Don Rosa: »Ich bekomme immer noch Gänsehaut«

Veröffentlicht: Donnerstag, 10. August 2017

Don Rosa teaser

In der Edition Lammerhuber ist soeben der großformatige Fotobildband I still get chills über Comic-Legende Don Rosa erschienen. CRON hat mit Autor Alex Jakubowski über die Entstehungsgeschichte und die Besonderheiten des opulenten Buches gesprochen.

»Einer der berühmtesten Menschen aus Kentucky,germany48usa48
von dem sie garantiert noch nie gehört haben.«

Alex, nach gut zwei Jahren Vorbereitung liegt nun endlich deine Don-Rosa-Fotobiographie vor. Wie findest du das Endergebnis? Hast du dir das so vorgestellt?

Don Rosa: I still get chillsEhrlich gesagt bin ich rund herum zufrieden. Als das Buch endlich vor mir lag, war ich einigermaßen geflasht, und das, obwohl ich ja alle Bestandteile vorher kannte. Ich habe den Text geschrieben, hatte alle Fotos von Lois Lammerhuber im Kopf und war natürlich beim Layout dabei. Aber dennoch ist das Gesamtergebnis dann doch noch einmal ganz anders, als man sich das am Computer vorstellen kann. Das Buch lebt neben den Inhalten und den vielen kleinen Details und Spielereien eben auch von seiner Haptik. Es liegt schwer in der Hand, wirkt edel mit seinem Schutzumschlag, dem Prägedruck auf dem Leineneinband. Und dann haben wir uns ja auch noch viele kleine Sachen einfallen lassen, die man beim Anschauen und Lesen erst bemerkt, die aber zeigen, wie viel Liebe in diesem Buch steckt. Und dann gibt es ja noch Dons handschriftliche Anmerkungen und die fantastischen Fotos von Lois. Kurzum: Ich bin absolut begeistert.

Alex Jakubowski (links) und Don Rosa

Was hat dich an Don Rosa als Künstler und als Mensch interessiert?

Ich muss zugeben, dass ich bis vor kurzem nur ganz wenige Geschichten von Don Rosa kannte. Seine Geschichten sind in Deutschland erschienen, in einer Zeit, in der ich gerade andere Comics gelesen habe. Aber natürlich habe ich mich dann intensiv mit seinem Werk und seiner Geschichte auseinandergesetzt und habe die Don Rosa-Collection gelesen, für die er selbst ja eine Art Biografie geschrieben hat. Und die hat mich natürlich fasziniert. Denn so abrupt und zufällig er mehr oder weniger zum Zeichner der Entengeschichten wurde, so schlagartig hat er auch aufgehört, die Fans mit neuen Geschichten zu begeistern.

Don ist ein Mann vieler Extreme, ein Mensch des »Einerseits – Andererseits«. Ein paar Beispiele: Unter der Woche lebt er als Vegetarier, am Wochenende isst er Fleisch. Gerne auch richtig große Portionen. Er liebt Filme, Musik und Comics – aber eigentlich nur aus einer ganz bestimmten Phase. Und dann hat er natürlich seine vielen, vielen Interessen und Sammlungen, die ich unbedingt einmal selbst sehen wollte. Seine Comics, seine Flipper, seine White-Castle-Devotionalien, und und und.

Und so liebenswürdig er sein kann, so zurückhaltend ist er oft genug auch. Und da hat mich schon interessiert, was hinter diesem Mann so steckt, der ganz vielen von uns Comicfans jeden Tag so eine große Freude bereitet. Ich wollte deshalb auch keine Biografie schreiben. Sondern wir wollten zeigen, wo Don herkommt und wie er jetzt lebt. Uns war klar, dass das eher ein Reportage-Buch werden würde, als eine Biografie.

Wie hast du ihn kennengelernt?

Zum ersten Mal habe ich ihn 2014 persönlich kennen gelernt, als ich in meinem Beruf als Fernsehjournalist anlässlich der Frankfurter Buchmesse einen Beitrag für die Tagesschau über ihn gemacht habe. Da war ich gerade mitten in der Produktion meines Buches Die Kunst des Comic-Sammelns und war kurz zuvor bei einem gemeinsamen Bekannten gewesen, Fürst von Sayn-Wittgenstein. Für das Interview hatte ich eine Stunde Zeit, wir haben natürlich die lange Signierschlange gezeigt und einen kleinen Beitrag über Don produziert. Als wir dann ein halbes Jahr später auf dem Comicfest in München unser Buch vorgestellt haben, war Don als Ehrengast auch dort. Dort habe ich ihm ein Buch geschenkt. Leider konnte er das nicht lesen, denn es ist nur auf Deutsch erschienen.

Die Idee, ein Buch über ihn zu machen, kam dann relativ spontan. Lois Lammerhuber fragte mich, was ich mir denn als nächstes Projekt vorstellen könnte – und schon war es passiert. Ein paar Monate später haben wir uns in Wien gemeinsam getroffen, beim Abendessen die groben ersten Grundlagen besprochen, und so nahm unser kleines Abenteuer seinen Lauf.

Don Rosa sichtet seine Skripte

Ein Clou des Buches ist, dass Don viele Fotos kommentiert und zwar in seiner Handschrift. Wie kam es dazu?

Mein Verleger und Fotograf Lois Lammerhuber hatte diese Idee. Ehrlich gesagt war sie mir am Anfang etwas suspekt, denn ich hatte zu großen Respekt vor den Fotos, die er macht und wollte irgendwie nicht zulassen, dass direkt auf den Fotos etwas geschrieben steht. Aber Lois meinte gleich, es wäre doch toll, wenn Don »interveniere«, und der war dann auch gleich begeistert von der Idee.

