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BLOG: Comic heut' nich' - Folge 13: GCT-Comics - Teil 3

Doppeltes Glück mit den Roten Affen

Gleich drei KIDS-Titel sind im dritten Teil der GCT-Lesesause auf dem Prüfstand. Mit Kleiner Strubbel ist ein Comic dabei, der schon von Dreijährigen konsumiert werden kann.

Comic heut' nich', Comic morg'n …cr ICON-FastFacts

Rapid Comicz Commentz von Matthiaz Hofmann
2013/KW19 – Folge 13: GCT-Comics, Teil 3 von 5

Mit dieser Folge ist mehr als die Hälfte geschafft. Es gäbe zu jedem der Titel wesentlich mehr zu sagen. Aber die Intention ist hier, Tipps und Denkanstöße zu liefern und nicht, diese Comics en detail zu rezensieren.

Hier noch einmal die drei Wertungen, die ich anwende:

  • »Haben-muss« (must-have )
  • »Engere Auswahl« (short-list)
  • »Kann man nehmen, muss man aber nicht« (nice-to-have)

Und weiter geht's ...


Soulless

Soulless

Carlsen Manga

32 Seiten, Teaser-Story

Dieses Heft ist für mich eine der positiven Überraschungen der diesjährigen Auswahl. Im Vorfeld habe ich diese neue Serie in der Flut der Neuerscheinungen nicht wirklich wahrgenommen. Ehrlich gesagt hat mich das Cover nicht angesprochen und das war's dann. Es erscheint so viel Mangalesestoff pro Monat und selbst als ALFONZ-Macher kann man sich nicht wirklich alles anschauen, sonst springt man irgendwann schreiend durch ein geschlossenes Fenster im ersten Stock …

Soulless ist die Comicadaption der Steampunk-Romane von Gail Carriger. Diese sogenannten »Lady Alexia«-Romane erscheinen bei Blanvalet und bieten »Vampire, Werwölfe, Regenschirme und Tea Time im viktorianischen London«. Anders als Malcolm Max hat diese Story stärkere Steampunk-Einflüsse, ist gespickt mit etwas Romance und ansonsten dominiert von einer starken Frauenfigur. Und nochwas: Dieser Manga kommt aus den USA.

Miss Alexia Tarabotti, die über paranormale Fähigkeiten verfügt, hat in Notwehr einen Vampir umgebracht und muss sich dafür verantworten, und zwar vor dem attraktiven Werwolf Lord Maccon, seines Zeichens Chefermittler der Queen von Büro für übernatürliche Angelegenheiten. Wie das so ist: Im Nu schlittert Miss Alexia in eine tödliche Intrige.

Die ersten Seiten des Bandes lassen mitunter witzige Dialoge und interessante Charaktere anklingen. Das hätte ich so nicht erwartet. Carlsen veröffentlicht die eigentliche Serie eher untypisch als Hardcover und versucht sie dadurch im Buchhandel besser zu positionieren. Wer auf die eingangs genannten Zutaten steht, der wird sehr wahrscheinlich nach Lektüre dieses Hefts zum kompletten Band 1 greifen wollen. »Engere Auswahl« (short-list)

Soulless Leseprobe


Ferdinand

Ferdinand der Reporterhund

Carlsen Comics

Comics für KIDS

32 Seiten, Kurzgeschichten

Mit Flix und Ralph Ruthe haben sich zwei deutsche Zeichner zusammengetan, die sich erstens gut verstehen und zweitens seit einiger Zeit auf der Erfolgsspur kurven. Sie müssen sich nicht darum sorgen, wo ihre nächsten Werke veröffentlicht werden. Flix war letztes Jahr schon beim GCT mit von der Partie. Seine Interpretation von Don Quijote stellte 2012 ein Gratisheft und belegte eindrucksvoll, wie stilsicher sein Funny-Strich inzwischen geworden ist. Ruthe ist vor allem bekannt durch seine Cartoons Shit Happens!. Beide sind bei Carlsen mehr oder weniger dick im Rennen. Und beide sind, wie sagt man so schön, inzwischen arriviert.

