PRIMO-Revival: Interview mit Peter Wiechmann

Veröffentlicht: Donnerstag, 18. August 2011

Interview

Projekt der Titanen:

Peter Wiechmanns »Operation Gipfelsturm«

Vor ein paar Tagen war PRIMO wieder in den Nachrichten. Das Comicmagazin hatte zu seinen Glanzzeiten eine wöchentliche Auflage von mehr als 200.000 Exemplaren und brachte unter anderem frankobelgische Klassiker wie Lucky Luke, Jeff Jordan, Sammy & Jack, aber auch viele spanische Serien (Andrax, Manos Kelly, El Cid), dazu Hal Fosters Prinz Eisenherz oder viele Eigenproduktionen.

Peter Wiechmann, ein »Comicer« (O-Ton Homepage) mit seiner aktivsten Zeit in den 1960er und 1970er Jahren und damaliger PRIMO-Chefredakteur und Autor, will es noch einmal wissen. Zu einer Pressekonferenz in München hatte er eingeladen. Die dpa trug danach die frohe Botschaft hinaus in die Welt. Und viele kleine und große Zeitungen berichteten darüber, dass er einen lange gehegten Traum verwirklichen, seine alten PRIMO-Helden aus der noch gut erhaltenen Mottenkiste holen, mit neuen Texten aufpolieren und in einem aufwändigen Buchprojekt in Eigenregie publizieren will.

Aber die Sache hat einen Haken: 62.000 Euro werden benötigt, um die Comics zu veröffentlichen. Nun hätte man ein oder zwei Jahre lang Geld sammeln können, doch der in der Nähe vom Starnberger See lebende Comic-Veteran hatte eine viel spannendere Idee. Mit Hilfe von modernem Crowdfunding soll das nötige Cash zusammenkommen. Aufgebracht werden soll die immense Summe von Leuten, die PRIMO oder Peter Wiechmanns Werk toll finden. Als dramaturgische Feinheit hat man noch eine Art Damokles Schwert darüber aufgehängt, denn es stehen nur 90 Tage zur Verfügung. Das Motto heißt: Alles oder nichts. Wird die Zielsumme nämlich nicht erreicht, dann wird das Projekt abgeblasen und alle Sponsoren bekommen ihr Geld zurück. Da muss man ehrlich zugeben, das ist mindestens so spannend wie ein guter Comic; nicht nur für die unmittelbar Beteiligten.

Der COMIC REPORT hat bei dem Mann, der das Unmögliche möglich machen will, nachgefragt. Die Fragen an Peter Wiechmann stellte Matthias Hofmann.


Peter,  Du wirst bald 72 Jahre alt und hast viel erreicht. Dein neues Projekt »PRIMO-Titanen-Trilogie« ist eine riesige Herausforderung. Es hält Dich sicher ziemlich auf Trab und wird Dich in den nächsten Wochen und Monaten noch viel mehr beschäftigen.

Da sprichst Du eine schwerwiegende Wahrheit gelassen aus! Ich habe diesen Aspekt des Experiments gründlich unterschätzt.

Das Trommeln für den Erfolg schien anfangs auf Sherpa-Schultern zu ruhen …  in der rauen Wirklichkeit aber werden von den Projekt-Betreibern zwar per Rundschlag viele Kontakte vermittelt und ab und an geschlossen. Aber das professionelle Werben für die eigene Sache bleibt bei mir. Letztlich nicht schlecht, denn so kann ich das Inhaltliche nach meinem Gusto beeinflussen.

Doch bleibt mir dabei kaum Zeit, mit der eigentlich Arbeit an der Trilogie zu beginnen. Was aber auch wieder als Ausrede zu entlarven ist, denn ehe sich selbst bei kühnstem Optimismus kein sichtbarer Erfolg am Sherpas-Zählwerk abzeichnet … ist jeder konstruktive, kreative Handschlag an den drei Büchern vorauseilender Aktionismus ohne echten Sinn.

