Schwarzer Turm: Interview mit Michael Möller

Veröffentlicht: Freitag, 11. November 2011

Abt: Black Tower Power

Neues vom Turm

Mehr Flausen, mehr Subway

Interview mit Michael Möller

Der Weimarer Verlag Schwarzer Turm wird von Rochus »Robi« Hahn und Michael »Mille« Möller gemanagt. Die Angebotspalette reicht von Manga bis Hardcore-Porno-Comics und besticht vor allem damit, dass deutsche Künstler gefördert werden.

Der vielbeschäftigte Michael Möller, der u.a. auch das Layout für das monatliche Magazin COMIX erstellt, fand etwas Zeit, um ein paar Fragen für die Leser von CRON zu beantworten.


Mille, Du warst kürzlich auf der Comic Action in Essen? Wie war’s?

Die Comic-Action ist ja leider nur noch ein Schatten ihrer selbst, wenn man sich mal an ihre glorreichen Anfänge erinnert, als man als Verlag dort so viel verkaufen konnte wie in Erlangen auf dem Comic-Salon.

Aber trotzdem ist Essen für uns nach wie vor interessant durch die viele Laufkundschaft, die vorbeikommt und in den meisten Fällen noch nie von uns gehört hat. Insofern macht es für uns auf jeden Fall Sinn, dort hinzufahren.

Du hattest das neue Buch von Asja Wiegand im Gepäck. Was ist aus Deiner Sicht das Besondere an dem Comic?

Asja ist eine der Vorreiterinnen der Comic-Blogger-Szene. Sie hat sich Anfang 2008 aus einer künstlerischen Krise befreit, indem sie vom 1. Januar an fast täglich einen Beitrag hochgeladen hat, eine unglaubliche Leistung. Asjas Stil ist sehr lebendig, aber auch sehr detailliert und schafft den Spagat, sowohl Comic- als auch Manga-Leser anzusprechen. Sie kommt ja eigentlich vom Manga und hat auch weiterhin vor, Manga-Geschichten zu zeichnen.

Der Band erschien im Label »turmoffline«, wo auch schon Ulf Salzmanns Sammlung mit Strips von Angst publiziert wurde. Wird das weiter ausgebaut?

Ja, wir sind dabei, uns in diesem Bereich weiter umzusehen und regelmäßig Webcomics zu veröffentlichen. Zum letzten Comic-Salon hatten Ulf Salzmann und Johannes Kretzschmar für uns den 7. Panik Elektro-Band unter dem Titel »Seelenstrips« herausgegeben, der 30 Comic-Blogger vorstellte. Kurz nach der Messe war das Buch schon vergriffen, und wir hatten aber nicht mal mehr Rezensionsexemplare, die wir hätten rausgeben können. Mir kommt es so vor, als sei das Buch dadurch von der Comicszene kaum wahrgenommen worden, obwohl wir da offenbar einen Nerv getroffen hatten.

Welcher Titel ist bei diesem Label als nächstes in der Pipeline?

Als nächstes kommt ein Schnellschuss mit – ja, schon wieder!: – Ulf, dessen Weimarer Flausen morgen in Druck gehen. Wir denken, dass das Buch auch ein nettes Weihnachtsgeschenk für die Weimarer Bildungsbürger werden könnte, deshalb haben wir es relativ schnell produzieren müssen.

Den nächsten Band, auf den ich mich sehr freue, wird dann Katja Klengel gestalten. Katja ist schon seit langem Mitarbeiterin beim Turm und uns auch privat sehr verbunden. Geplant ist auch ein Buch mit dem Kurt-Schalker-Preisträger Wolfgang Büchs.

Ihr bringt auch regelmäßig deutsche Manga auf den Markt. Wie kam es dazu? Du bist ja nicht der typische Manga-Leser?

Das kam so, dass mein Mit-Verleger Robi und ich zur Leipziger Buchmesse gefahren sind, um uns ein schönes Wochenende zu machen, und da plötzlich mit einer unglaublichen Menge talentierter Zeichnerinnen konfrontiert wurden, die darauf brannten, veröffentlicht zu werden. Die Messe vibrierte nur so von der Begeisterung dieser jungen Leser, was ich in dem Comicbereich, den ich bisher kannte, so lange nicht mehr erlebt hatte. Und von dieser Begeisterung haben wir uns anstecken lassen, was nicht schwer war. Auf der Rückfahrt haben wir dann schon Pläne für unser Manga-Magazin Paper Theatre geschmiedet.

 

 

 

 

„Subway to Sally” auf der Leipziger Buchmesse 2008

 

 

 

 

Was hat es mit den reinen Erwachsenen-Comics auf sich, in denen es ganz schön zur Sache geht, die deshalb nur für Leser ab 18 Jahren bestimmt sind?

Unsere Erotik-Reihen haben wir ganz am Anfang gestartet, um sicherzugehen, dass unser Verlagsstart ein Erfolg wird. Heute wären Verkäufe in dieser Höhe sicher nicht mehr wiederholbar, weil der Erotik-Comic in Zeiten des Internets mehr oder weniger ausgedient hat.

Kannst Du abschließend einen Titel verraten, der fürs Frühjahr 2012 in Planung ist?

Zur Leipziger Buchmesse wird das zweite Subway to Sally-Storybook bei uns erscheinen. Das erste hatten wir ja für EMA produziert, das ging in die 2. Auflage und hat fast 9.000 Stück verkauft. Ein Erfolg, den die Comicszene auch kaum wahrgenommen hat. Wir haben da halt wirklich mal ein Publikum außerhalb der Comicszene angesprochen.

Oben: Ein kleiner Einblick in das, was kommt.

Abbildungen/Fotos © Schwarzer Turm

 


 

Weiterführende Links:

Homepage des Verlags: Schwarzer Turm