GCT 2011: Schlechter Nachgeschmack

Veröffentlicht: Freitag, 27. Mai 2011

Kommentar

Der COMIC REPORT veröffentlicht in Zukunft sporadisch Kolumnen, Kommentare und Meinungen von Branchen-Kennern, Fachleuten oder Comicmachern.

Den Beginn machen Beiträge zum kürzlich stattgefundenen »2. Gratis Comic Tag«. Bei der Berichterstattung über den GCT kommen stets Leser, Händler, Leser und Verlage zu Wort. Aber wie sieht es mit den deutschen Comiczeichnern und Künstlern aus, die ebenfalls zum Event beitragen? Peter Schaaff schildert seine persönlichen Gedanken zur Thematik.

 

Schlechter Nachgeschmack

Gratis Comic Tag 2011 - ein Gast-Kommentar von Peter Schaaff

Der »Gratis Comic Tag« bietet Verlegern & Zeichnern die Möglichkeit, für Comics als solche zu werben, den Fachhandel zu unterstützen und auf die eigenen Veröffentlichungen hinzuweisen. Als beteiligter Zeichner und (Mit-) Verleger möchte ich dazu ein paar Anmerkungen machen:

Wir Mitglieder des Interessenverband Comic e.V. (kurz: ICOM) haben mit unserem jährlichen Mitgliedsbeitrag den Druckkostenanteil unseres Heftes Comics für alle mitfinanziert und die Zeichner unserer Anthologie haben den Inhalt umsonst geliefert.

Am »Gratis Comic Tag« habe ich mich - wie viele andere Kollegen in Deutschland - für zwei Stunden in den örtlichen Comicladen gesetzt und - bei regem Zuspruch - Comics für alle signiert und kleine Zeichnungen gemacht. Das Plotten des Hinweisplakats habe ich selber bezahlt.

So weit so gut.

Auf dem Verteilertisch meiner Händlerin am »Gratis Comic Tag« lagen gerade mal 20 Exemplare des Hefts Comics für alle aus. Sie hatte erst gar nicht mehr geordert als das Grundpaket, sondern auf die Klassiker und Bestseller gesetzt. Die fanden bei einer limitierten Abgabe von maximal drei Heften an jeden Besucher auch mehr Zuspruch.* So blieben selbst von den gerade mal 20 Exemplaren des Comics für alle noch welche übrig auf dem Verteilertisch.

Am nächsten Tag erfahre ich von dem regen Handel mit den kostenlosen Heften zum »Gratis Comic Tag«. Händler gaben vor Ort zusätzliche Hefte gegen Bezahlung ab, auf eBay wurden schon vor dem eigentlichen Veranstaltungstag Komplettsätze verhökert etc.

Wir heimischen Comiczeichner und Kleinverleger - eh schon unterrepräsentiert in den meisten Comicfachhandelsregalen und im Portfolio der großen Verlage - sind beim »Gratis Comic Tag« konfrontiert mit den Umständen, dass:

Erstens, unsere mit Herzblut geschaffenen und gerade mal noch so finanzierten Beiträge gegen die Top-Titel der »Großen« bei Händlern und Lesern am GCT verlieren (unsere Hefte bleiben liegen oder werden vom Händler, der sie im Vorfeld auch bezahlen muss, gar nicht erst geordert)

Zweitens, wir zusehen dürfen, wie einzelne Händler schon vorher, am Veranstaltungstag, oder eben später mit dem Verkauf auch unseres Heft gegen alle Abmachungen Geld machen.

Unabhängig vom gelegentlichen positiven Feedback durch die (neuen) Leser und Freude über das geschaffene Werk bleiben ein schlechter Nachgeschmack beim Engagement für den GCT und leere Taschen. Für uns Comiczeichner und Kleinverleger wird der »Gratis Comic Tag« zum »TeuerSelbstverarschenTag.«

A-Grumh!

Anmerkung: *  Vorausschauend hatte mich der ICOM mit zusätzlichen Exemplaren bestückt, die ich allen am Comiczeichner vor Ort interessierten Besuchern in die Hand gedrückt habe.

Foto: © Peter Schaaff
Comic: © Peter Schaaff


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GCT 2011: ein Kommentar von Peter Schaaff


Peter Schaaff (Jahrgang 1962) lebt und arbeitet als Cartoonist und Comic-Zeichner in Düsseldorf. Nach Veröffentlichungen in diversen deutschen Fanzines (u.a. PLOP und ZEBRA) der Gestaltung und Herausgabe der Tote Helden Comix bis Mitte der 1990er Jahre und einer langen Zeit als Grafiker, freier Illustrator und Screendesigner widmet er sich nun (fast) ausschließlich der Welt der erzählenden Bilder.
Neben Arbeiten für das deutsche MAD gestaltete Peter Schaaff zusammen mit dem Texter Peter Liehr die Short Story »Green« für das US-amerikanische Tales of Teenage Mutant Ninja Turtles sowie diverse andere Kurzgeschichten, u.a. für den Weissblech-Verlag. Dort erscheint auch seit Herbst 2004 Schaaffs eigene Comic- Serie Dämonika – Braut des Bösen. Sein auflagenstärkstes Werk ist der Bildungscomic Andi für das Innenministerium Nordrhein-Westfalen.
Demnächst erscheint der Präventions-Comic Open Air in Cannabis zum Thema Drogenmissbrauch/Marihuana, herausgegeben von den Städten Düsseldorf, Augsburg und Chemnitz. Außerdem ist Peter Schaaff Trainer bei der Comicacademy. Er hat auch eine Homepage: www.schaaff.de


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