Irgendwie klingt das fast wie eine verspätete »Midlife Crisis«: wo andere mit dem Orient-Express fahren oder mit einem Schweizer Messer durch den Dschungel auf Borneo streifen, um es sich selbst noch einmal zu beweisen, willst Du ein 62.000-Euro-Buchprojekt auf die Beine stellen. Hast Du Dir das gut überlegt?

Mit Messer und Schlafsack nächtige ich seit 15 Jahren jedes Jahr vier Wochen unter dem Sternenhimmel im spanischem Abseits und schlage mich per pedes und mit dem Freund und Namensvetter Peter durch wirkliche Wildnis ... schrieb nebenbei einen Wälzer vom 1.024 Seiten über meine Kindheit und Jugend, fünf Andrax-,  zwei Hombre-Bücher, drei Dietrich-Bücher – nicht zu vergessen Thomas der Trommler.

Das fortgesetzte Musengeküsse (die mich, nicht umgekehrt … leider) ließ keinen Platz für irgendwelches Mittelleben-Theater.

Und in bester Kontinuität  soll nun noch ein größeres Werk entstehen. Sozusagen als dicker Schlusspunkt unter 45-jähriges Comic-Schaffen. Dieser Teil der Überlegung ist wohl der gründlichst durchdachte. Denn das ist geübtes Handwerk. Konzeption, inhaltliche Gestaltung, Mitarbeiter motivieren: Wer-übernimmt-was vom Comic-Kuchen, Redaktionelles. Sich der vertrauten Zusammenarbeit mit COMICON (Barcelona) sicher sein  … usw.

Der dazu nötige Geldberg ist ein ganz anderes Thema. Den bereit zu stellen, war in meinem Berufsleben immer eines anderen Verantwortlichkeit. Die des Verlegers zum Beispiel. Ich sorgte dafür, dass er gut Verkäufliches zum Druck bekam und er brachte es auf den Markt. In dieser Symbiose lagen die Ergänzung und der Erfolg.

Nun habe ich beide Parts sorgend zu verantworten und erkenne, wie stark dabei das »Prinzip Hoffnung« manchmal in Anspruch genommen werden muss. Eine Partnerschaft wäre mir lieber!

Nähern wir uns diesem interessanten Projekt zunächst inhaltlich. Das Magazin PRIMO wurde 1971, also vor genau 40 Jahren, lanciert und erschien bis 1974. Man muss also schon über 50 Jahre alt sein, um das Heft damals am Kiosk gekauft zu haben. Kannst Du kurz zusammenfassen, für was Deiner Meinung nach der Name steht?

Für das Publikations-Programm des Kauka-Verlages war das PRIMO-Magazin ein Novum. Ein paar Realistics geisterten zwar bereits vorher durch die Angebots-Palette (z.B. Winnetou von Walter Neugebauer), aber realistisch gezeichnete Serien als Schwerpunkt eines Magazins? Das war neu!

Grund: Schon damals begann sich die Leserverjüngung abzuzeichnen. Beim Flaggschiff Fix & Foxi sank das Lesealter im oberen Bereich von 14 auf 12 mit der absehbaren Tendenz zu 10 Jahren.

Um die Stammleser zu halten, setzte ich auf Abenteuer pur. Auch bei den Semyfunny-Serien wie Pichelsteiner (Rinaldi), Mischa (Berck) und Moustache (Mainou) war Spaß und Spannung Gebot!

In Fix & Foxi hatte ich mich bereits vorher mit dem Tramp als Dauergeschichten-Erzähler erprobt und jetzt konnte ich nach Herzenslust meinen Abenteuer-Neigungen frönen. Und Dank Rolf Kauka konnte ich mich entfalten: spannende Serien erfinden und produzieren, texten … im Magazin gut 'verkaufen' - Action-Alben und Pockets mit den gleichen Stoffen unter anderem Format starten. An Kapital war kein Mangel – ich musste nur zusehen, dass ich die richtigen Zeichner fand. Was aber auch kein Problem war, denn in Barcelona der späten 60er warteten die wahren Comic-Könner auf den Gongschlag zur ersten Produktionsrunde.

