Frisch Gelesen Folge 94: The Walking Dead 30

Hauptkategorie: Rezensionen Kategorie: Cross Cult Veröffentlicht: Montag, 24. Dezember 2018 Geschrieben von Walter Truck

 »Wir mögen neue Leute, brauchen neue Leute und lieben neue Leute. Neue Leute sind der Lebenssaft, der das Herz unserer Gemeinschaft höherschlagen lässt.« (Lance Hornsby, die Gemeinschaft)


FRISCH GELESEN: Archiv


The Walking Dead Band 30: »Neue Weltordnung«

Story: Robert Kirkman
Zeichnungen: Charlie Adlard (Bleistift), Stefano Gaudiano (Tusche), Cliff Rathburn (Grautöne)

Cross Cult
Hardcover │ 144 Seiten │ s/w │ 18,00 €
ISBN: 978-3-959812-37-5

Genre: Horror, Action, Drama

Für Leser, die das mögen: Zombie Terror (Weissblech), Endzeitgeschichten, Filme von George A. Romero


Amerika, längere Zeit nach dem Auftreten der ersten Zombies: Die Überlebenden haben sich nach den apokalyptisch blutigen und anarchischen Anfangsjahren in der neuen Welt vergleichsweise gut eingerichtet und können bisweilen sogar in Ruhe nach Luft schnappen. Aber »es gibt keine Regierung mehr. Keinen Supermarkt. Kein Internet. Kein Kabelfernsehen.« Die Erde, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Man könnte sogar annehmen, es gäbe so gut wie keine Menschen mehr. Doch das ist ein Irrtum. Angesichts einer heutigen Weltbevölkerung von fast acht Milliarden ist es beinahe logisch, dass nach den geschilderten Ereignissen mehr Leute übrig geblieben sind, als erwartet. Und genau das ist das Problem. Die Untoten sind zwar gefährlich und tödlich, sofern man sie unterschätzt, sich allzu sicher fühlt, zur Überheblichkeit und eingebildeter Überlegenheit neigt. Das tatsächliche Problem des Menschen bleibt aber weiterhin der Mensch.


Liebe in Zeiten der Zombies: Unachtsamkeit kann tödlich enden.

Um dieses Thema kreist die Serie seit ihrem Start. Kaum waren die ersten Trümmer zusammengekehrt, ging das unselige Gerangel um Macht und Besitztümer wieder los; unter der Führung von kleinen und großen Warlords, die ohne Rücksicht auf Verluste wüteten, und vereinzelt von Rick Grimes und seinen Mitstreitern gestoppt wurden. Einem Rick Grimes, der sich um seine Gefolgsleute sorgte und immer noch sorgt und dadurch wie ein schwacher Gutmensch wirkt. »Bekämpfe die Toten, fürchte die Lebenden«, charakterisiert die bisher geschilderten Ereignisse sehr gut.


Jeder ist betroffen: Michonne & Co. vor der »Wand der Verlorenen«.

Ging es ab dem deutschen Band 16 darum, »[e]ine größere Welt« zu erkunden, weil der nackte Überlebenskampf endete, nahmen die Macher schließlich unmerklich aber zielstrebig einen neuen inhaltlichen Höhepunkt ins Visier, der mit dem vorliegenden Band in Worte gekleidet wird: eine »[n]eue Weltordnung.« Lässt man die bisherigen Abenteuer Revue passieren, stellt man fest, dass diese Frage nach der Form des Zusammenlebens ein weiterer roter Faden ist, der die Serie durchzieht. Mit Rick Grimes auf der einen Seite, der eine freiheitliche, aber nicht grundsätzlich demokratische Organisationsform bevorzugt, und seinen Gegnern auf der anderen, die mit eiserner Hand diktatorisch regieren wollten, ob sie nun Gouverneur oder Negan hießen. In dem vorliegenden Band trifft Rick auf die arrogante Gouverneurin Pamela Milton von der sogenannten Gemeinschaft. Eine Frau, die man – wie ihn – unterschätzen kann. Ob das gut geht? Denn zu Pamelas Schrecken und Missfallen lebt Rick in einem Haus, das wie das aller anderen aussieht: »Das ergibt keinen Sinn. Sie sind der Anführer. Leute müssen zu Ihnen aufsehen, Ihren Status anstreben, oder alles stürzt ein.« Zwei Welten prallen aufeinander!


Zwei Welten prallen aufeinander: Rick Grimes und Pamela Milton.

Erstaunlich, wie spannend die Serie geblieben ist, die bei uns in die 30. Hardcoverausgabe geht, 2003 in Amerika startete und es dort bereits auf über 180 Hefte gebracht hat. Langlebige Comicserien gibt es viele, keine Frage, seien es nun Superman oder Asterix. Doch eine postapokalyptische Serie, die in einer von Zombies verseuchten Welt spielt, das hätte man nicht erwartet. Zumal man glauben könnte, dass das Thema mit drei Filmen von George A. Romero erschöpfend durchleuchtet wurde: Night of the Living Dead (1968), Dawn of the Dead (1978) und Day of the Dead (1985). Autor Robert Kirkman bewies das Gegenteil, indem er sich nicht nur auf die zähnefletschende Action konzentrierte, die er genüsslich präsentieren ließ, sondern auch Romeros inhaltliche Ansätze fortspann. Wie verhalten sich Menschen in Krisensituationen? Kann es nach einer weltumspannenden Katastrophe auch friedlich weiter gehen?


Unspektakulär, aber solide: Charlie Adlards und Stefano Gaudianos Zeichnungen,
Robert Kirkmans Humor.

Die Zeichnungen von Charlie Adlard und Stefano Gaudiano sind in gewisser Weise unspektakulär (sind aber perfekt und solide) und wirken so, als hätten sie sich in den vergangenen 15 Jahren nicht verändert. Das stimmt natürlich nicht. Doch gerade das bodenständige Erscheinungsbild sorgt dafür, dass das unvermittelt auftretende Grauen einen so richtig anspringen kann. Denn die Zombie-Action kann sich sehen lassen!

Schmunzeln musste ich über die Tatsache, dass es bei einem Schwarz-Weiß-Comic auch jemanden gibt, der sich um die »Farben«, naja speziell um die »Grautöne« kümmert. Sehr schön.
Apokalyptischer Tipp zum Schluss: Am besten in eine untote Umgebung ziehen, dann klappt es auch mit dem Nachbarn!

[Walter Truck]

Abbildungen © 2018 Cross Cult


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