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COMIXENE 117 - Interview mit René Lehner

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Die Comixene 117 ist pünktlich erschienen. Der Züricher René Lehner hat die zweite Nummer der neuen Inkarnation des traditionsreichen Comicfachmagazins in Alleinregie erstellt. CRON sprach mit dem Schweizer über die neue Ausgabe.

»Ein Strauß aktueller Meldungen, Interviews und Bilder«germany48switzerland48
René Lehner über die neue Comixene

 

Es mag noch nicht jeder registriert haben, aber die Comixene ist wieder da. Im November 2012 wurde sie mit der Nr. 115 zu Grabe getragen und rund drei Jahre später feierte sie im Sommer 2015 - mal wieder - ein Comeback. Ursprünglich wäre mit Martin Jurgeit der neue Chefredakteur der alte gewesen. Und Comixene-Mitbegründer René Lehner sollte als neuer Verleger das Schiff in finanziell sichere Gewässer führen. Angekündigt wurde ein Magazin für die Comicbranche, welches außerdem mit Inhalten über Cartoons angereichert werden sollte.

»Komm' ich heut' nicht, komm' ich morgen«, ein Motto, welches alle Comicmagazine zu befallen scheint, die entweder »Comix« oder »Sprech« im Namen tragen, schien jedoch auch für den Relaunch zu gelten. Denn in Sachen Pünktlichkeit machte man dort weiter, wo man zuvor aufgehört hatte: Die Nr. 116 erschien mit Verspätung.

Dass diese nur zwei Wochen betrug, lag daran, dass es nach dem Redaktionsschluss einen Kapitänswechsel gab und Lehner kurzerhand das Ruder selbst in die Hand nahm. Dem geschäftigen Schweizer ist es auch zu verdanken, dass die zweite Ausgabe wie angekündigt Anfang Dezember erschienen ist und sich sehen lassen kann. Die Comixene unter Lehners Ägide scheint ihre neue Linie gefunden zu haben.

CRON sprach mit René Lehner über das frisch erschienene Heft und was für die nahe Zukunft geplant ist.

Comixene 117

 


CRON fragt. René Lehner antwortet.cr ICON-Fragen
Der Chefredakteur im Interview.

 

René LehnerRespekt, René! Wenn ich ehrlich bin, dann hatte ich so meine Zweifel, dass die neue Comixene auch im Dezember erscheint …

Daran wirst Du Dich gewöhnen müssen. So ein Heft sollte pünktlich im Laden sein, erst recht, wenn es im Internet dauernd angekündigt wird.

Schön, dass auch mal ein anderer Comicfachmagazin-Macher, außer uns, das so sieht [lacht]. Die Nummer 117 hat einen »Kennenlernpreis« von 5,95 Euro. Ich hätte das eher bei der ersten Ausgabe nach der Pause und der Neuausrichtung erwartet. Warum erst jetzt mit der zweiten Ausgabe?

Ich habe für die zweite Ausgabe den Vertrieb gewechselt, der mir diese Aktion empfohlen hat. Das sollte ein Anreiz für die Händler sein, das Heft im Sortiment aufzunehmen, obwohl es früher bei einem Konkurrenten vertrieben wurde. Die nächste Ausgabe wird wieder teurer sein.

Inzwischen ist die Vision eines Martin Jurgeit als neuer-alter Chefredakteur schon Geschichte. Wie kam es zu dem Wechsel, nach dem Du jetzt nicht nur Herausgeber, sondern auch noch Chefredakteur geworden bist?

Ich hatte ihn eingestellt, um die neue Comixene zu machen. Über die Grundzüge waren wir uns einig und ich habe ihn sein Branchenmagazin machen lassen. Aber leider wurde es nicht fertig und ich musste in letzter Minute einen Großteil des Heftes alleine zu Ende bringen. Die Nummer 117 (Bill Watterson) habe ich dann von Anfang an in Ruhe fast alleine fabriziert und natürlich ist sie so geworden, wie ich sie gern lesen würde - weniger Branche, mehr Zeichner, mehr Bilder, mehr Cartoons.

Toll, dass es diesmal ein Vorwort gibt. [lacht] Ich hatte Dir damals ja schon am Telefon gesagt, dass ein Relaunch ohne Editorial und Ansprache an den Leser aus meiner Sicht ein »No-Go« ist. Wie zufrieden bist Du persönlich mit der zweiten Nummer unter Deiner Ägide?