Außerdem hatte ich das Glück, dass die Macher der spanischen Comic-Zeitung TRINCA auf mich zukamen und mir Manos Kelly, El Cid (Palacios) Robinson (Arranz) etc. aus dem Fundus anboten. Ich brauchte nur zuzugreifen und konnte nun für mein Programm aus dem Vollen schöpfen.

Für was also steht Primo? Bei mir, beim Leser von einst? Bei heutigen Lesern?

Da ist inzwischen einiges zu Legende geworden, das damals aus Begeisterung am Stoff geboren und aus Freude an dem Zuspruch der Leser mit Engagement fortgesetzt wurde. Bis der Verkauf des Kauka-Verlages dem »Fortsetzung folgt« ein jähes Ende bereitete.

Wie werden die Helden von einst heute angenommen? Sehr freundschaftlich von denen, die alte Bekannte neu begrüßen und mit kritischer Neugier von nachgewachsenen Lesergenerationen, denen der Begriff »PRIMO« nicht unbedingt greifbar präsent ist. Ich weiß es von guten Reaktionen auf die Werkausgabe von Andrax (aus PRIMO) – ich kenne interessante Kommentare zu Hombre oder Dietrich von Bern (aus YPS). Für alle jedoch kamen diese Serien in »neuer« Aufmachung daher:  Von schlechter Färbung befreit  - im grafischen Strich des gezeichneten Originals!

Ich verspreche mir von der Titanen Trilogie, dass sie unter den Comic-Aficionados starken Zuspruch findet!

Drei dicke Bücher sollen es werden. Was hat es mit dem Wort »Titanen« im Titel auf sich? Was sprach dagegen ein einzelnes »Best of«- Buch zu machen?

Titanen? Der Comic lebt von der Überhöhung seiner Heroen und ich erlaubte mir die klingende Alliteration mit den beiden T's im Titel.

Die drei Bände ergänzen sich ja zu einem »Very-Best-Of-Primo« – genau das ist die Absicht! Und nur mit dem Volumen von rund 600 Seiten werde ich eigentlich auch der bestehenden Serienfülle gerecht … zumal meist nur albumlange, abgeschlossene Episoden den Schwerpunkt des Inhalts ausmachen sollen.

Welche Comics werden in der Trilogie abgedruckt?

Wenn es denn der Zählerstand bei MySherpas im November erlaubt, könnten all  diese Legenden aufleben: Manila, Odinson, Pichelsteiner, Billy Press, Moustache, Capitan Terror, Canada Crew, Kuma, Andrax (in einer Art Gastrolle), Schatzinsel, Tom Dooley … etc.

In welcher Portionierung, in welcher Verteilung, mit welchen zusätzlichen Überraschungen  … ich kann es hier noch nicht genau festlegen.

Da es so viele verschiedene Comics und Genres sind, ist es wichtig, diese sinnvoll auf die drei Bände zu verteilen. Viele interessieren sich nur für bestimmte Comics. Es gibt zum Beispiel Comicfans, die sich nur eine Zusammenstellung der Funny-Serie kaufen würden. Wie sind die Bände inhaltlich konzipiert?

Meine Einstellung dazu: In PRIMO standen Semifunnys und Realistics in bester Ko-Existenz nebeneinander. Eigentlich ein fairer Mix für alle Geschmacksrichtungen … den ich – in memoriam primo – auch für die drei Bände der Trilogie gern beibehalten möchte.

Aber ich verrate kein großes Geheimnis, wenn ich hier sage: sollte die Titanen Trilogie nach gemeinsamen Anschub vieler das Licht des Marktes erblicken, stehen Werkausgaben der beliebtesten Serien auf dem Programm. Also zum Beispiel: Die Pichelsteiner … oder: Capitan Terror!

Kaukas Schubladen waren sicher tief und voll. Sind ausschließlich Nachdrucke vorgesehen oder wird es auch bislang unveröffentlichtes Material geben?

Mir fehlt eine nie publizierte Albumstory von Capitan Terror. Wir fahnden danach.

