Comic-Preiskatalog 2020 - Interview mit dem Verleger

Veröffentlicht: Dienstag, 30. Juni 2020

Comic Preiskatalog 2020

Vor fünf Jahren erschien der erste Comic-Preiskatalog unter der Ägide des Münchner Comichändlers Stefan Riedl. Seit ein paar Jahren wird er tatkräftig redaktionell unterstützt von Maximilian Moj. Man hat sich nicht nur der enormen Herausforderung gestellt, die solch ein Mammutprojekt mit sich bringt, sondern feilt stets am Konzept. Kern der Korrekturen für den 2020er-Katalog ist das Thema »Beilagen«, welches laut den beiden Machern für viele Sammler der Generation Babyboomer, diejenigen, die insbesondere Comics der 1960er- bis 1980er-Jahre sammeln, immer wichtiger werde.

CRON befragte den »Herrn der Comicpreise«, der nebenbei noch ein Sekundärwerk zum Werbecomic Max & Luzie veröffentlichte, zum Stand der Dinge.


CRON fragt. Stefan Riedl antwortetcr ICON-Fragen
Der Verleger im Interview

 

Kaum zu glauben, aber wahr: Kürzlich ist bereits der fünfte Comic-Preiskatalog unter Deiner Ägide erschienen. Wer hätte das gedacht? Du etwa? [lacht]

Aber klar! Der Plan war: mindestens zehn Jahre. Die Hälfte haben wir schon mal.

Mal schauen, wie viele wir noch dranhängen. Am sechsten Katalog wir schon fleißig gebastelt. Und auch im Herbst kommt der neue Roman-/Musikmagazin-Katalog zum ersten Mal von uns. Dieses Jahr ist also noch mehr Stress als sonst angesagt.

Mit Max hab ich den besten Mann zur Seite. Er kümmert sich um fast alles in Bezug auf die Kataloge.

 

Im Ernst: Meine erste Frage zeigt, dass ich zu wissen glaube, dass fünf Jahre pünktlich ein Nachschlagewerk wie den Comic-Preiskatalog zu machen eine enorme Leistung ist. Jede Ausgabe ist eine immense Herausforderung, aber das fünf Jahre hintereinander und auch noch pünktlich? Respekt! Wie sieht Deine Bilanz aus nach dieser halben Dekade?

Naja, die 40 Jahre vor uns haben das auch verschieden Leute und Verlage geschafft. Wenn auch nicht mit so vielen Neuerungen wie wir. Natürlich war der Erste nach der Übernahme wohl am schwersten zu bearbeiten. Sowohl die Arbeit und Änderungen an sich. Und natürlich die Erwartungen der Leser.

Und die Reaktion sind super ausgefallen. Viele Lobesmails und Briefe. Natürlich auch für die Kataloge danach. Danke dafür, an alle denen er gefällt und die ihn regelmäßig kaufen.

Du fragst nach der Bilanz? Hmmm, es macht weiterhin Spaß und deshalb machen wir weiter..

Comic-Preiskatalog 2020 Titelbild Softcover

Die Softcover-Ausgabe mit Clever-&-Smart-Cover

 

Dadurch das die Daten digital vorliegen und die Produktionsprozesse einfacher und billiger geworden sind, hat man es im Vergleich zu den Hethke-Zeiten wesentlich einfacher. Dennoch: Was sind die größten Probleme und Herausforderungen jedes Jahr?

In den guten alten Hethke-Zeiten dürfte es auch schon Programme gegeben haben mit denen man den Katalog gebastelt hat. Aber es stimmt schon, dass einige Arbeitsschritte vereinfacht wurden. Dadurch können wir uns mehr auf den Inhalt konzentrieren. Durch Einsparungen gegenüber früher können wir auch den Verkaufspreis halten, obwohl die Druckkosten jedes Jahr steigen.

Probleme gibt es nicht wirklich. Natürlich ist die Arbeit mit vielen Zulieferern der Infos nicht einfach. Es melden sich doch sehr viele Leser mit Hinweisen auf fehlende Comics oder Nummern, die wir übersehen haben. Das muss alles geprüft und gegebenenfalls besichtigt werden. Was bei einem 700-Seiten-Wälzer durchaus zur Herausforderung werden kann.

 

Ist in Zukunft eine digitale Version geplant, wie es z.B. vom Overstreet-Katalog in den USA seit Jahren eine gibt, mit Suchfunktion, etc. Oder eine Online-Version?