Du hast damit recht gehabt. Das war eigentlich die einzige Kritik, die mir nach der Nummer 116 gemacht wurde. Aber du siehst, ich habe auf dich gehört. Mit der Nummer 117 bin ich nun zufrieden. Sie ist genauso wie ich sie haben wollte. Inhalt, Grafik, Umfang, Rubriken, all das wird so bleiben. Ich habe inzwischen auch ein engagiertes Team zusammen, ohne dass ich es nicht geschafft hätte und über das ich glücklich bin. Das Layout habe ich auch im Griff und jedes weitere Heft geht nun einfacher von der Hand.

Comixene 117 Leseprobe

Wie ist die bisherige Resonanz auf das Magazin, inhaltliches Feedback, aber auch die Verkäufe?

Verkaufszahlen habe ich noch nicht. Vorerst will ich sie gar nicht wissen, denn ohne eine lange Anlaufzeit geht es sowieso nicht. Wenn ich Ende 2016 das Heft bei Null:Null habe, bin ich zufrieden. Feedback ist eigentlich spärlich, Kritik kaum zu vernehmen. Entweder sind die Leser zufrieden oder die Comixene wird nicht gelesen.

Welche Themen sind für die Nr. 118 geplant, die ja schon im Februar kommen soll?

Titelthema der nächsten Nummer, die am 29.02.2016 erscheint, wird Martin Perscheid und seine Ausstellung in Kassel sein. Diesmal soll ein Cartoon-Thema aufs Cover. Dazu ein umfangreicher Bericht über die Titanic, einer über die Serie The Walking Dead von Stefan Svik und viel Neues und Unerwartetes, das noch nicht in trockenen Tüchern ist. Ich hoffe noch, am Festival in Angoulême interessante Comics zu entdecken.

Ich möchte in jedem Heft einen abgeschlossenen, unveröffentlichten, ungewöhnlichen, 6- bis 8-seitigen Comic haben. Der Comic im aktuellen Heft 117 von Steven Dhondt ist so ein Beispiel: Kaum einer kennt ihn hierzulande, noch nie ist etwas von ihm auf Deutsch erschienen, sein Stil ist perfekt und doch ungewöhnlich. Ich selber habe ihn erst vor ein paar Wochen im Internet gefunden und sofort Kontakt mit dem Belgier aufgenommen. Ich könnte mir aber auch eine alte Geschichte vorstellen, die noch nicht gedruckt oder nirgendwo mehr zu lesen ist. Neues und Spannendes zu finden ist für mich die wichtigste Aufgabe und dank des Internets auch möglich.

Internet ist ein gutes Stichwort zum Schluss: Im aktuellen Heft sind auch ein paar Beiträge aus dem Internet oder Nachdrucke aus anderen Publikationen wie das Bill-Watterson-Interview … Für ein Printmagazin ist das durchaus eine gefährliche Gratwanderung, weil das Alleinstellungsmerkmal durch »Recyceltes« gefährdet wird.

Ich sehe mich als Journalist, der Infos und Fakten zusammenträgt und sie einem Fachpublikum geordnet präsentiert. Quelle meiner Infos sind ausländische Zeitschriften - dort habe ich das Interview mit Uderzo oder die Comic-Kollaboration von Watterson/Pastis gefunden.) und das Internet (Dort habe ich Steven Dhondt entdeckt.) – genauso wie politische Magazine Nachrichten von ihren Agenturen erhalten.

Ich kenne eine Vielzahl potentieller Leser, die sich für Comics und Cartoons interessieren, aber nicht stundenlang im Netz oder im Ausland nach Nachrichten suchen. Für sie stellen wir einen Strauß aktueller Meldungen, Interviews und Bilder zusammen. Da wir nur alle drei Monate erscheinen, bringen wir aber keine richtig aktuellen News, sondern Infos, die zum Thema passen und die auch noch Monate später interessant sein können.

Trotzdem haben wir uns auch an eigene, umfangreiche Geschichten gemacht: Zweiteiliger Bericht über die Neue Frankfurter Schule, Analyse über den Sex in Schultheiss‘ Comics, Porträt über Zeichner wie Nic Klein, Betrachtung deutscher Zeichner in den USA oder Cartoonistinnen in Deutschland, Live-Reportage über das Cartoon-Lese-Festival in Berlin, juristischen Ratschlag für Zeichner und Texter, unterhaltsame, aufwändige Info-Grafik und Berichte über Museen und Galerien usw. Das sind alles Storys, die wir selber angeleiert, die viel Arbeit gemacht haben und auf die wir stolz sind. Und so soll es weitergehen.

Die Fragen stellte Matthias Hofmann

Comixene 117 Leseprobe  

Foto & Abbildungen © René Lehner


Weiterführende Links:

Homepage der neuen Comixene: COMIXENE

Leseprobe der neusten Ausgabe: CX 117

CRON-Interview vor dem Relaunch: Interview mit dem Herausgeber (April 2015)

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