Ich bemühe mich auch um eine Mittelteil-Gestaltung in jedem Band mit  wechselnden Serien-Episoden von El Cid, Manos Kelly und eventuell einer weiteren Palacios-Serie. Unveröffentlichtes  Material steht prinzipiell auf der Suchliste. Doch all das sind erst einmal Zusatz-Wünsche zum ohnehin opulenten Inhalt.

Es sind Sekundärbeiträge vorgesehen. Was gibt es dazu zu sagen?

Noch nicht arg viel! Fest steht, dass ich Wolfgang J. Fuchs (Prinz Eisenherz-Übersetzer) bereits für drei Editorials gewinnen konnte. Thema? Wir würfeln noch!

Ein »Who's Who« des Kauka-Verlages zur PRIMO-Zeit ist fest eingeplant: Zeichner, Redakteure, Atelier-Damen bekommen ihr Denkmal und Rolf Kauka ein ganz spezielles dazu.

Ich möchte zur den großen Themen Seriengeschichten und Historisches bringen. Ähnlich wie im Trommler oder bei Dietrich.

Soweit die Vorschau – in drei Monaten wissen wir alle mehr!

Welchen Verlagen hast Du das Projekt angeboten bis Du zur Erkenntnis gelangt bist, dass Du es in Alleinregie durchziehen musst?

Zum Beispiel Ehapa auf der einen und Taschen, Piper auf der anderen Seite. Dazwischen liegen einige, auf die ich immer noch leise hoffe … wenn ich mit einer Mitgift erneut an die Türe klopfe.

Zu den bekanntesten Serien gehören Capitan Terror, Die Pichelsteiner, Mischa oder Kuma, Manila und Odinson. Jordi Bernets Andrax, der eines der Zugpferde hätte sein können, fällt weg, da er bereits als fünfbändige Ausgabe bei Cross Cult veröffentlicht wurde.

Eine wie auch immer geartete Gastrolle muss und wird Andrax durchaus spielen. Dem Very-Best-Of-Primo-Anspruch würde ich sonst nicht ganz gerecht.

Meinst Du, dass der Zahn der Zeit nicht zusätzlich an diesen alten Comics genagt hat?

Ganz schlicht gesagt: Nein!

Wir müssen uns hier ja nicht in der Aufzählung »alter« Comics verlieren, die mit Entdeckerfreuden wiederbegrüßt wurden. Sie werden ja nicht als »moderne« Comics gelesen, sondern bewusst als Zeitzeugen einer anderen Epoche gewertet.

Oder direkt gefragt: Es hat sicherlich einen gewissen Reiz, aber wieso sollten Comics wie Manila oder Billy Press, die nicht mal in PRIMO abgedruckt wurden, deren Verschwinden damals keiner bedauert und nach denen in den letzten 30 Jahren keiner gefragt hat, jetzt so interessant sein, dass man sehr viel Geld dafür ausgibt?

Der Sponsor/Subskribent/Käufer investiert natürlich weder explizit in Manila oder  Billy Press, sondern in das Gesamtwerk Titanen Trilogie. Und wer sagt denn, dass diese Serien nicht sogar etwas für den heutigen Geschmack bieten?

Romero (= Manila) zum Beispiel ist ein wahrer Meister im Aufbau eines filmischen Handlungsablaufs und des Herausarbeitens beeindruckender  Schwarzweiß-Kontraste. Seine Bildkompositionen machen Farbe überflüssig.

Sie sind sehenswert! Also: warum darauf verzichten?

Ja, das ist natürlich auch ein Aspekt. Ich persönlich freue mich auch auf mir unbekannte Serien.

Welche von den vielen Serien, die in der »PRIMO-Titanen-Trilogie« zum Abdruck kommen sollen, liegt dir besonders am Herzen und warum?

Die Schatzinsel! … wäre die spontane Antwort. Des klassischen – zeitlosen – Stoffes und ihres Illustrations-Styles wegen. Aber sie ist ein One-Shot und keine Serie.

