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Frisch Gelesen Folge 17: Asterix 35 Luxusedition

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»Ja, habt ihr denn noch alle Karos am Rock?«


FRISCH GELESEN: Archiv


Asterix 35 Luxusedition

ASTERIX Band 35: »Asterix bei den Pikten« Luxusedition

Story: Jean-Yves Ferri
Zeichnungen: Didier Conrad
Egmont Comic Collection
Hardcover | 128 Seiten | Farbe | 49,99 €
ISBN: 978-3-7704-3778-8

Genre: Humor

Für Leser, die das mögen: frankobelgische Funnies, Lucky Luke


Kaum ein neuer Comic ist 2013 mit so großem Interesse bedacht worden wie der 35. Asterix, der erste Band in Ferris und Conrads neuen Kleidern. Als er Ende Oktober auf den Markt kam, hieß es: »Hast Du schon den neuen Asterix gelesen?« und natürlich: »Wie findest Du ihn?«.

Zu keinem anderen neuen Comic wurde ich in Mails, Gesprächen oder Telefonaten so oft nach meiner Meinung als »Comicexperte« gefragt. Das zeigt, dass der kleine Gallier mit den Riesenkräften noch immer ein echtes Thema für die Massen ist, auch weit über die Comicklientel hinaus. So selbstverständlich ist das nicht, und daher muss man der gut geölten Marketing-Maschinerie des deutschen Verlags Egmont eine sehr gute Arbeit bescheinigen, denn dort hat man alle nötigen Register gezogen. Und der Comic als solches hat davon profitiert.

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Conrad beweist sich grafisch als würdiger Nachfolger

Nach der ganzen wochenlangen Geheimniskrämerei und einer schier unermesslich hohen Erwartungshaltung lag es dann endlich vor, das neue Abenteuer, »Asterix bei den Pikten«, und wurde sehr wohlwollend aufgenommen. Alles nicht so schlimm wie befürchtet. Im Gegenteil, die Reise der Gallier ins schottische Hochland kann sich sehen lassen. Sowohl von den Zeichnungen als auch der Story kann man als neues Kreativteam im Vergleich zu den besten Alben aus der Goscinny/Uderzo-Phase nämlich quasi fast alles falsch machen. So war der Druck, der auf Jean-Yves Ferri und Didier Conrad lastete, enorm.

Die meisten Experten bewerten das Album als wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Man war froh, dass Uderzo endlich losgelassen hat, denn die letzten Geschichten waren wirklich zum Schreien schlecht. Die ganz große Negativschelte blieb aus, bis auf die üblichen Nörgler, die bis heute nicht kapiert haben, dass Goscinny seit 1977 tot ist und sein Geist nicht dupliziert werden kann. Und selbst wenn, wäre er rund 36 Jahre später wahrscheinlich auch ein anderer. Für Comic Report Online hat im Oktober der ehemalige ECC-Chef George F.W. Tempel den Band besprochen.

Und die Fans, der gemeine Leser? Auch hier blieb das große Geheule aus und an der Ladenkasse zeigte sich, dass Asterix nach wie vor zu den größten Umsatzbringern zählt. Die erste Auflage der Hardcoverversion musste nur wenige Tage nach dem Erstverkaufstag nachgedruckt werden. Natürlich ist noch viel Luft nach oben, aber eine wichtige Wendemarke scheint gesetzt.

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Pikten-Skizze von Meister Uderzo höchstpersönlich

Etwas zeitversetzt, aber nicht zu spät, um noch im Vor- und Nachweihnachtsgeschäft ein Wörtchen mitzureden, legte die ECC eine Luxusausgabe der Pikten-Geschichte auf. Mit gigantomanischen Kaffetischbuchdimensionen von 36,8 x 26,6 cm gibt es das Abenteuer im Überformat mit Spotlackierung und in Leinen gebundenem Rücken. Hier kommt nicht nur Conrads Zeichenkunst zur vollen Entfaltung, sondern sie wird auch ergänzt durch die kompletten Vorzeichnungen jeder einzelnen Seite. Schon 1988 (»Asterix im Morgenland«), 2002 (»Asterix und Latraviata«) und 2005 (»Gallien in Gefahr«) gab es diese Skizzenbücher, aber dieser neue Band offenbart viel spannenderes Material. So spürt man an allen Ecken und Enden die Aufbruchsstimmung und die Auslotung der Marke »Asterix« für die Zukunft.

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Die Bleistiftzeichnungen von Conrad geben Einblicke in den Entstehungsprozess

Somit ist dieser Blick hinter die Kulissen nicht nur für reine Asterix-Fans von Interesse. Die Klippen, die Ferri als Szenarist zu umschiffen hatte, werden ebenso dargestellt wie der Austausch von Uderzo und Conrad, um z.B. das perfekte Titelbild zu finden, was natürlich auch von Marketing-Aspekten mitbestimmt wurde.

Das Band straft auch alle Lügen, die meinten, Ferri wäre leichtfertig beim Schreiben der Story vorgegangen. Im Gegenteil, er platzierte so viel Details und Wortwitz im Original, dass der deutsche Übersetzer Klaus Jöken bis an seine Grenzen gefordert war. Beispielsweise entwarf Ferri für die »Boborhythmen« des Pikten MacAphon ein eigenes Runenalphabet als Anleitung für Didier Conrad, welches in dem Luxusband abgedruckt wird. Natürlich wird auch jede neue Figur kommentiert und ihre Entstehung dargestellt.

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Erste Entwurfsstudie zu MacAphon von Didier Conrad, später lehnte man ihn mehr an Umpah-Pah an

Was man in dem Band nicht findet, aber das war wohl unvermeidbar, das ist die Episode mit Frédéric Mébarki, der vor Conrad das Album gezeichnet hatte und auf den letzten Metern von Uderzo gestoppt und ausgebootet wurde. Zumindest hätte man eine der inakzeptablen Seiten abbilden können, die zu der Verzögerung des neuen Albums geführt haben, die immerhin ein ganzes verlorenes Jahr bedeutete.

Alles in allem eine gelungene Luxusedition, die ihren Namen verdient und auch den saftigen Preis rechtfertigt.[MH]  

Abbildungen © © 2013 Les Éditions Albert René


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