser sind mir Nummerierungen relativ egal.

   

Natürlich kann man dies keinesfalls 1:1 auf deutsche Verhältnisse übertragen, aber wäre eine solche Aktion im ganz kleinen Maßstab auch in Deutschland möglich?

Du bringst es auf den Punkt. Im kleinen Maßstab ist das sicherlich sinnvoll.

Wie wird »Paninicomics Germany« vorgehen? Was wäre zu diesem frühen Zeitpunkt vorstellbar?

Einige Serien starten neu, einige nicht. Wir wollen die Sammler nicht verärgern.

Wie werdet Ihr über die aktuellen DC-Entwicklungen informiert? Über die Comic-Journaille im Internet oder direkt per Telekonferenz oder eMail aus dem Hauptquartier in den USA.

Alle drei Wege gibt es. In diesem Fall war es eine eMail von DC Comics.

 Was denkst Du über den Schritt, alle Comics zeitgleich digital zu veröffentlichen?

Ganz ehrlich: ich finde es völlig egal, wann die digitale Version erhältlich ist. Ich glaube, dass sich die Käufer von Print und Digital unterscheiden.

Ist das nicht ein weiterer Nine-Inch-Sargnagel für die Comicshops?

Möglich. Aber was soll man tun, wenn immer mehr Leute ihre Bücher digital lesen wollen? Da kann man sich nicht für immer versperren. Comics haben jedoch gegenüber »normalen« Büchern einen entscheidenden Vorteil: sie werden gesammelt und es gibt ein haptisches Erlebnis. Momentan ist es mir nicht um die Printversion Bange.

Ich lasse Dich nicht gehen, ohne über ein aktuelles deutsches Projekt gesprochen zu haben. Diesen Monat ist Sarah Gliddens Israel verstehen – In 60 Tagen oder weniger bei Panini erschienen. Erzähl den Lesern des COMIC REPORTs bitte, was aus Deiner Sicht das Besondere an diesem Titel ist.

Der Titel ist inhaltlich stark. Man lernt sehr viel bei der Lektüre des Buches, über das Land Israel und über den jahrzehntelangen Konflikt.  Eine sehr persönliche Geschichte über eine junge (amerikanische) Frau und ihren Erfahrungen mit ihrer jüdischen Wurzel. Ich kann es jedem politisch interessierten Menschen nur wärmstens empfehlen.

Sarah Glidden kommt auch nach Deutschland. Was ist hier alles geplant?

Eine Buchvorstellung im Jüdischen Museum anlässlich des Comic-Festivals in München. Mit Panel, Signieraktionen, etc. Wir haben jetzt schon jede Menge Interesse aus der Presse. Ich hoffe, dass es Sarah bei uns gefallen wird.

Gibt es noch einen weiteren Titel aus dem Panini-Programm der nächsten Monate, den man sich ganz genau anschauen sollte?

Ja, klar. Neonomicon von Alan Moore, Green Woman von Peter Straub und John Bolton, The Unwritten von Mike Carey und Nemesis von Mark Millar und Steve McNiven. Die sind alle sehr gut.


Weiterführende Links:

Leseprobe: Israel verstehen - In 60 Tagen oder weniger
Blog von Sarah Glidden: Small Noises


Foto © Paninicomics; Abbildungen © DC Comics & Paninicomics