Ich bleibe aber auf dem Wasser und lassen El Capitan … Capitan Terror in See stechen. Der Stoff gefiel mir und die einfach großartigen Möglichkeiten, vor der wilden Karibik-Kulisse Piraten-Abenteuer in Szene zu setzen.

Liegt es am möglichen Erbe? Störtebekers Quartiermeister hieß immerhin Wichmann? Nee – ich bekomme schon Schlagseite, wenn ich nur an einem Mast hochschaue und Reisen an Deck überstehe ich stumm und rücklings liegend oder opfernd an der Reling …

Was also ist des Autors liebste Serie? Ich für mich definiere jede Serie, die über Stoff-Fundus, optischem Ausstattungsreichtum verfügt und dem Austoben des Zwischenmenschlichen Raum gibt … als gute Serie. Aus der Perspektive des Machens/Gestaltens gesehen.

Western ist so eine Abenteuer-Bonanza.  Ritterzeit/Mittelalter rechne ich unbedingt dazu. Lesend und schauend nachzuempfinden bei Hombre oder bei Dietrich ...

Crowdfunding-Plattformen gibt es viele. mySherpas ist noch sehr jung. Seit dem Start der Plattform im September 2010 wurden bis zum Sommer rund 20 Projekte erfolgreich umgesetzt und mehr als 70.000 Euro gesammelt. Dein Projekt soll eine fast so hohe Summe in der Rekordzeit von drei Monaten einspielen. Ist das nicht etwas unrealistisch?

Zugspitzig angesiedelt bestimmt – aber unrealistisch? Schließlich ist das Gipfelkreuz bereits erreicht, wenn nur 415 Mitmenschen das Werk im Schuber fördernd subskribieren.

Im freien Verkauf wären weitaus mehr Käufer vonnöten. Du kennst Dich in Verlagskalkulationen aus?

Ich beziehe das auf die hohe Summe und die kurze Zeit von 90 Tagen in Kombination mit den speziellen Inhalten. Damit wird weder die Qualität des Inhalts noch der für die Umsetzung nötige Betrag in Frage gestellt.

Der Betrag von 62.000 Euro wird von Leuten, die Comics machen, als leicht überhöht bewertet. Allerdings herrschen für diese Art von Produktion besondere Umstände, da die Druckvorlange nicht digital vorliegen. Letztlich soll auch jeder Beteiligte, der gute Arbeit abliefert, angemessen entlohnt werden.

Du siehst das absolut richtig!

Aber ich empfehle allen Interessierten einen Blick auf meine Kostendarlegungen auf der Projekt-Seite der Titanen-Trilogie. Dann wird einiges nachvollziehbar: MYSHERPAS-ÜBERSICHT

Wie tragisch wäre es, wenn zu wenig Sherpas nicht genügend Geld beitragen? Was passiert, wenn beispielsweise »nur« 40.000 Euro zusammenkommen, was jedoch schon ein beachtlicher Erfolg wäre. Nach den geltenden Regeln kommt das Projekt dann nicht zustande.

Ein großer Erfolg sogar! Da bin ich nun einhellig einer Meinung mit Dir und ich nehme diesen Denkanstoß gern auf. Vielleicht lässt er sich konstruktiv auf das Ziel »Rettungsanker schmieden!« ausrichten?!

Der Markt anno 2011 ist mit nostalgischen Sammlereditionen klassischer Comics geradezu überladen. Von beliebter »Massenware« wie Buck Danny, Jerry Spring oder Natascha bis zu speziellen, aufwändig produzierten Liebhaber-Editionen wie Dan Dare Raumschiffpilot oder The Spirit Archive.

Und Anti-Massenware wie Andrax und Hombre (Lizenz in Italien, Frankreich, Norwegen, Griechenland, Deutschland verkauft) und Dietrich von Bern und Thomas der Trommler.

Ja – Nostalgisches findet Liebhaber. Willst Du mir das damit sagen?

