U-Comix Nr. 184 – Interview mit Steff Murschetz

Veröffentlicht: Montag, 26. August 2013

U-Comix 184 (Ausschnitt)

Am 28. August 2013 erscheint bereits die dritte Ausgabe von U-Comix in der neuen Inkarnation aus dem Hause Undergroundcomix. Die sichtbarste Änderung ist die Rückkehr zum doppelt so großen Magazinformat.

Im Interview mit CRON erzählt Chefredakteur Steff Murschetz über die Beweggründe, die bisherige Resonanz und warum der Preis nicht angehoben wird.


CRON fragt. Steff Murschetz antwortet.cr ICON-Fragen
Der Chefredakeur im Interview.

Steff MurschetzDas dritte neue U-Comix liegt vor. Die wichtigste Änderung ist das neue Format. Wie kam es dazu?

Die ersten beiden Ausgaben des neuen U-Comix entstanden ja gleichzeitig, um die Terminplanung mit dem Gratis-Comic-Tag und ca. 14 Tage später dem Comicfestival München mit Schwerpunkt Underground zu halten. Beide Hefte sollten zueinander passen, der Inhalt untereinander auswechselbar sein.  So kam nur das für den Gratis-Comic-Tag vorgegebene 17 x 24 cm Format in Frage.
Das ähnelt zudem sehr dem klassischen Ami-Undergroundformat von 17,5 x 25,5 cm. Sicher war dies auch ein Grund, warum die neuen U-Comix-Hefte bei den amerikanischen Gästen des Comicfestivals, ins besonders Gilbert Shelton und Denis Kitchen so gut ankamen.

Ab der Nr. 184 passen wir uns nun den Gegebenheiten des Bahnhofsbuchhandels an. Das kleinere Format würde in den vollgepackten Zeitschriftenregalen des Handels leicht von anderen Magazinen überdeckt. Deshalb gibt es zum größeren Format auch optische Signalleisten an der rechten Seite des Titelbilds und oben.

Endlich kommen die Kniffe zum Tragen, die ich einst von Dr. Hans Baumann und dem Fips gelernt habe - Und die sind mit ihren Heften für Motorradfahrer und Tätowierte längst zu Millionären geworden.
Weil ein A4-Magazin mit 48 Seiten sich zu dünn anfühlt, haben wir auch 16 zusätzliche Inhaltsseiten eingefügt. Ich denke, für den Leser ist DAS die wichtigste Änderung: mehr Comix!

U-Comic Nr. 184 (Titelbild)

Stimmt, jetzt wo Du’s sagst … Aber nur lächerliche fünf Euro für so ein Magazin? Jeder andere hätte den Preis ebenfalls angehoben. Wieso habt ihr das nicht gemacht?

Wir haben keine Dollarzeichen in den Augen. Unser Ziel ist es, die eigenen Comics und die unserer gleichgesinnten Kollegen einem breiten Publikum nahe zu bringen und ein richtig schönes Comicmagazin zu verlegen.

Nach der Partisanen-Regel: »Die Schwächen zu Stärken machen!«, sehe ich in unserer romantischen Liebhaberei den größten Vorteil gegenüber gewinnorientierten Verlagen. Was wir machen, können die sich kaum leisten.

U-Comic Nr. 184: Madduckx

Matthias Kringe: Madduckx - Wirre Fantasien

Wie ist die inhaltliche Entwicklung aus deiner Sicht zu beurteilen von Heft Nr. 182 bis zur Nr. 184? 

Wir haben uns nun warmgelaufen und immer mehr gleichgesinnte Zeichner stoßen zu uns. Andere, die stilistisch oder von der Einstellung nicht passen, oder sich als unzuverlässig erwiesen haben, verlassen uns.

Ich habe ein Briefing vorbereitet, das Zeichner darauf einstimmt, welche Beiträge wir uns wünschen und ihnen Tricks an die Hand gegeben, wie z.B. das drei Kapitel auf vier Seiten Schema, das ich in Anlehnung an frühe britische Magazincomics entwickelt habe. Wir schwören ja auf Vierseiter. Dann ist mit der aktuellen Ausgabe auch der preisgekrönte russische Comiczeichner Konstantin Komardin zu uns gestoßen. Der ist einfach der »Hit«!

Mit Chris Bango ist nun auch ein Lektor und Übersetzer zu uns gestoßen. Thorsten Wieser macht das Textlayout, das ich vormals mit Photoshop machte, nun mit einem speziellen Programm. Dadurch, und dass viel zeitraubende Aufbauarbeit hinter uns liegt, bleibt nun auch einfach mehr Zeit und Energie für den Inhalt. Der ist diesmal bedeutend schlüpfriger ausgefallen und es gibt mehr zu lachen. Viel mehr!

Science-Fiction und Action-Comics sind aber auch wieder dabei und von dieser Mischung werden wir auch in Zukunft nicht ablassen. Ich bin sehr zufrieden mit der aktuellen Ausgabe von U-Comix!

Wie bist du mit der Resonanz auf die ersten beiden Ausgaben zufrieden? 

Sehr! Mir wurde ja im Vorfeld vom größten Comicvertrieb prophezeit, dass sich niemand mehr für den Titel U-Comix interessieren würde. Das kann ich so nicht bestätigen. Von den insgesamt 10.000 Gratis-Comic-Tag-Heften habe ich selbst kein einziges mehr.

Die erste reguläre Ausgabe hat sich in München so gut verkauft, dass ich fürchte, wir waren die Einzigen, die das alte Rathaus mit vollen Taschen und breitem Grinsen verlassen haben. Gerhard Seyfried, Gilbert Shelton und Denis Kitchen lobten das Heft, was ich wie einen Ritterschlag empfand. Ebenso Michael Hau, der Bildermicky, ehemaliger Herausgeber des deutschen Undergroundheftes Menschenblut.

Solches Lob bedeutet mir mehr, als das Genöle selbsternannter Kritiker. Alle Leser in München hatten ermutigende Worte für uns, außer einem, der wollte das alte U-Comix zurück. Ich habe ihn an eBay verwiesen.

U-Comic Nr. 184: Konstantin Komardin

Konstantin Komardin: Lebenslauf

Das Magazin enthält fast keine Werbung. Das ist ungewöhnlich, denn so ein Magazin braucht Anzeigengelder, um langfristig zu überleben. Wird es dabei bleiben?

Keinem von uns Kreativen liegt das Werben von Anzeigenkunden so wirklich im Blut. Wenn man überlegt, dass etablierte Verlage mehr Angestellte für die Anzeigenakquise abstellen, als zur Erstellung des Inhalts ihrer Magazine, wird es verständlich, dass wir nach jemandem suchen, der dies gegen Provision für uns betreibt.

Wir hätten schon gerne mehr Werbung, werden dann aber zusätzliche Seiten anfügen, um das Heft nicht zu verwässern. Die momentane Wucht, eines wirklich prall mit Comics gefüllten Magazins, ohne viele Artikel und Werbung gefällt mir sehr gut.

Das stimmt. Diese Power ist spürbar. Was ist für Heft Nr. 185 geplant? 

Da bereiten wir etwas sehr Besonderes vor. Schließlich ist es ja die Ausgabe, die auch die Weihnachtsfeiertage abdeckt. Übrigens wird es eine kleine U-Comix-Weihnachtsfeier im neuen Bochumer Comicladen »Little Nemo« geben.

Die Fragen stellte Matthias Hofmann.

Abbildungen © Kringe / Komardin / Murschetz


Weiterführende Links:

Homepage vom neuen U-COMIX: U-COMIX

Facebook-Seite: U-COMIX