Geplant ist einiges, spruchreif noch nichts. Mal schauen, was das Jahr bringt.

 

Dir ist sicher nicht verborgen geblieben, dass die Spezies des »gemeinen Comicsammlers« langsam aber sicher weniger wird und in ein paar Jahren vor dem Aussterben bedroht sein wird. Wie hat sich die Auflage des Preiskatalogs entwickelt?

Ich selbst nun seit 1984 dabei. Seitdem hat sich der Markt, was die reinen Sammler angeht, vielleicht verkleinert. Aber ich denke auch, dass die Zahl der reinen Leser sogar größer geworden ist. Das bekommt man im Sammelbereich gar nicht so mit. Ich beobachte das bei z.B. Comiccons. Leute, die meine Kisten durchblättern und vielleicht von einer Comicserie, von der es einige hundert Nummern gibt. Nach zwei Stunden Schauen nehmen sie eines mit, von dem ihnen das Cover gefällt oder eine bestimmte Geschichte. Das sind ja zum Teil die Sammler der Zukunft.

Die Auflage des Katalogs ist, seitdem wir ihn machen, konstant geblieben. Das Interesse an der Hardcover-Ausgabe ist sogar gestiegen.

Comic-Preiskatalog 2020 Titelbild Hardcover

Die Hardcover-Ausgabe mit Carnera-Cover

 

Stimmt, Du machst immer noch eine Hardcover- und eine Softcoverversion und anfangs gab es sogar eine signierte Ausgabe. Wieso ist das heutzutage, wo immer mehr Medien auf digital umsteigen, nicht redundant?

Wie schon gesagt: Der Hardcover ist ein beliebtes Sammelobjekt. Es gibt auch einige Käufer, die beide nehmen. Einen fürs Regal, einen zum Benutzen. Die signierte Version war eine Idee, die wir einfach mal ausprobieren wollten. Eben durch die relativ günstigen Druckkosten eines Extracovers war es den Versuch wert. Vielleicht gibt‘s nochmal ein Gimmick zur 50. Ausgabe.

Bücher werden immer noch gekauft, obwohl man mit dem Kindle überall und ohne Ende für fast nichts lesen kann. Ich habe auch lieber ein Buch oder Comic in der Hand als ewig auf einen Bildschirm zu starren. Das mache ich schon den ganzen Tag im Büro. Das reicht dann auch. Und am Strand ist das eh uncool.

 

Wie beurteilst Du als Experte die aktuelle Lage auf dem Comic-Sammlermarkt? Gibt es irgendwelche Besonderheiten und Trends?

Naja, Experte ist vielleicht übertrieben. Ich bekomme auch nur den kleinen Teil meines Geschäfts mit. Und was man eben so hört. Zu diesen Thema würde ich die Marktberichte der Händler und Sammler im Preiskatalog empfehlen. Dort schreiben mit die wichtigsten Leute im deutschsprachigen Comicbusiness.

Max & Luzie Titelbild

Ende 2019 hat Du ein Sekundärwerk zum Werbecomic Max und Luzie herausgebracht. Ein wirklich schön gemachtes und imposantes Buch. Wie kam es dazu?

Danke! Siegmund hat mich auf der Kölner Comicmesse gefragt, ob ich Interesse hätte, das Buch zu machen. Ich fand es interessant, also haben wir es umgesetzt. Leider sind die verkaufszahlen nicht wie gehofft. Aber zumindest die Presse hat durchweg positiv darüber geschrieben.

 

Sind weitere Bücher dieser Art geplant?

Ich bin auch weiterhin daran interessiert, schöne Projekte umzusetzen. Wer also etwas plant kann sich gerne melden.

Die Fragen stellte Matthias Hofmann

Abbildungen © Stefan Riedl/Franz Gerg


Die nackten Fakten

1. Allgemeiner Deutscher Comic Preiskatalog 2020
Hrsg. Stefan Riedl
Stefan Riedl Verlag
684 Seiten in Farbe
34,90 Euro (SC) / 39,90 Euro (HC)
ISBN 978-3-9478000-1-8

Max & Luzie - Ein Comic macht Geschichte
Hrsg. Siegmund Riedel
Stefan Riedl Verlag
250 Seiten in Farbe, Großformat, Auflage: 300 Exemplare
29,90 Euro
ISBN 978-3-9478000-00-1


Weiterführender Link:

Homepage des Verlags: Deutscher Comic-Preiskatalog