Handschriftliche Kommentare zu den Fotos von Don Rosa

Allerdings mussten wir dann etwas mit der Logistik kämpfen. Denn ursprünglich war geplant, dass Don im März beim Layout in Österreich dabei sein sollte, aber er konnte leider nicht nach Europa fliegen. Und so habe ich eine Woche lang mit Lois und seiner Mannschaft in Baden bei Wien sechs Stunden täglich am Computer gesessen, bevor wir dann weitere sechs Stunden lang Don per Skype dazu geholt haben. Er konnte auf seinem Rechner in Kentucky sowohl das sehen, was unser Graphiker Martin dort für uns gezaubert hat. Wir wiederum haben alle Anmerkungen von Don sofort umsetzen können. Don hat dann später seine Anmerkungen aufgeschrieben, eingescannt und rüber gemailt, und Martin hat die Schriften dann an die passenden Stellen gesetzt.

Don Rosa ist per Skype beim Produktionsprozess zugeschaltet

Auf den Fotos wirkt Don Rosa immer ziemlich entspannt, während einige seiner schriftlichen Anmerkungen etwas … akribisch anmuten. [grinst] Er scheint ja ein Mensch mit ganz genauen Vorstellungen zu sein. Wie war er denn während eures Besuchs so drauf?

Es ist ganz erstaunlich gewesen, denn als wir bei ihm waren, war es in der Tat ziemlich entspannt. Wir waren einfach da, hatten überhaupt nicht das Gefühl zu stören und haben einfach mitgemacht, was Don so vorhatte. Wenn es Momente gab, in denen Don nicht völlig entspannt war, dann während unserer Gespräche, in denen es um sein Verhältnis zu den Verlagen und dem Ende seiner Karriere ging. Darüber spricht er ungern, hat sich aber dennoch unheimlich viel Zeit dafür genommen.

Rückblickend kann ich sagen, dass es wirklich ein total schöner Besuch bei ihm war, der ihm offenbar auch viel Spaß gemacht hat und der ihn an Orte geführt hat, an denen er selbst schon lange nicht mehr war. Etwa seine Schule oder sein erstes Appartement.

Haben Don Rosa und seine Frau Ann eigentlich eine Haushaltshilfe? Die Ausmaße des Hauses sind ja riesig, und die zahllosen Sammlungen sollen doch keinen Staub ansetzen?

Ich habe zumindest keine Haushaltshilfe gesehen, glaube auch nicht, dass die beiden eine haben. Es sagt ja selbst, dass es wahnsinnig viel zu tun gibt – nicht nur im Garten. Wie er das alles in Schuss hält? Ehrlich gesagt: keine Ahnung. ;-)

Wer wollte, konnte Euer Buch im Vorfeld finanziell unterstützen. Dafür hat Don den Namen des Förderers handschriftlich ins Buch geschrieben und das Exemplar auch signiert. Habt Ihr dafür die ganzen Bücher nach Kentucky geschickt?

(lacht) Das wäre ein ziemlich großes Paket geworden, so knapp eine halbe Tonne schwer. Wir haben in der Tat überlegt, wie wir das am besten machen. Die Namen der Förderer sind ja in Dons Handschrift in der gesamten Auflage in der Reihenfolge der Bestellung abgedruckt. Aber die Signatur ist natürlich nicht gedruckt, sondern wirklich per Hand einzeln in jedes Buch geschrieben. Und dafür hat der Verlag die Druckbögen der entsprechenden Seite per Kurier nach Louisville geschickt, Don hat diese dann signiert und wieder zurück geschickt. Für die Zeit des Postversands hat die Druckerei den Druck unterbrochen, anschließend ging es dann weiter und die Bücher wurden gebunden.

Hast du einen Eindruck davon bekommen, wie groß Don Rosas Ruhm in den USA eigentlich ist? In Europa ist er ja noch viel populärer.

Er sagt ja selbst, dass man ihn nicht kennt. Wir erzählen in dem Buch ein paar Episoden, die deutlich machen, dass er in Louisville selbst etwa nicht bekannt ist. Wenn man dort in Comicläden geht, findet man nur mit Mühe Comics, die nichts mit Superhelden zu tun haben. Am ehesten vielleicht noch Graphic Novels. Aber Entengeschichten, und dann noch von Don, da wird es schwierig. Nicht von ungefähr hat ein Journalist dort im vergangenen Jahr einen Artikel geschrieben, der ungefähr so betitelt worden war: Einer der berühmtesten Menschen aus Kentucky, von dem sie garantiert noch nie gehört haben.

Don Rosa bei seiner Lieblingslektüre

Wie hat Don eigentlich auf das Buch reagiert?

Er ist selbst ganz begeistert. Da er am Produktionsprozess eng beteiligt war, kannte er zumindest den Inhalt ja schon eine Weile. Aber ihm ging es vermutlich wie mir selbst. Als er das Buch in der Hand hatte, war das nochmal etwas ganz Anderes. Und das war dann für Lois und mich natürlich auch wunderbar zu sehen, dass der Künstler, über den wir ein Buch gemacht haben, dieses auch sehr, sehr gerne selbst in die Hand nimmt und damit zufrieden ist.

Hast du schon Ideen für ein weiteres Buch im Kopf? Vielleicht wieder zusammen mit Lois Lammerhuber?

Natürlich gibt es schon weitere Ideen im Kopf, aber nichts davon ist spruchreif. Erst einmal kümmere ich mich um den redaktionellen Teil der vierbändigen Gesamtausgabe von Karl - der Spätlesereiter, die bei Finix erscheint. Alles weitere wird man sehen. Aber sehr gerne würde ich wieder mit Lois gemeinsam ein Buch machen – das ist auf jeden Fall klar.

Das Interview führte Volker Hamann

Fotos © Edition Lammerhuber


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