Die Serie Ferdinand der Reporterhund erscheint jeden Monat in Dein Spiegel, dem Nachrichtenmagazin für Kinder. Anfang des Jahres fasste Carlsen die ersten Episoden von in der Regel drei Seiten zusammen zu einem Buch. Der zweite Band wird am 30. Juli 2013 erscheinen.

Der Basisplot ist schnell erzählt: Hund Ferdinand ist Reporter und wird von seinem Chef losgeschickt, um über etwas zu berichten. Am Ende geht das meistens schief. Die Geschichten sind nicht nur lustige Pointencomics, sondern vermitteln quasi nebenbei etwas Wissen. Zielgruppe sind Kids im Alter von acht bis 13 Jahren. So erfährt man bei der Reportage über die Eröffnung des Brotmuseums einiges über die Historie des essentiellen Grundnahrungsmittels oder beim Besuch eines Eiscafés wird ein Exkurs über die Erfindung des Speiseeises geboten. Die Chinesen haben als erste Gletscherschnee mit Früchten vermischt. Hättet ihr's gewusst?

Zur etwas knapp geratenen Selektion von Ferdinand-Comics gibt es ein ausführliches Interview mit den beiden Künstlern. »Engere Auswahl« (short-list)

Ferdinand Leseprobe


Kleiner Strubbel

Kleiner Strubel: Kramik der Halunke

Reprodukt

Comics für KIDS

32 Seiten, abgeschlossene Geschichte


Dieser Titel ist Teil der Kindercomics-Offensive, die Reprodukt im März gestartet hat. Um die Abenteuer vom Kleinen Strubbel zu verstehen, muss man nicht einmal lesen können. Die Comics von Pierre Bailly und Céline Fraipont kommen nämlich gänzlich ohne Worte aus.

In dieser Geschichte verschlägt es den schwarzen Strubbel auf einen Bauernhof, wo er die Bekanntschaft des vereinnahmenden Katers Kramik macht. Dieser ist stets zu Streichen aufgelegt, deren schmerzhafte Folgen in der Regel nicht Kramik, sondern der kleine Strubbel abbekommt.

Das empfohlene Lesealter für diesen Comic ist »ab drei Jahre«. Die Konstruktion der Seiten ist einfach, besteht meist aus sechs quadratischen Panels, und die Abfolge der gezeigten Sequenzen hat stellenweise etwas von einem Daumenkino. Das ist prädestiniert für die Kurzen im Vorschulalter und führt sie ziemlich gekonnt gemacht an die Beschäftigung mit der Neunten Kunst heran.

Der Comic ist spaßig, enthält ordentlich viel Slapstick und führt zu einem aufgeräumten Ende. Wer kleine Kinder in seinem Umfeld hat, der darf hier beruhigt zugreifen. »Kann man nehmen, muss man aber nicht« (nice-to-have)

Kleiner Strubbel Leseprobe


Monster Allergy

Monster Allergy: Das Haus der Monster

dani books

Comics für KIDS

52 Seiten, komplettes Album

Jano Rohleder macht vieles richtig. Von seinem Auftreten, seiner Planung, seiner Kommunikation, seiner Infopolitik oder seinem Marketing kann sich so mancher deutsche Kleinverleger eine Scheibe abschneiden. Dennoch war ich skeptisch was das Projekt »Monster Allergy Gesamtausgabe« betrifft.

Das ist die Serie, die zwar an vielen Orten hinter vorgehaltender Hand als Geheimtipp gehandelt wird, doch aber in Deutschland so etwas wie Kassengift ist. Oder war, zumindest sind die zwei großen Verlagshäuser Carlsen und Egmont daran gescheitert. Die italienische Kindercomicserie mit Animation-Flair wurde zwei Mal schmerzhaft abgebrochen und harrte seit vielen Jahren ihrer vollständigen Veröffentlichung in deutscher Sprache.

Alle guten Dinge sind bekanntlich drei und jetzt will es Rohleder noch einmal so richtig wissen. In acht Bänden will er die Gesamtausgabe auf den Markt bringen. Band 1 ist gerade erschienen und die erste Episode daraus gibt es gratis für alle als GCT-Heft.