Ja, deine Serien natürlich auch. Ich meine, dass der Markt ziemlich satt, die Lager voll und die Konkurrenz groß ist. Da käme alleine für 2010 und 2011 eine lange Liste zusammen. Die Macher der sehr speziellen Sachen wären froh, wenn sich diese Spezialtitel 1000 Mal verkaufen würden. Tun sie aber nicht.

Vielleicht nicht auf Anhieb! Aber wenn mit dem ersten Anlauf der Break-Even geschafft wird, kann der Abverkauf auf Zeit gelingen. Da gibt es einige Verlage, denen letztlich nicht allzu viele Ladenhüter bleiben. Das wünsche ich ihnen zumindest!

Realistisch eingeschätzt könnte man für Dein Projekt in den ersten drei Verkaufsmonaten 400 bis 500 bezahlende Käufer finden. Allerdings dürften diese bereits als zahlungskräftige Sherpas an Bord sein, also müsste man das zusätzlich berücksichtigen.

Dann wäre ich ja Dank MySherpas – mathematisch-realistisch – in einer komfortablen Situation: Die Kosten sind gedeckt (siehe mein vorausgegangenes Rechenexempel) und jedes weitere Exemplar legt den Kapital-Grundstein für neue Liebhaberausgaben. Zum Beispiel Werkausgaben von Capitan Terror oder den Pichelsteinern … oder … oder!

Du merkst, ich nehme den von Dir gern genutzten Begriff »realistisch« nicht für bare Münze. Er impliziert in dieser Anwendung »Wissen«. Und das enthebt mich dann eigentlich logischerweise jeder Antwort  - es sei denn, ich ginge streitbar auf Verbal-Scharmützel ein.

Du hast natürlich Recht. Ich bin kein Hellseher, sondern versuche eine meiner Meinung nach nüchterne Einschätzung dieses ambitionierten Projekts. Ich hoffe, dass ich falsch liege mit einer Prognose, denn wenn das wirklich klappen sollte, wäre das absolut richtungsweisend und geradezu ein Wunder.

Ich glaube in diesem speziellen Fall von zufälligen Konstellationen weder an ein Wunder noch an Prognosen.

Ich habe mich mit der Finanzierungsmöglichkeit durch engagierte Sponsoren zu einem Experiment  bereit erklärt, das meinem Naturell eigentlich nicht entspricht.

Ich nutzte diese MySherpas-Chance trotzdem, weil letztlich niemandem Verlust entsteht, denn die Einlagen der Förderer  werden – bei einem  Scheitern des Projekts – garantiert zurück erstattet. Und außerdem steht meinem Nehmen im Kern dieser Comic-Kollekte ein Geben der Bücher gegenüber, um die es ja schließlich geht. Es wird also nichts in eine Fass ohne Boden versenkt - auf Nimmerwiedersehen und ohne jeden Gegenwert.

Als Druckauflage wurden bereits 2000 Exemplare kolportiert. Welche Auflage soll die »PRIMO-Titanen-Trilogie« nach Deinen Berechnungen haben?

Keine Kolportage: Da diese Auflagenhöhe von mir in die Welt gesetzt wurde, kann sie auch gleich als Antwort dienen.

Vielen Dank, Peter, für die ehrlichen Antworten. Der COMIC REPORT wird Dein Projekt mit Spannung verfolgen. Ich drücke Dir die Daumen, dass das ein gutes Ende nehmen wird.

Danke, Matthias!  Das gute Ende ist in jedem Fall programmiert: Wird das schier Unmögliche möglich, haben viele Freunde des spannenden Projekts Freude am Resultat. Dafür will und werde ich gern sorgen!

Muss der Mammon-Marathon mangels angesammelter Masse weit vor der Zielgeraden abgebrochen werden, muss ich meinen Quantum Gesichtsverlust verbuchen … aber das sorgt ja wiederum für Gesprächsstoff.

Abbildungen/Fotos © Peter Wiechmann
PRIMO-Coverscans © Kaukapedia


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Weiterführende Links:

Projektseite bei mySherpas: PRIMO-Titanen-Trilogie
Homepage von Peter Wiechmann: Peter Wiechmanns Schatztruhe