Die Handlung beginnt als Elena Patata, die wegen ihres Namens gehänselt wird, mit ihren Eltern und ihrem gut genährten Kater Bandito nach Oldmill Village zieht. Ihr Nachbar ist der mysteriöse Junge Zick, ein Universalallergiker, der mit seiner Nacktkatze Timothy und ziemlich vielen schrägen Monstern in einem unheimlichen Haus wohnt. Statt einen großen Bogen um Zick zu machen, findet Elena ihn und seine Umgebung höchst interessant, auch wenn sie die Monster gar nicht sehen kann.

Monster Allergy ist ein Comic, der erst auf den zweiten Blick wirkt. Spätestens bei der eigentlichen Lektüre des GCT-Hefts, dürfte so mancher seinem Charme erliegen. Eine wirklich tolle Kids-Serie, die auch Erwachsene und Menschen mit einem Faible für Animation-Art anspricht. »Haben-muss« (must-have)

Monster Allergy Leseprobe



Doppeltes Glück mit dem Roten Affen

Doppeltes Glück mit den Roten Affen

avant-verlag

32 Seiten, komplette Story

Verdammt nochmal, wie konnte ich das NICHT wissen? Joe Daley ist eine furchtbar komische, äußerst intelligente und ziemlich coole Socke. Sein Comic Doppeltes Glück mit dem Roten Affen ist eine kleine Offenbarung, wenn man auf schräge Helden des Alltags steht, wie die Freak Brothers, den Big Lebowski oder überhaupt alles, was aus dem Film-Hause der Cohen Brüder so entfleucht. Der Südafrikaner Joe Daley hat mit diesem Comic eine kleine Perle geschaffen, und ich hatte es weder vorausgesehen, noch bemerkt.

Zum Glück gibt's den Gratis Comic Tag. Der avant-verlag präsentiert in seinem diesjährigen Beitrag die Story »Der undichte Cellokoffer« aus dem Roten-Affen-Band, die dem Leser ein ums andere mal ein Schmunzeln ins Gesicht zaubert. Die Story von Comiczeichner Dave, der Ziegel für einen Werbekatalog zeichnen soll (»Der Job kotzt mich an!«), gerät von Anfang an aus den Fugen. Er muss einen Stapel Ziegel, die er mit lustigen Gesichtern versehen hat, neu zeichnen, im Fahrstuhl seines Hochhauses hätte ihn fast ein durchgeknallter Mexikaner kaltgemacht, seine Freundin Monica hat ihn just verlassen, am Ende des Monats wird er pleite sein, und, ach ja, seine Wohnung wurde gerade überflutet. Aber eigentlich sollte er nicht in Selbstmitleid zerfließen. Wenn er in seinem roten Oldtimer mit offenem Verdeck durch Kapstadt kurvt, dann sieht er einen Arbeiter, der in der prallen Sonne den ganzen Tag einen Riesenkaktus am Straßenrand einpflanzen muss. Es gibt also schlimmeres.

Aber da ist noch wesentlich mehr, doch das will ich hier nicht alles verraten. Ich halte es wie Daves Freund und Kiffer Kollege Paul: »Mach locker und unterschätze nie die Macht des inneren Affen, Bruder! Bis dann, Mann.«

Wer mal etwas außerhalb des üblichen Lesehorizonts lesen will, muss dieses Heft mitnehmen. Voller hintergründigem Humor, tollen Textpassagen und überraschenden Wendungen. Ein waschechter Sleeper-Hit! Danke Joe Daley! Danke Johann Ulrich! »Haben-muss« (must-have)

Doppeltes Glück mit dem Roten Affen Leseprobe


Alle Hefte 2013 - Kurz kommentiert: Teil 1 - Teil 2 - Teil 3 - Teil 4 - Teil 5


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Mit »Comic heut' nich', Comic morg'n …« räumt Matthiaz [sic!] auf, denn jede Woche flattern ziemlich viele Comics auf seinen Redaktionstisch. Nicht alles eignet sich für lange Abhandlungen, aber vieles ist es wert, dass man ein paar Worte darüber verliert. Also macht er es sich bequem und schreibt darüber. Und manchmal auch darüber hinaus …

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